Ausstellung: Fotos eines Düsseldorfer Arztes dokumentieren den Aufbau Israels.

Foto-Ausstellung : Das Ende eines großen Traums

Ausstellung: Fotos eines Düsseldorfer Arztes dokumentieren den Aufbau Israels.

„Goldsteins Traum – Von Düsseldorf ins gelobte Land“ heißt die neue Ausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte. Sie ist eine fotografische Annäherung an die Geschichte des deutschen Arztes Georg Goldstein im jungen Israel der 1930er und 40er Jahre. Die Familie des 1898 geborenen Goldstein war 1907 aus Russland nach Deutschland gekommen. Nach Abitur, Studium und Promotion eröffnete er 1939 eine Praxis als Facharzt für Innere Medizin. Die Nazis entzogen ihm dann die Kassenzulassung, seine Einbürgerung wurde widerrufen. Goldstein wanderte nach Palästina aus und eröffnete dort in Jaffa eine Praxis.

Das neue Leben in „Erez Israel“ sollte für den begeisterten Zionisten eigentlich die Erfüllung eines Traums werden. Schon immer ein begeisterte Amateur-Fotograf, dokumentierte Goldstein jetzt mit deutsch-jüdischem Blick den Alltag im britischen Mandatsgebiet Palästina. Dabei gelangen ihm Aufnahmen von überraschender Qualität. Viele davon sind jetzt an der Mühlenstraße zu sehen.

Jüdische Migranten aus ganz Europa und Nordafrika suchten damals eine Heimat in dem biblisch versprochenen Land. Ein Foto von 1937 zeigt Jemenitische Jugend im Grenzgebiet zwischen Jaffa und Tel Aviv. An anderer Stelle, besonders beeindruckend, Fotos der bewusst in den Sand der Mittelmeerküste gesetzten Flüchtlingsdampfer. Weil die Briten eine massenhafte Einwanderung verhindern wollten, ließen sie die Schiffe nicht in die Häfen. Also sprangen die Neuankömmlinge von Bord und wateten dem Gelobten Land entgegen.

Auf einer anderen Aufnahme aus Jerusalem blockiert ein Volkswagen die enge Gasse. Kein Durchkommen für einen Eselskarren. „Quiet! Synagogue“ heißt es auf einem Straßenschild, zusätzlich auch in Hebräisch und Arabisch. Der Rundgang durch die gut gestalteten Ausstellungsräume zeigt aber auch die Verletzlichkeit des noch unfertigen Staates. Von 1943 stammt ein Foto mit einem Banner, das zur Musterung aufruft: „Lasst uns alle Soldaten werden zur Verteidigung unserer Heimat.“ Goldstein hinterließ eine Sammlung mit 11.000 Negativen, die heute im Essener Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut verwahrt werden.

Das Klima und mehr noch die politische Entwicklung machten dem Arzt zu schaffen. Ihm wird die wachsende Kluft zwischen seinem zionistischen Ideal und der Wirklichkeit des jüdischen Staates immer bewusster. 1953 kehrt er schließlich mit seiner Frau Ilse nach Düsseldorf zurück. 1974 notiert Georg Goldstein desillusioniert: „Die Vision Theodor Herzls von einem freien, friedlichen ‚Erez Israel‘ ist für die kommenden tausend Jahre ausgeträumt.“ Die bis Oktober andauernde Ausstellung wird von einem Katalog und zahlreichen Veranstaltungen begleitet.

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