1. Herzrasen

Packender Justizthriller: John Grishams neue Verschwörung

Packender Justizthriller : John Grishams neue Verschwörung

In seinem neuen Roman "Das Komplott" lässt der Bestsellerautor einen vermeintlichen Verlierer und Provinzanwalt zur Höchstform auflaufen. Das fesselnde Buch schreibt die sagenhafte Karriere des Autors fort.

Schon der Einstieg ist so lakonisch wie reizvoll. "Ich bin Anwalt und sitze im Gefängnis. Wie es dazu kam, ist eine lange Geschichte." In schnörkelloser, mit trockenem Humor durchsetzter Sprache erzählt John Grisham, der erfolgreichste Justizthriller-Autor unserer Zeit, diese lange Geschichte, die zu keinem Zeitpunkt an Spannung verliert.

Sie handelt von einem schwarzen Anwalt, Malcom Bannister, 43. Er sitzt seit fünf Jahren im Knast, weitere fünf hat er vor sich. Sie haben ihn wegen eines Wirtschaftsdelikts verurteilt, er soll dabei geholfen haben, Geld zu waschen, doch Bannister ist unschuldig. Er hat in einer kleinen Kanzlei in der amerikanischen Pampa gearbeitet, das Geld war immer knapp, er war froh, überhaupt Aufträge zu bekommen. Der Fall, an dem er arbeitete, war undurchsichtig, er sah sich als kleines Licht, als besserer Handlanger seiner Klienten. Kurze Zeit später lag sein Leben im Trümmern. Frau weg, Sohn weg, Gitter vor dem Fenster, Hoffnungslosigkeit.

Und Wut. Unbändige Wut auf die amerikanische Justiz, auf das FBI, auf all die faulen, korrupten Versager, die Menschen wie ihn, die nichts getan haben, wegsperren und sich für einen vermeintlich gelösten Fall auf die Schultern klopfen. Trotz Bannisters unaufgeregten Erzählstils blitzt dieses kaum beherrschbare Gefühl immer wieder auf, es stellt sich allmählich heraus, dass es der Antrieb für einen Plan ist. Er will raus, unbedingt, und er bietet dem FBI dafür den Namen des Mannes, der einen Bundesrichter und dessen Geliebte getötet hat. Er will ins Zeugenschutzprogramm, er will Geld, er will ein neues Gesicht und die Zusicherung, nie mehr von amerikanischen Justizbehörden belästigt zu werden.

Poröses System voller Fehler

Das FBI ist zunächst skeptisch, doch Bannister, dem Grisham lustig-verächtliche Beschreibungen seiner verhassten Gegenspieler in den Mund legt, setzt sich schließlich durch. Er verrät ihnen den Täter, den er aus dem Gefängnis kennt, sie geben ihm, was er will. Er zieht in die Sonne nach Florida, heißt von nun an Max Reed Baldwin und lässt sich von einem Team aus Schönheitschirurgen ein anderes, ein sogar interessanteres Gesicht verpassen.

Sein Leben scheint endlich wieder Sinn zu ergeben, doch bei den Behörden wachsen die Zweifel, ob Bannister ihnen wirklich den richtigen Mann geliefert hat. Dem Leser dämmert zu diesem Zeitpunkt allmählich, dass der Clou mit dem Verrat nur der Auftakt war, dass Bannister die fünf Jahre im Knast dazu benutzt hat, ein wahnwitziges Komplott auszuhecken, das das amerikanische Justizsystem mit seinen eigenen Waffen schlägt.

Grisham, der zehn Jahre lang als Anwalt praktiziert hat, bevor er beschloss, Schriftsteller zu werden, gelingt es wie in seinen bisherigen Bestsellern "Die Jury", "Die Firma" oder "Die Kammer", das Rechtssystem als das zu entlarven, was es ist: ein poröses System voller Fehler, weil es vom Faktor Mensch abhängt. Er stellt es nicht infrage, aber er durchdringt seine Abgründe, die durch Gefälligkeiten entstehen, durch Profilierungssucht, manchmal schlicht durch Bequemlichkeit. Sein Held ist ein Durchschnittstyp, der Opfer dieses Systems wurde und seine gesamte Energie darauf verwendete, ihm mit einem zwar genialen, aber waghalsigen und hochriskanten Manöver zu entfliehen.

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Wie der Autor, der 250 Millionen Bücher verkauft hat und dessen Geschichten zu zehn Filmen geführt haben, das Komplott allmählich sichtbar werden lässt, seine Strukturen offenbart und seinen Helden dabei durch halb Amerika und die Karibik schickt, ist in seiner Komplexität bewundernswert. Grisham lässt seine Leser abermals zu mitzitternden Komplizen seines keinesfalls durchweg sympathischen Helden werden, die sich konzentrieren müssen, um bei den vielen Volten, Wendungen und Kniffen hinterherzukommen. "Das Komplott" reiht sich nahtlos ein in die Liste fesselnder Grisham-Bücher, die gleichzeitig die Macht und Ohnmacht der US-Justiz offenlegen.