1. Kultur

Am 11. August starten wieder Hinterhoflesungen in Düsseldorf

Zakk startet mit neuem Programm : Schöne Literatur in schönen Hinterhöfen

Am 11. August wird es wieder soweit sein: Dann beginnen die traditionsreichen Hinterhoflesungen. Den Auftakt bestreiten in Flingern die Autorinnen Ariadne von Schirach, Hannah Grünebaum und Noemi Somalvico.

Einen Hinterhof erklärt der Duden so: „von Hinterhäusern eingeschlossener engerer Hof, mit wenig Sonne und wenig Grün“. Das klingt trist und nach Open-Air-Keller. Vermutlich liegt die Erläuterung schon eine Weile zurück und die Wort-Definierer ahnten damals nicht, dass sich die Hinterhöfe der Großstädte auf dem Immobilienmarkt in pures Gold verwandeln würden und aus ihnen Hortensien- und Farn-Oasen werden könnten. Nach jenen lauschigen Schattenplätzen hält Christine Brinkmann vom Zakk ein Mal im Jahr intensiv Ausschau. Dann zieht sie durch Düsseldorf, läuft die Stadtteile ab und putzt viele Klinken, um für ihre sommerlichen Hinterhoflesungen den perfekten Platz zu finden. Auch dieses Mal ist ihr das gelungen, und so kann es am 11. August um 19 Uhr losgehen. Der Eintritt ist frei.

Im Kulturzentrum Zakk leitet Brinkmann das Programm „Wort und Bühne“. Vor zehn Jahren hat sie mit der Lyrikerin und Slam-Queen Pamela Granderath die Hinterhoflesungen ins Leben gerufen. Granderath lebt inzwischen in Portugal, das Kulturformat ist mit Christine Brinkmann glücklicherweise in Düsseldorf geblieben, die Nicole Tzanakis vom Künstlerverein WP8 an ihrer Seite hat.

  • Das Gedenken wurde auch auf den
    Gedenkstunde in Düsseldorf : Wehrhahn-Attentat soll unvergessen bleiben
  • 14.07.2022 / Gastro-Tipp 5P Kiefernstr.5 /
    Gastro-Test : Essen nach New Yorker Vorbild in Flingern
  • Natia Torchinava ist Chefin im So
    Neues Restaurant in Düsseldorf-Flingern : Am Lindenplatz wird jetzt georgisch aufgetischt

„Im Sommer möchten sich die Menschen draußen aufhalten, wir wollten aber weiterhin unsere Lesungen anbieten“, sagt sie. Also wurden beide Bedürfnisse zusammengeführt und Düsseldorf hatte ein neues kleines Literaturfestival, das aus dem Stand Erfolge feierte. Die Nachfrage ist seit dem Start 2013 ungebrochen hoch. Dennoch blieb es bei drei Terminen, denn der Aufwand ist enorm. „Uns ist eine gute Balance zwischen etablierten Autorinnen und Autoren und Newcomern wichtig“, betont Brinkmann. Hier braucht es einen scharfen Blick für die Güte in beiden Gruppen. Das kostet Zeit.

In diesem Jahr drückt sich das Konzept unter anderem in folgenden Namen aus: Zum ersten Termin am 11. August lesen im Hof des Kunst- und Kulturraums Behrenhof in Flingern Ariadne von Schirach, Hannah Grünebaum und Noemi Somalvico. Von Schirach schreibt Bücher und Essays übers Glück, übers Sozialleben, die Schattenseiten der Ökonomisierung. Sie lehrt Philosophie und ist die Cousine des Schriftstellers und Strafverteidigers Ferdinand von Schirach.

Noemi Somalvico schreibt hinreißende Geschichten über Tiere, weil sie irgendwann nicht mehr über Menschen schreiben mochte. „Ihre Erzählungen sind humorvoll und haben etwas Silbriges. Darin erinnern sie mich an den ,Kleinen Prinzen‘“, sagt Brinkmann. Hannah Grünebaum kommt aus Kempen, also aus der Gegend. Sie ist 19 Jahre alt, Poetry Slammerin, schreibt Gedichte, Kurzgeschichten und arbeitet gerade an ihrem ersten Fantasy-Roman.

Dies Gleichgewicht ziehen Christine Brinkmann und Moderatorin Hanna Werth durch: Neben den Stars der Buchszene kommen auch junge Literaten zum Zug: Lyriker, Rapper, Romanciers. Sie stehen alle unter Schirmen, wenn es regnet, denn auch dann wird gelesen. Da hilft kein Promifaktor und kein Listenplatz. „Der Kontakt zwischen Publikum und Literaten und auch unter den Autoren ist direkt“, sagt Christine Brinkmann. Und überraschend, wie Hanna Werth, Ensemble-Mitglied am Schauspielhaus, findet. „Obwohl ich schon seit acht Jahren in Düsseldorf lebe, entdecke ich auch dank der Hinterhoflesungen immer wieder neue Orte und großartige Autoren.“

Die Suche nach geeigneten Hinterhöfen wird nicht einfacher, zumal die Veranstalterinnen sich vorgenommen haben, jeden Ort immer nur einmal zu bespielen. „Düsseldorf hat viele tolle Hinterhöfe“, sagt Christine Brinkmann. „Allerdings nimmt die Verdichtung zu. Das ist traurig.“ In die städtisch verwalteten Grünanlagen auszuweichen, wenn es beim Location-Scouting mal wieder eng wird, kommt für sie aber nicht infrage.

Am 18. August und am 25. August (ab 19 Uhr) finden weitere Lesungen statt: in der Kita Kleine Freiheit in Flingern und im Innenhof Kaiserbads Münstertherme. „Neben Lucy Fricke auftreten zu dürfen, ist für mich eine große Sache“, sagt die 19 Jahre alte Poetry-Slammerin Julia Stach, die bei der Hinterhoflesung am 18. August dabei ist, bevor es für sie im September zu den U-20-Slam-Meisterschaften nach St. Gallen geht.

Auch das Zakk und die Bädergesellschaft hecken Zukunftspläne aus. Das Kulturzentrum liefert das Format, die Bädergesellschaft den Ort: Am 21. August wird im Allwetterbad Flingern der Düsseldorfer Poetry Slam ausgetragen und für Oktober hat man Filmvorführungen in der dann fertiggestellten Münstertherme ins Visier genommen. Wer mag, schaut dann aus dem Wasser zu.

Info hinterhoflesungen.de