1. Herzrasen

Interview mit Christian Lindner: Was ist Ihr Lieblingswitz über die FDP?

Interview mit Christian Lindner : Was ist Ihr Lieblingswitz über die FDP?

Als andere sich noch bei Papa Geld leihen mussten, brauste Christian Lindner bereits mit seinem Porsche durch die Gegend. Heute ist der NRW-Chef der FDP der Hoffnungsträger seiner Partei – ein Gespräch über Bodenhaftung und Bartwuchs.

Als andere sich noch bei Papa Geld leihen mussten, brauste Christian Lindner bereits mit seinem Porsche durch die Gegend. Heute ist der NRW-Chef der FDP der Hoffnungsträger seiner Partei — ein Gespräch über Bodenhaftung und Bartwuchs.

Herr Lindner, Sie wohnen seit einiger Zeit in Düsseldorf. Muss man auf der Kö nicht zum Sozialisten werden?

Christian Lindner Ich ahne, worauf Sie hinaus wollen. Mit den Einnahmen an Gewerbesteuer, die unter anderem dort erwirtschaftet werden, kann in Düsseldorf beispielsweise auf Kindergartenbeiträge verzichtet werden. Und zwar ohne dass die Stadt Schulden machen muss.

Gibt es denn eine Verantwortung, nicht zu protzen?

Ich persönlich bin kein Freund neureicher Attitüden, aber grundsätzlich halte ich es mit dem alten Fritz: Jeder soll nach seiner Facon selig werden.

Was für ein Auto fahren Sie?

Das müssen Sie mich in ein paar Wochen fragen. Ich bin gerade erst dabei, mir wieder eines anzuschaffen.

Also Dienstwagen, Fahrrad oder zu Fuß?

In Düsseldorf auch gerne einmal Taxi.

Ich habe gelesen, Sie sind früher mit dem Porsche zur Uni gefahren.

Ich habe von meinem 18. Lebensjahr an meinen Lebensunterhalt selbst verdient. Ich war sieben Jahre beruflich selbständig. Irgendwann habe ich mir diesen Wunsch erfüllen können.

Haben Sie da denn nicht mal die Bodenhaftung verloren? Mit 19 besitzen schließlich die wenigsten Leute einen Porsche.

Wenn man ihn nicht erbt oder geschenkt bekommt, sondern selbst erarbeiten muss, dann sichert das Bodenhaftung. Man hebt nach meiner Erfahrung dann ab, wenn man von einem leichten Erfolg zum nächsten eilt. Ich musste mir meine Erfolge erkämpfen und auch Misserfolge verarbeiten, aus denen ich lernen konnte.

Irgendwann haben Sie den Porsche abgegeben. Warum?

Als ich mich auf die Politik und meinen Studienabschluss konzentriert habe, war Zeit für einen Wechsel. Aber ich möchte gerne noch einmal einen Sportwagen haben, da ist meine Leidenschaft ungebrochen.

Sie haben mal in einem Interview gesagt, dass Sie in jungen Jahren auf vieles haben verzichten müssen - aufgrund Ihrer Karriere in der Wirtschaft.

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Das ist nichts, was man mit Moll unterlegen muss. Sicherlich habe ich nicht ständig Abende gehabt, an denen ich nach der Uni zum Feiern weitergezogen bin. Aber Sie müssen sich dennoch keine Sorgen um mich machen. Bei mir war nur die Dosierung zwischen Spaß und Ernst etwas anders. Leerlauf hätte mir auch nicht entsprochen. Ich hätte gerade fast gesagt, ich hatte eine tolle Jugend.

Tun Sie das doch.

Ich bin aber erst 34. Meine Jugend halte ich noch nicht für beendet. Deshalb will ich nicht klingen, als würde ich über eine weit zurückliegende Vergangenheit sprechen.

Hatten Sie in Ihrer Jugend zuerst einen CD-Spieler oder einen Aktenkoffer?

Ich kann mich an keinen Aktenkoffer erinnern. Das ist nun wirklich ein albernes Klischee.

Womit haben Sie Ihre Schulsachen transportiert?

Ich hatte eine Ledertasche unter dem Arm.

Nie zur Eastpak-Fraktion gehört?

Höchstens kurz.

Sie besitzen einen Schallplattenspieler, einen Technics 1200 MK. Welche Platte liegt dort gerade?

Was Sie alles wissen. Ja, aber der hat eigentlich nur noch historischen Wert. Ich höre Musik auf dem iPhone. Im Moment übrigens ein aktuelles Album von Karl Bartos, der einmal zu den Düsseldorfern von "Kraftwerk" gehörte. Ich mag diese analoge, warme Form elektronischer Musik.

Sie haben mal gesagt, dass Sie noch zu jung sind, um Parteivorsitzender zu werden.

Nach meiner Überzeugung gibt es bestimmte Aufgaben in der Politik, die erst mit einer gewissen Erfahrung ausgefüllt werden können. Zumindest ist das mein Anspruch an meine Arbeit. Beim Amt eines Bundesvorsitzenden einer Partei kommt sogar noch ein repräsentativer Charakter dazu.

Herr Rösler, Ihr Parteivorsitzender, sieht auch nicht viel älter aus als Sie.

Ist er aber.

Ist Ihr Dreitagebart...

Trage ich denn heute einen?

Ich weiß nicht. Was ist es denn dann?

Ich habe mich gestern Abend rasiert.

Ich habe Sie auf jeden Fall ohne jegliches Gesichtshaar in Erinnerung. Ist der Bart der Versuch, ein bisschen älter zu werden?

Sie müssen Kinderfotos von mir haben. Ich trage seit meiner Schulzeit mal etwas Bart, mal nicht. Wie ist es bei Ihnen: Was wollen Sie mit Ihrer Frisur zum Ausdruck bringen?

Die Frisur ist einfach praktisch.

Mode, Praxistauglichkeit... warum sollten für mich andere Gründe wichtig sein?

Weil Sie Politiker sind.

Zunächst möchte man sich selbst doch wohl in seiner Haut fühlen.

Und dann kommen die Wähler beziehungsweise die Wahlplakate?

Ich habe ein sehr hohes Bild von unserer Wählerschaft und glaube deshalb, dass sie sich viel weniger, als man vermuten mag, durch Bärte beeinflussen lassen.

Ein bisschen Gedanken um Ihr Image machen Sie sich aber schon, oder?

Viel weniger, als Sie glauben.

Aber ein bisschen.

Um Dinge, die ich nur mittelbar beeinflussen kann, mache ich mir wirklich nicht zu viele Gedanken. Ich spreche, denke und lebe so, wie es mir entspricht.

Ihre Mitarbeiterin bedeutet mir, dass wir zum Ende kommen müssen. Dann möchte ich noch eines von Ihnen wissen: Welcher Witz über die FDP gefällt Ihnen am besten?

Sollen wir das nicht so machen, dass Sie mir drei FDP-Witze erzählen und ich entscheide, welchen ich am besten finde?

Aber ich kenne doch keine FDP-Witze!

Schade. Dann entscheide ich mich für die Untertitel bei Rainer Brüderle in der "Heute-Show".