Albumkritik "Schritte" von Silbermond

„Schritte“ : Silbermond sind auf ihrem neuen Album ganz nachdenklich

Die Band Silbermond hat ein neues Album veröffentlicht. „Schritte“ könnte das letzte Werk der Gruppe sein.

In den gut 20 Jahren seit der Gründung von Silbermond ist viel passiert: Elternteile starben, Kinder wurden geboren. Die Band Wir sind Helden haben diese Familienbildungsprozesse vor sieben Jahren zu einer Pause auf unbestimmte Zeit bewegt. Silbermond gehen bisher noch einen anderen Weg und verarbeiten ihre neue Lebenssituation auf dem ungewöhnlich offenen, nachdenklichen und melancholischen neuen Album „Schritte“. Doch zuletzt räumte auch die 35 Jahre alte Sängerin Stefanie Kloß in Interviews ein, dass es das möglicherweise letzte Werk der Band, die 2004 mit dem Hit „Symphonie“ berühmt wurde, sein könnte.

Bei einem gemeinsamen Reinhören mit den Bandmitgliedern in einem Kölner Club war davon noch keine Rede. Allerdings wurde doch sehr deutlich, dass sich die Band Silbermond in den Modus der Rückschau begeben haben – und der steht ja oft am Ende von etwas. „Mit unserem ersten Album 2004 sind wir erstmal ganz naiv drauf los gestartet, sangen von Liebe und so, erlebten verrückte zehn Jahre“, erinnert sich Stefanie Kloß. Nach dem Album „Himmel auf“ erlebte die Band dann ihre erste Krise, als hätte jemand Sand ins Getriebe gestreut. „Wir trafen radikale Entscheidungen, was unser Umfeld betrifft, mussten uns wiederfinden.“ Das Album „Leichtes Gepäck“ (2015) ist ein Zeugnis dieser Umorientierung, eines neuen Blicks auf das Leben mit all seinen Licht- und Schattenseiten.

Mit den zehn Liedern auf „Schritte“ gehen Silbermond diesen Weg weiter, schauen genauer hin – „mit neuem Selbstbewusstsein als Band“, sagt Stefanie Kloß. „Ein kleiner Knirps kommt jetzt immer mit, ein Wesen, das alles durcheinander bringt. Und gleichzeitig spielt alles verrückt in der Welt und besonders in Sachsen.“ Und so malt die erste Single „Träum ja nur (Hippie)“ das Traumbild einer gerechten und friedlichen Welt der gelebten Vielfalt und Toleranz – eben weil diese Utopie im Moment wieder in weite Ferne gerückt zu sein scheint: „Doch ich seh‘ Peace-Zeichen, da wo Menschen wohnen / Hör‘ „Imagine“ aus Panzern und Drohnen“.

Die zweite Single „In meiner Erinnerung“ schaltet musikalisch noch einen Gang weiter zurück, geht noch tiefer, ist ein Nachdenken der Sängerin über den Tod des Vaters – und wie es danach weitergehen kann. „Mit jedem Tag der vergeht, lebst du weiter / In meiner Erinnerung“, heißt es da, „Hab‘ all die Bilder mit dir gespeichert / In meiner Erinnerung.“

Besonders spannend ist, dass sich auf dem Album ein Titel findet, der genauso heißt wie die Band – „Silbermond“. Nimmt man ihn als Selbstbeschreibung, dann ist die aus Bautzen in Sachsen stammende Band offenbar so tief zerrissen wie die Gesellschaft, in der sie lebt. Er beginnt mit Kinderlachen, thematisiert die Klimakrise und endet mit der bangen Frage: „Oh Silbermond, sag, siehst du Licht, da wo wir hingehen?“

Info „Schritte“ von Silbermond ist bei Sony erschienen und liegt als CD, LP und Download vor. Die Band geht 2020 auf eine ausgedehnte Tournee und wird am 30. Januar in der Kölner Lanxess Arena und am 6. Februar in der Westfalenhalle zu erleben sein.