1. Herzrasen
  2. Herzschlag

Mein Herz schlägt schneller: Kiosk revisited

Mein Herz schlägt schneller : Kiosk revisited

Mönchengladbach (RPO). Der Kiosk um die Ecke ist ein kleines Paradies. Er ist so ganz anders als sein großer Bruder, der Supermarkt.

Neulich im Kiosk gewesen. Und dann - zack, erwischt. Zeitreise, Widerstand zwecklos. Jugend revisited. Drei Fruchtgummilutscher, zwei Salzdiamanten und für 60 Cent von den sauren Gurken. Das war früher das Pausenprogramm, zwischen Mathe und Deutschunterricht. Runter vom Schulhof, rüber zum Kiosk, Süßigkeiten kaufen. Jetzt also wieder im Kiosk, Jahre danach. Vor dem Süßigkeitenregal stehen und auswählen. Eine Tüte für zwei Euro nehmen. Auf dem Nachhauseweg mit Freunden teilen. Feststellen: Ein Fall für den Zahnarzt. Die Süßigkeiten sind hart wie Beton. Sie müssen gewartet haben, im Kiosk — all die Jahre lang. Aber das Gefühl, noch einmal so dagestanden zu haben wie mit 16, ist wundervoll.

Der Kiosk ist ein kleines, lange vernachlässigtes Paradies. Er ist anders als sein großer Bruder, der Supermarkt. Man kann hier niemanden verlieren, zwischen Tiefkühltruhe und Konservenregal. Es gibt keine Gänge, nur einen Raum. Es stören keine Werbedurchsagen. Niemand will einem drei Dinge zum Preis von zwei andrehen, und an der Kasse piept kein Scanner kühl, aber bedeutungsvoll vor sich hin. Hier werden die Preise von Hand eingetippt. Für Stammgäste gibt's auch mal einen Fruchtgummilutscher gratis, und der Kioskbesitzer ist über alles im Viertel so gut informiert wie früher einmal der Bäcker oder der Friseur. Dabei findet man den nicht mal bei Facebook.

Der Kioskbesitzer erzählt und verkauft kleine Alltäglichkeiten. Er lächelt dabei. Wenn die Tür aufgeht, bimmelt es laut. Es ist gut, ab und zu hier zu sein. Und das nicht nur, weil der Weg zum Supermarkt ein paar Hundert Meter länger ist.