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Mein Herz schlägt schneller: The Last Man On Earth und sein Affe

Mein Herz schlägt schneller : The Last Man On Earth und sein Affe

Weimar (RPO). Der herausragende Comic-Zyklus handelt von einer Welt, in der es nur noch Frauen gibt – und Yorick Brown. Mit seinem Affen Ampersand versucht er herauszufinden, warum er noch lebt.

Weimar (RPO). Der herausragende Comic-Zyklus handelt von einer Welt, in der es nur noch Frauen gibt — und Yorick Brown. Mit seinem Affen Ampersand versucht er herauszufinden, warum er noch lebt.

Der Comic "Y" erzählt die Geschichte von Yorick Brown und seinem Affen Ampersand. Sowie die Geschichte einer Welt, in der alle männlichen Säugetiere von einem auf den nächsten Moment gestorben sind. Der Grund dafür bleibt vorerst im Dunklen. Klar jedoch ist, dass Frauen verschiedene Ansätze haben, mit dieser neuen Gesellschaftsordnung umzugehen. Nach wie vor existiert eine Regierung. Oder der Mossad. Aber auch Amazonen oder weibliche Rednecks oder Frauen, die in einem Dorf ein Utopia aufbauen. Für Yorick gilt es, zusammen mit einer Agentin und einer Wissenschaftlerin das Geheimnis seiner Immunität zu lüften. Verfolgt werden sie dabei von unterschiedlichen Gruppen.

Ein wahnwitziger Comic-Zyklus, der in zehn Bänden eine Geschichte erzählt, die sich nur wenige Fehler leistet. Zwei große Pluspunkte allerdings machen "Y" herausragend: ein kompromissloses Erzählen, das keine Hemmungen hat, unerwartete Richtungen einzuschlagen und auch vor dem Tod vermeintlich wichtiger Personen nicht zurückschreckt und dadurch gerade in den ersten Bänden den Leser ständig kalt erwischt und fordert. Zweiter Pluspunkt: die Figuren. Die folgen klassischen Rollenmustern (der kämpfende Agent, der kluge Wissenschaftler, der schlitzohrige Held), die aber durch die Umkehrung der Geschlechterrollen neue Facetten gewinnen und später aus eben diesen Schubladen ausbrechen, zumindest teilweise. Hilfreich ist auch, dass jeder ernsthafte Seite, die man "Y" abgewinnt, zwei Bemerkungen entgegenstehen, die mit Humor nur unzureichend beschrieben sind.

Die Referenzen liegen klar auf der Hand. An erster Stelle muss ein anderes Meisterwerk genannt werden: "Die geschützten Männer" von Robert Merle. Während dort Spannung und Gesellschaftskritik aus der Situation in einem engen Raum entsteht, nutzt "Y — The Last Man" die gesamte Bandbreite des Lebens. Popkulturelle Anspielungen von Shakespeare bis zu Radiohead, natürlich politische Verweise auf aktuelle Ereignisse (das Comic erschien 2003), genderspezifische Diskussionen und besonders interessant, die Reflexion auf die eigene Erzählung in Form eines integrierten Theaterstücks sowie eines Comics im Comic. So schichtet "Y" mühelos Ebene über Ebene. Jede kann dabei für sich stehen oder im Zusammenhang gelesen werden. So ist "Y" gleichermaßen eine spannende, actionreiche, unvorhersehbare Reise um die Welt wie eine mystische Schnitzeljagd mit Anspielungen auf Verschwörungen wie eben auch ein intelligenter Kommentar zu der Gesellschaft, in der wir leben.

Selbst die Auflösung, die im neunten Band die Erklärung liefert für das Aussterben der Männer, ist nicht komplett hanebüchen, sondern im besten Fall philosophisch und hält sich in Grauzonen wissenschaftlicher Debatten auf. Drei Absätze müsste man noch schreiben, weg von der Theorie, hin zu einer vorbehaltlosen Begeisterung, die dankbar dafür ist, dass eine originelle Idee so smart und aufregend umgesetzt ist und ein Ganzes ergibt, für das in den Kommentaren gern weitere Superlative gefunden werden dürfen.

Die Bände des Y-Zyklus sind im Buchhandel und im Internet erhältlich und kosten jeweils zwischen 15 und 17 Euro.