1. Kultur

Auftakt zum „Place Internationale“ im FFT in Düsseldorf

„Place Internationale“ im FFT : Künstler-WG für 36 Stunden

Das FFT hat am Wochenende seine diesjährige Reihe „Place Internationale“ mit einem außergewöhnlichen Live-Experiment von Künstlern gestartet.

„A Scenario for Togetherness“ haben Ayreen Anastas, Adania Shibli und Rene Gabri ihr Projekt überschrieben. „Es ist ein Versuch, der viel Raum für Improvisationen und Überraschungen lässt“, fasste Rene Gabri die Grundidee zusammen. Die drei Künstler lebten, arbeiteten, schliefen, kochten und diskutierten 36 Stunden lang gemeinsam auf Bühne 1 im FFT. Das an sich ist schon ein interessanter Ansatz. Doch die drei gingen noch einen Schritt weiter, sie streamten ihr Experiment live ins Internet. „Living Cinema“ nennt Gabri das. Dabei traten sie nicht nur in den Dialog miteinander, sondern luden sich über die beiden Tage auch zahlreiche Gäste ein.

Die trugen Texte vor, performten oder machten Musik. „Wir erleben hier einige unerwartete Momente“, gab Rene Gabri zu. Denn vorher geprobt wurde nichts. Die Künstler-WG auf Zeit wollte sich wie im wahren Leben treffen, um sich mit aktuellen gesellschaftlichen Themen, wie sozialer Gerechtigkeit, Würde, Freiheit und Hunger auseinanderzusetzen.

Es sind Begriffe, die 2011 im Zentrum vieler Demonstrationen gegen totalitäre Regime in Ländern wie Syrien, dem Jemen, Ägypten oder Tunesien standen. Und die durch die aktuellen Ereignisse in Folge der weltweiten Pandemie, des Klimawandels und des Krieges in der Ukraine vielleicht mehr den je in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden. Das Publikum konnte sowohl live von der Galerie aus das Geschehen unten auf der Bühne verfolgen, als auch zeitgleich im Internet dabei sein.

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Parallel zeigte Bouchra Khalili ihre Mixed-Media-Installation „The Magic Lantern“. Darin lotete die bildende Künstlerin verschiedenste Formen und Strategien des Widerstands aus. Die Macht der Bilder ist für Revolutionen und Befreiungsbewegungen ebenso wichtig, wie die Begriffe, die „A Scenario for Togetherness“ zur Diskussion stellten. Khalili nutzte für ihre künstlerische Auseinandersetzung Mittel des klassischen Kinos. Sie drückte sich außerdem in Siebdrucken, einer Skulptur und einem gewebten Wandteppich aus.

Den Auftakt von „Place Internationale“ setzte das FFT als dynamisches Erlebnis für Künstler und Publikum um. Die Zuschauer konnten jederzeit kommen und gehen, dem Konzert von Schwabinggrad Ballett & Arrivati lauschen oder im Foyer der Lesung von Hauke Heumann und Klaus Ronneberger folgen. Die erzählten vom Mythos und Sturz der Siegessäule auf dem Pariser Place Vendôme. Der wiederum für kurze Zeit zum Place Internationale wurde. Dieses Gefühl eines Ortes, an dem die unterschiedlichsten Menschen zusammenkommen, sich wieder zerstreuen, um sich erneut in anderen Konstellationen zu treffen, greift das FFT einmal mehr erfolgreich mit seiner Veranstaltungsreihe auf, die noch bis zum 28. Mai mit zahlreichen Highlights läuft.
Infos zum Programm und Tickets unter: www.fft-duesseldorf.de