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Mein Herz schlägt schneller: Lass uns Schlittenfahren gehen

Mein Herz schlägt schneller : Lass uns Schlittenfahren gehen

Hochgebirge (RPO). Das Vorurteil lautet: Schlittenfahren ist was für Kinder. Hügel rauf, auf den Schlitten, Hügel runter. Die Wahrheit ist: Schlittenfahren ist extrem großartig. Man muss es nur richtig machen.

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p class="text">Schlittenfahren geht man nicht am Tag. Am Tag, da ist es selbst in einem von Bergen umrankten Ort mit dem Schlittenfahren wie in flachen Landen: Wo ein Hügel ist, rutschen Kinder den Hügel runter. Immer wieder dieselben 100 Meter. Man darf sich aber nicht mit 100 Metern begnügen, und man sollte nachts auf einer im Winter für den Autoverkehr gesperrten und zum Schlittenfahren freigegebenen Bergstraße Rodeln gehen. Dann wird die Talfahrt zum Erlebnis. Es gilt: Auf den Schlitten geht's um Mitternacht.

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p class="text">Taschenlampen werden gezückt, die Schlitten Richtung Straße geschoben. Dann geht alles ganz schnell: Zwei Mann pro Schlitten, einer leuchtet, einer lenkt. Das ist Teamwork, das schweißt zusammen. Die Schlittenfahrt ist ein Ritual, ein Stück Kindheit, jetzt anders ausgelebt. Es ist, als ob etwas in die erwachsene Welt hinüber gerettet wird. Seltsam ungezwungen, frei. Das Playmobil verstaubt im Keller, das Lego verstaubt daneben, das ist Vergangenheit. Der Schlitten aber erlebt an einem Tag im Jahr seine Renaissance. Man darf das nur einmal machen, das ist wichtig. Sonst verliert es seinen Zauber.

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p class="text">Auf dem Schlitten geht es abwärts, zwei, drei Kurven lang, manchmal auch nur bis zum nächsten Schneehaufen. Zack, rein da. Lachen. Super. Und wieder raus aus dem Schnee, rauf auf den Schlitten, weiter fahren, immer weiter. Romantisch ist's obendrein. Im faden Schein der Taschenlampen huscht die wundervolle, in der Dunkelheit der Nacht bizarr wirkende Winterlandschaft vorbei. Traumhaft.

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p class="text">Man muss sich das Erlebnis natürlich verdienen. Vor dem Spektakel geht es die Straße rauf, zwei Stunden lang. Immer einen Fuß vor den anderen, Schritt für Schritt durch den dunklen Wald. Ganz wichtig für den Schlittenspaß: Am Ende der Straße muss es ein Gasthaus geben. Jausen, Bier und Most. Zur Geisterstunde ab ins Tal.

Die Schlittenfahrt ist ein Ereignis. Erwachsene freuen sich dabei wie Kinder. Vielleicht liegt das auch ein bisschen am Bier und am Most. Oder daran, dass die Erwachsenen beim nächtlichen Schlittenfahren das sein dürfen, was sie sich tagsüber nur selten zugestehen: ausgelassen und ein bisschen unvernünftig.