Essen: Alice Schwarzer über Gefahren des Islamismus

Essen : Alice Schwarzer über Gefahren des Islamismus

Eine Vorlesung war angekündigt, ein Seminar großen Ausmaßes sollte es werden: Der neuen Mercator-Professorin Alice Schwarzer (68) war gestern mehr nach Gespräch als nach Belehrung zumute. Zwei vorgetragene Kapitelchen aus ihrem jüngsten Buch, "Die große Verschleierung", sollten als Impuls für eine lebhafte Debatte genügen.

Es kam anders: Das im Audimax der Essener Universität zahlreich vereinte Studienvolk begnügte sich mit bestenfalls dezent kritischen Nachfragen. Die Debatte blieb aus, mit Muslimen und Musliminnen etwa, aber auch mit jenen, denen im Vorfeld der Sinn nach Eklat stand. Eine der Lautesten von ihnen, Sabine Plonz, Pfarrerin für Islamarbeit und Integration, hatte der Frauenrechtlerin Halbwissen attestiert und sie mit Rechtspopulisten gleichgesetzt. Sie wurde zur eigentlichen Adressatin Schwarzers, oft zitiert und ermuntert, an der Debatte teilzunehmen. Ob die Pfarrerin nun anwesend war oder nicht – es blieb trotz mehrfacher Aufforderung in dieser Ecke stumm. So blieb der Mercator-Professorin vor allem die Rolle der Mahnerin vor dem Einfluss von Islamisten. Doch eine, die aus Erfahrung sprach. Bereits 1979 war sie nach der islamistischen Revolution nach Teheran gereist, hatte mit Frauen gesprochen und war mit der Erkenntnis heimgekehrt, dass diese Frauen "gut genug waren, für die Freiheit zu sterben, aber nicht gut genug sein werden, in Freiheit zu leben". Die Probleme sind geblieben. Von falscher Toleranz spricht Schwarzer, von der Kulturfalle, in die jene tappen, die sich für gutmeinend halten. Aber: "Kritiklose Fremdenliebe ist nur die andere Seite einer Fremdenverachtung."

Und anzuprangern gibt es für die Mercator-Professorin viel: das Kopftuch als Flagge des Islamismus und die Agitation der Islamverbände hierzulande. Zudem machten die Islamisten, so Schwarzer, keinen Hehl aus ihren Absichten – "wie damals auch die Nazis", fügte sie hinzu. Zur berechtigten Sorge gehört auch die Situation muslimischer Frauen, die sich emanzipieren wollen und sofort in einem Dilemma stecken: nämlich mit der Gefahr, die emotionale Heimat der Familie zu verlieren.

Am Ende Dank für ein dann doch bloß "offenes Zuhören".

(RP)
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