Duisburg: Allerliebst: Strawinskys "Nachtigall" in Duisburg

Duisburg : Allerliebst: Strawinskys "Nachtigall" in Duisburg

Am Anfang – wir schreiben das Jahr 1908 – klingt diese Musik wörtlich nach Debussy, den ganzen ersten Akt lang. Dann schreibt der Komponist drei der berühmtesten Ballette der Weltliteratur – und als er jenes Werk fünf Jahre später wieder auf den Schreibtisch holt, hat sich seine Sprache verändert. Igor Strawinskys Kurzoper "Nachtigall" wurde so zu einem fast zweisprachigen Kunstwerk, dessen größerer zweiter Teil unzweifelhaft nach "Sacre de Printemps" tönt.

Dieses kostbare Werk nach dem Märchen von Hans Christian Andersen, das die heilende Kraft natürlicher Gesangskunst sogar einen chinesischen Kaiser spüren lässt, hat die Rheinoper in ihrem Duisburger Haus jetzt in einer sehr sehenswerten, bildkräftigen und pfiffigen Produktion herausgebracht. Da das Märchen klanglich ebenfalls in China spielt, stand in dem Taiwanesen Wen-Pin Chien der fast ideale Dirigent am Pult der exzellenten Duisburger Philharmoniker. Er malte wie mit dem Tuschepinsel, betonte die Chinoiserien der Musik, gewährte den Holzbläsern Luft und Hauch. Es regierte der feine Geist der Delikatesse.

Auf der Bühne herrschte Gedränge, wenn die Leibeigenen des Kaisers durch den Wald stapften, aber es war eine köstliche Wuselei. Svenja Tietdt (Regie) und Tatjana Ivschina (Ausstattung) haben altes und neues China originell eingewoben, haben die Natur aus der Unterbühne aufblühen lassen, die Nachtigall sitzt in einer Luftschaukel und trällert von dort ganz vorzüglich (Iulia Elena Surdu). Der Kaiser (mit sonorer Autorität: Stefan Heidemann) singt im Schlagschatten eines überlebensgroßen Doubles, einer Statue aus Plaste und Elaste, die man eher nach Nordkorea verorten möchte. Hübsch die Idee, die zutrauliche Nachtigall anfangs in einen Käfig aus Mikrofonständern zu sperren. Später nimmt sie Reißaus (sie kann die Gegenwart einer künstlichen Nachtigall, eines Geschenks des japanischen Kaisers nicht ertragen) und kehrt nur wieder, weil der Kaiser von ihrem Gesang zu Tränen gerührt war.

Wie überzeugend diese Kombination aus musikalischer und inszenatorischer Kompetenz und Phantasie wirkte (prima auch die weiteren Sänger sowie der Chor), merkte man gestern beim kindlichen Schülerpublikum. Vor der Aufführung um 11.30 Uhr herrschte ein Kreischen, dass einem fast die Ohren abfielen. Als der Zauber auf der Bühne begann, herrschte eine Ruhe, wie sie in manchem Kinderzimmer nur eintritt, wenn da ein kleiner Patient mit 40,5 Grad Fieber im Bett liegt.

Prädikat: Sehr wertvoll!

Termine 5., 23.2., 18.3., 15., 27.4. im Theater Duisburg, ab 21.6. im Opernhaus Düsseldorf – www.rheinoper.de

(RP)
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