1. Kultur

Anne Gesthuysen liest aus "Wir sind schließlich wer"

Lesung von Anne Gesthuysen : Ausflug in dem Mikrokosmos des Dorflebens

Im Rahmen der Reihe „frisch gepresst“ las Anne Gesthuysen in der neuen Zentralbibliothek aus ihrem neuen Roman „Wir sind schließlich wer“.

Dorftratsch, schwesterliche Eifersüchteleien, gewürzt mit einem Spritzer krimineller Energie – es ist einiges los in Anne Gesthuysens neuem Roman „Wir sind schließlich wer“, den die Moderatorin am Dienstagabend im Rahmen der Reihe „frisch gepresst“ in der neuen Zentralbibliothek vorstellte.

Zwischendurch kam Gesthuysen ins Plaudern. Erzählte Anekdoten aus ihrer Familiengeschichte. Aufgewachsen am Niederrhein, beherzigt sie das, was gute Autoren tun sollten: Schreibe über das, was du kennst. Die Ideen zu ihren Büchern und vor allem zu ihrem teils wirklich skurrilen Personal nimmt die Mutter eines elfjährigen Sohnes aus dem wahren Leben. „Dabei entspringen die Geschichten immer meiner blühenden Fantasie“, beteuerte Gesthuysen, um augenzwinkernd hinterherzuschieben: „Offenbar bin ich dabei so nah dran am tatsächlichen Geschehen, dass meine Mutter davon überzeugt ist, genau so ist es passiert“.

Als echtes Landei weiß sie genau, wie der Mikrokosmos einer Dorfgemeinschaft funktioniert. Obwohl sie als Jugendliche die Strukturen eher einengend fand und längst Großstadtleben schnuppern konnte, bleibt sie ihrer Heimat am Niederrhein treu und sei es auch nur, um daraus Stoff für ihre Romane zu machen.

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Als Insiderin zu berichten, wäre aber nicht halb so unterhaltsam geworden. Deshalb ließ sich Anne Gesthuysen einmal mehr durch reale Personen inspirieren und ersann die Pfarrerin Anna von Betteray. Schon große Schriftsteller wussten, den besten Blick hat eine außenstehende Person auf ein Geschehen, die durch ihren Beruf praktisch in jedes Haus kann. Da hätte sich natürlich auch ein Handwerker angeboten, aber eine Pfarrerin ist noch näher dran. Wird zu Familienfeiern, Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen eingeladen. Wenn sie auch noch adelig ist und mit Standesdünkel im Gegensatz zu anderen Familienmitgliedern nix am Hut hat und der junge Bestatter auffallend häufig in ihrem Umfeld auftaucht, ist der Fantasie keine Grenze gesetzt.

Publikum und Autorin genossen sichtlich die Atmosphäre der Lesung. Seit Monaten sei es das erste Mal, dass sie wieder live Zuhörer habe, freute sich Anne Gesthuysen. „Wir sind schließlich wer“ ist ihr inzwischen vierter Roman. Bekannt wurde die Journalistin als Moderatorin der „Aktuellen Stunde“ im WDR oder des „Morgenmagazins“ im ZDF. Seit eine Lektorin sie überredet habe, doch auch mal ein Buch zu schreiben, startete Gesthuysen 2014 eine weitere Karriere als Autorin. Dabei habe sie sich Anfangs gar nicht so gesehen, gibt die Journalistin ehrlich zu. Mit ihrem genauen Blick auf Menschen, Orte und die kleinen Dinge des Lebens, hat sich die 52-jährige eine feste Fangemeinde erschrieben. „Mich interessieren die Geschichten, die jemand zu erzählen hat, und die inspirieren mich, sie zu eigenen weiterzuspinnen“, gab sie zum Schluss der Lesung noch Einblicke in ihre Schreibwerkstatt.