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Mönchengladbach: Anna Oppermann: Kunst um Lindenblüten

Mönchengladbach : Anna Oppermann: Kunst um Lindenblüten

Unter dem autobiografisch klingenden Titel "Künstler sein" hat die Hamburger Künstlerin Anna Oppermann (1940–1993) ein eindrucksvolles Beispiel für ihr Konzept von Prozesskunst hinterlassen. Ihr Raum-Ensemble aus 899 Einzelteilen, in der Mehrzahl Fotografien, entstand von 1968 bis 1985. Nun hat die Mönchengladbacher Sparkassenstiftung für Kunst und Wissenschaft das Ensemble erworben und stellt es dem Museum Abteiberg als Dauerleihgabe zur Verfügung.

Einen quadratischen Raum hat das Museum dafür freigeräumt. Zu sehen ist eine Installation, deren fotografisches Bildmaterial drei Wände und ein altarähnliches, von einer beige-weißen Decke verhülltes Podest füllt. Nicht nur auf den ersten Blick ein verwirrendes Wimmelbild, das sich dem Thema Reproduktion widmet. Viele Großfotos zeigen ihrerseits ein aufgebautes Ensemble aus Fotos, die abermals eine Raumsituation bilden.

Der Kern der Arbeit, von Anna Oppermann dem Titel in Klammern beigegeben, kreist um das Motiv der Lindenblütenblätter. Ein Lindenzweig mit vertrocknetem Blattwerk hängt kopfüber von der Decke. Museumsleiterin Susanne Titz sieht in "Künstler sein" ein Ensemble, das Reproduktion in einer Zeit thematisierte, in der Fotografie noch analog und in Schwarzweiß geschah. "Anna Oppermann führt wie in einem großen Archiv ihren Bestand immer wieder neu vor, sie sprach in diesem Zusammenhang damals schon von Reizüberflutung", so Titz. Damit sei die Installation, von der die Künstlerin 1977 bei der documenta einen Ausschnitt per Video präsentierte, als Vorschein der medialen Wirklichkeit heute kenntlich gemacht.

(RP)