1. Kultur

Anna Zörner und Anke Kronemeyer schreiben Stadtführer Düsseldorf

Kinderbuch über Düsseldorf : Der kleine Löwe als kluger Stadtführer

Anke Kronemeyer und Anna Zörner haben ein wundersames Kinderbuch über Düsseldorf geschrieben und gezeichnet.

Löwen, das weiß man, sind besonders stark und mutig. Kleine Löwen aber, die noch nicht ganz so stark und noch nicht ganz so mutig sind, müssen besonders schlau sein. So wie der kleine Bruder vom Bergischen Löwen, der ja das Wappentier der Stadt Düsseldorf ist. „Dä kleene Broder“ aber ist so eine Art Stadtführer, der fast alles weiß. Jedenfalls in dem neuen Kinderbuch, das scheinbar schlicht und einfach „Unser Düsseldorf“ heißt, aber ganz so simpel dann doch nicht gemeint ist. Denn tatsächlich ist das von Anke Kronemeyer geschriebene und Anna Zörner so liebevoll illustrierte Buch wirklich verbindend, irgendwie ein echtes Düsseldorfer Gemeinschaftserlebnis.

Viel Nützliches ist dabei, und manchmal auch ein bisschen Unnützes, zum Glück, denn das ist natürlich immer das Spannendste. Dass inzwischen rund 1000 irgendwie „eingewanderte“ Papageien an der Königsallee leben, bringt einen nicht sonderlich weiter. Aber ganz nett zu wissen ist es trotzdem. Andere Fakten sind noch ein bisschen wissenswerter. Dass beispielsweise von den 640.000 Düsseldorfern immerhin 150.000 ausländischer Herkunft sind. Sie kommen aus der Türkei und Griechenland, aus Marokko und Frankreich und besonders viele aus Japan. „Wir sind alle Düsseldorf“ steht auf den Plakaten, die in dem Buch eine bunte Menschenschar hochhält. Düsseldorf ist also eine weltoffene Stadt. Und man spürt, dass auch diese Botschaft den beiden Urhebern des Buches ein wichtiges Anliegen gewesen ist.

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Gottlob erfahren wir in kleinen, guten Häppchen einiges auch aus dem Kulturleben der Stadt; wir sehen Joseph Beuys (1921-1986) und Harry Heine (1797-1856) im Bild, das Denkmal von Mutter Ey, ein Bild mit allerlei Uecker-Nägeln und eine Skulptur mit typischem Tony-Cragg-Kurven. Und gleich daneben ist das Display eines Handys gezeichnet mit einer Art Düsseldorfer Playlist. „Autobahn“ von Kraftwerk steht ganz oben, erst an siebter Stelle taucht Schumanns „Rheinische“ auf; gut, über Geschmack lässt sich immer prima streiten – und wenn auch das durchs Buch gelingt, ist es viel wert. Der kleine kluge Bruder vom großen Stadtwappen-Löwen ist jedenfalls auf jeder Seite dabei: Springt mal mit Baskenmütze frech durchs Bild und geht ein anderes Mal schon mächtig mit Einkaufstaschen beladen über die Kö.

Es findet sich viel städtische Gegenwart in dem Kinderbuch, die ohne Vergangenheit kaum verständlich wäre. Der kleine Löwe hat ein Einsehen und führt die Leser auch in die Geschichte der Neandertaler und Römer, und selbstverständlich auch zu Jan Wellem.

Geboren wurde die Idee zum Buch übrigens mitten auf der Kirmes. Genau auf der Achterbahn,. Die Gründerin des noch jungen Windy-Verlags, Kirsten Geß, soll dort Anke Kronemeyer gefragt haben, ob sie sich ein solches Buch vorstellen könne? Doch weil es im Moment mit hohem Tempo wieder steil bergab ging, konnte die leicht gequälte Antwort nur lauten: „Jetzt nicht.“ Glücklicherweise ist es bei dieser Antwort nicht geblieben.

Aber nicht nur darum ist im Buch auch von der großen Kirmes am Rhein die Rede – mit Riesenrad, Zuckerwatte, Feuerwerk und Achterbahn. Doch wenn man sehr genau hinschaut, könnte man fast glauben, die Autorin auf der entsprechenden Kirmes-Illustration ganz klein zu erkennen, wie ihr zum ersten Mal der kleine Bruder vom Bergischen Löwen im Kopf zu rumoren begann. Aber das ist nur ein Hirngespinst, aber so schön wie Hirngespinste nun mal sind.

Das Buch kann natürlich keine Stadtgeschichte ersetzen und will es auch gar nicht. Es ist konzipiert für Leser ab vier Jahren. Doch auch als Erwachsener blättert man gerne in dem Buch, entdeckt dies und das, was man noch nicht so genau wusste oder neu entdeckte (wie etwa den etwas schrägen Turm der Lambertus-Kirche) und hat Spaß an den freundlichen Illustrationen, die für sich künstlerische Eigenständigkeit beanspruchen und dabei doch immer ein gutes Abbild der Wirklichkeit bleiben.

Anke Kronemeyer und Anna Zörner arbeiten für die Rheinische Post; und eigentlich sollte man nicht unbedingt Bücher von Kolleginnen und Kollegen in den Himmel loben. Es sei den, sie sind wirklich wunderbar gelungen. Wie eben „Unser Düsseldorf“.