1. Herzrasen

Ingo Nommsen: „Hatten Sie nicht genug Talent?“

Ingo Nommsen : „Hatten Sie nicht genug Talent?“

Der Fernsehmoderator Ingo Nommsen ("Volle Kanne") gehört zu jenen Menschen, die konsequent auf Messerstechereien und grimmiges Auftreten verzichten. Unser Autor wollte herausfinden, ob der 42-Jährige auch böse kann.

Mein persönlicher Ehrgeiz ist es, Ihnen heute irgendeine fiese Aussage zu entlocken.

Ingo Nommsen Da müsste ich ja jemanden zum Opfer machen.

Ach was.

Ich bin niemand, der andere öffentlich auf die Schlachtbank legt. Jedenfalls niemanden, der es nicht verdient hat.

Das weiß ich. Deshalb ist es ja mein Ehrgeiz. Beginnen wir harmlos. Nutella oder Nusspli zum Frühstück?

Nutella.

Hartes oder weiches Ei?

Hart.

Köpfen oder Pellen?

Pellen.

Die ganze Schale oder nur den oberen Teil?

Ganz abpellen und dann schneiden. Ich bin ein großer Küchengerätefreund. Mit einem amtlichen Eierschneider das Ei zerlegen, so was gefällt mir. Allerdings habe ich meinen Plan, einen Eierschneider zu kaufen, nach 15 Jahren noch nicht umgesetzt.

Sie besitzen gar keinen Eierschneider?

Ich besitze keinen Eierschneider. Meine Mutter hat allerdings noch den alten Eierschneider, mit dem ich in den 80ern aufgewachsen bin. Funktionstüchtig.

Im Alltag schneiden Sie das Ei also gar nicht mit einem Eierschneider?

Im Alltag schneide ich das Ei mit dem Messer und versuche, dabei so akkurat wie möglich zu arbeiten.

Kaffee oder Tee?

Erst Ingwertee, dann Milchkaffee.

Ihre Sendung "Volle Kanne" beginnt täglich um 9.05 Uhr. Wie viel Koks brauchen Sie, um zu dieser Uhrzeit schon gute Laune zu haben?

Drogen im Fernsehen sind überbewertet. Und ich würde vermutlich gar nicht merken, wenn jemand völlig zugedröhnt in meiner Sendung sitzt. Meine Drogen heißen Ingwertee und morgens joggen.

Also kommt die gute Laune ganz natürlich aus Ihnen heraus?

Ich weiß, dass andere zuschauen. Wenn die Kamera läuft versuche ich natürlich selbst dann, wenn es mir mal nicht so gut geht, eine positive Stimmung rüber zu bringen. Denn eines will morgens garantiert keiner sehen: einen schlecht gelaunten Saftsack.

Das wäre mal ein Experiment.

Grundsätzlich bin ich ja sowieso eher Morgenmuffel.

Ich glaube Ihnen kein Wort.

Doch. Zu meiner Schulzeit war ich notorischer Zu-Spät-Kommer der ersten Stunde. Meine Mutter musste meinen Bruder und mich quasi aus den Betten heraus prügeln. Während der Abi-Zeit hat sie mir sogar das Frühstück ans Bett gebracht, damit ich wenigstens was esse. Das waren zwar nur Milch mit Cornflakes...

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… Immerhin. Nicht undankbar werden, Herr Nommsen.

Nein, nein. Als ich später beim Radio anfing, war es dann eh nicht mehr möglich, Morgenmuffel zu sein. Da musste ich früh aufstehen. Schon zu Zeiten des Volontariates bei einem ganz kleinen Radiosender in Garmisch. Weil ich den Schlüssel zum Sender hatte, musste ich vor der Morningshow als erster da sein. Nur wohnte ich 25 Kilometer entfernt, war ohne Auto — also bin ich getrampt. Morgens gegen 3 Uhr ne echte Quälerei.

Mögen Sie die Leute, mit denen Sie in Ihrer Sendung frühstücken?

Es wäre vermessen zu sagen, dass ich von Haus aus Fan von jedem bin, der zu uns kommt. Ich bin allerdings um jeden froh, der sich hier hinsetzt und spannende Geschichten auspackt. Da erzählt eine Uschi Glas vom Kiffen und die Scorpions, dass ihre Mutter noch immer alle Auftritte schaut. Ich habe gelernt, Menschen in keine Schublade zu stecken, sondern zu gucken, welche neuen Schubladen ich bei ihnen aufmachen kann.

Und dann kommt der Wendler und ist genauso schlimm, wie man ihn sich vorstellt.

Es ist doch toll, wenn jemand seinen Emotionen freien Lauf lässt. So ein Auftritt lässt doch tief blicken.

Mal wieder sehr diplomatisch, Herr Nommsen.

Ich fand seinen Auftritt auch nicht unsympathisch. Er ist ein.... spannendes Phänomen, das wir weiter beobachten sollten, weil die nächste Geschichte schon vor der Tür steht.

Als Sie in der Sendung "Zimmer frei" zu Besuch waren, bekamen Sie den Lachflash Ihres Lebens. Was war da los?

Jetzt kann ich ja öffentlich verraten: Die Kollegen haben mit Alkohol nachgeholfen. Mein Bruder rief mich danach an und sagte: "Du hattest doch einen in der Krone." Klar, die haben mich abgefüllt.

Könnten Sie damit leben, wenn ich mich in zehn Jahren nur daran erinnern werde und an sonst nichts, was Sie gemacht haben?

Ich hoffe, da kommen noch ein paar andere Momente dazu. Hauptsache, Sie vergessen meinen Namen und mein Gesicht nicht.

Sie gelten ja als sehr freundlicher Moderator. Aber das ist ja nichts, womit man im Gedächtnis bleiben möchte.

Ich will einfach weiter Spaß haben mit den Dingen, die ich mache. Dass andere Menschen dabei genau so viel Spaß haben, wenn sie das sehen, macht mich glücklich. Darauf lässt sich aufbauen.

Sie wollen also gar nicht den großen Fußabdruck hinterlassen?

Nach all denen, die ich da habe kommen und gehen sehen, mit großen Füßen und kleinen Schuhen und kleinen Füßen und großen Schuhen, weiß ich: Planen kannst Du das nicht. Ich freue mich, dass ich jetzt über Jahre immer erfolgreicher in meinem Traumjob arbeiten kann. Was übermorgen sein wird, weiß niemand. Vor 15 Jahren hätte sicher niemand für möglich gehalten, dass Köche bei uns zu großen Stars werden können. Bin gespannt, was da als nächstes kommt. Spätestens wenn ich 85 bin, sollte die Megazeit für Showmaster mit über 80 angebrochen sein.

Manchmal kommt in Ihrer Sendung der Journalist in Ihnen durch. Aber Sie würden niemanden ins Kreuzfeuer schicken wie Marietta Slomka, oder?

Wenn uns jemand in der Sendung dumm kommt, kommen wir dumm zurück.

Namen bitte!

Eine Schauspielerin, die sehr extrem war.

Die wie hieß?

Ich will jetzt lieber keinen Namen nennen.

Sie sind schon wieder so nett.

Meine Erfahrung: Die Menschen, die es nicht anders verdient haben, demontieren sich in meiner Sendung selbst. Da muss ich gar nichts anderes machen. Nur entspannt bleiben.

Wie hat es Sie eigentlich ins Fernsehen verschlagen?

Ich wollte ja immer Radio machen und Schauspieler werden. Ich habe nur schnell gemerkt, dass es als Schauspieler relativ schwer ist. Ich wollte das Geschäft von der Pike auf lernen, habe Unterricht genommen, mir Praktika beim Fernsehen besorgt, ein Kameravolontariat. Und dann hat mir jemand einen Tipp gegeben, dass in Garmisch ein Radiosender aufmacht. Weil ich nicht wusste, wo ich anrufen sollte, habe ich einfach im größten Plattenladen der Stadt angerufen, weil der Radiosender ja Platten braucht. Gerade in dem Moment war der Programmchef beim Plattenaussuchen im Laden.

Echt wahr?

Es klingt wie aus einem schlechten Film, war aber genau so. Ich habe ihm gesagt, dass ich gerne mitmachen würde. Er fragte: Kannst du irgendwas? Und ich: Ne, eigentlich nicht, nur moderieren. Ich hatte vorher eine Testsendung für einen Piratensender in Österreich gemacht. Ich wurde zum Bewerbungsgespräch eingeladen und habe das Volontariat bekommen. Und dann bei RTL eine Jugendtalkshow.

Hat Sie das Fernsehen verändert?

Das müssen sie andere fragen. Am Anfang war es einfach nur cool. Da konnte ich machen, was ich wollte. Obwohl erfolgreich wurde das Jugendprogramm irgendwann eingestellt. Das war ne Niederlage, aber ich hatte ja mein Radio. Viel verändert hat sich also nicht.

Das glaube ich nicht.

Na gut. Wenn du bei Bayern 3 die Chartssendung moderierst und am Wochenende als DJ in Großraumdiskotheken auflegst, macht es das vielleicht bei Frauen einfacher.

Waren Sie denn vorher ein Mauerblümchen?

Nicht wirklich, ich war nur immer überall der Neue, weil mein Vater bei der Bundeswehr war und wir häufig umgezogen sind. Das ist frustrierend, wenn du gerade die erste Freundin hat und dann 400 Kilometer weiter ziehst.

Hätte Ihr Leben auch in eine komplett andere Richtung verlaufen können?

Hätte es. Wenn ich an der Schauspielschule genommen worden wäre. Das hat nicht gereicht.

Hatten Sie nicht genug Talent?

Ich kenne mittlerweile genug große Schauspieler, die auch nicht genommen worden sind. Aus mir hätte durchaus ein ganz vernünftiger hauptberuflicher Schauspieler werden können.

Oder Bankkaufmann.

Das wollten nur meine Eltern.

Oder Metzger.

Eher Koch. Das mache ich ganz gerne. Oder eine eigene Eisdiele. Oder Chips herstellen. Das könnte ich mir auch noch vorstellen.

Bei "Lafer! Lichter! Lecker" haben Sie aber sogar Toastbrot anbrennen lassen.

Aus dramaturgischen Gründen.

Die trinken doch sicher auch vorher.

Das ist Natur. Ich denke immer noch über die Frage nach, ob mich das Fernsehen verändert hat.

Nur zu.

Es geht da nur um Nuancen. Wenn meine Freundin sagt "Da warst du aber nicht so natürlich". Authentizität ist im Fernsehen schon eine spezielle Sache.

Es gibt also einen Unterschied zwischen dem Fernsehe-Ingo und dem Privat-Ingo?

Völlig verstellen kannst du dich vor der Kamera nicht. Das wäre zu anstrengend. Nur privat bin ich wahrscheinlich viel langweiliger. Lese gerne, mache Sport oder geh ins Kino.

Aber privat genauso freundlich.

Ja, hoffentlich ein angenehmer Mensch.

In der Tat. Nicht mal über den Wendler wollen Sie lästern. Also muss ich es anders versuchen. Wann waren Sie das letzte Mal richtig sauer?

Zumindest etwas irritiert: Als ich vor drei Wochen nach New York fliegen wollte und um eins mit meiner Freundin am Flughafen verabredet war. Sie kam erst um zehn nach zwei, als ich schon eingecheckt hatte, auf den Flieger wartete und nicht mehr wusste, ob sie noch kommt oder nicht.

Wären Sie auch in den Flieger gestiegen, wenn sie nicht rechtzeitig gekommen wäre?

Das mag ich mir gar nicht vorstellen. Aber der Urlaub zu zweit in New York war dann auch ein Traum.

Natürlich. Ich hätte ja gedacht, Sie würden nun eine Geschichte von einer Ihrer langen Bahnfahrten erzählen.

Ich habe mich tierisch über die Bahn geärgert, als sie die Abfalleimer zwischen den Sitzen abmontiert hat. Weshalb der Müll dann auf den Sitzen lag.

Sie steigern sich.

Aber, große Freude: Kürzlich habe ich wieder Abfalleimer zwischen den Sitzen entdeckt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Also jetzt schon nicht mehr sauer?

Jetzt schon nicht mehr sauer.