Albumkritik "Freund" von Elke Brauweiler

Solo-Album der Paula-Sängerin : Lieder über die Liebe von Elke Brauweiler

„Freund“ heißt das neue Album der Sängerin. Es bietet sehr schönen zeitgemäßen deutschsprachigen Pop.

Pop Es ist so schwierig, über die Liebe und das alles auf Deutsch zu singen. Auf Deutsch kann man das eigentlich gar nicht, man will schließlich nicht klingen wie all die weinerlichen Jungs, die so oft im Radio gespielt werden. Gerade deshalb ist diese Platte so bemerkenswert, gerade deshalb hat sie viel mehr Beachtung verdient. „Freund“ heißt sie, Elke Brauweiler hat sie veröffentlicht, und wer sich nun fragt, ob er den Namen nicht kenne, sei versichert: Ja, kennste.

Elke Brauweiler war zur Jahrtausendwende ein deutsches Popversprechen, und Berlin war gerade die tollste Stadt der Welt. Ihre Band hieß Paula und kam aus Berlin, ihr Hit hieß „Als es passierte“ und war unwiderstehlich. Gemeinsam mit Berend Intelmann produzierte sie Electropop, bisschen melancholisch, sehr stilvoll, gut als Soundtrack fürs Vorglühen. Sie nahm dann mit Commercial Breakup eine Coverversion des New-Order-Songs „Bizarre Love Triangle“ auf, und die Indie-Helden aus England und die großen Chansonniers der deutschen Vergangenheit und der französischen Gegenwart schienen denn auch ihre größten Einflüsse zu sein. Elke Brauweiler stand musikalisch zwischen Saint Etienne und Hildegard Knef.

Irgendwann hörte man nicht mehr so regelmäßig von ihr, das letzte Paula-Album kam 2014. Und weil nicht wenige das schade fanden und das nicht so bleiben durfte, finanzierte Brauweiler per Crowdfunding ein neues Album. Zum Glück, denn darauf zeigt sie, wie das geht: auf Deutsch über die Dinge des Herzens zu singen. „Ich werd’ dich verlassen, mein Schatz, wenn du keine Falten mehr hast“, singt sie. „Wie oft hab ich dich schon an die Welt geliehen / Zurückbekommen, verspätet und doch verziehen“, singt sie. „Zwei Uhrzeiger / einer geht viel zu schnell am anderen vorbei“, singt sie.

Elke Brauweiler. „Freund“. Total schön. Philipp Holstein

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