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Satire: Exklusiv und fiktiv — das große Lena-Interview (6/7)

Satire : Exklusiv und fiktiv — das große Lena-Interview (6/7)

Düsseldorf (RPO). Nach dem bitteren Ausgang des ESC 2011 in Düsseldorf zog sich Lena Meyer-Landrut drei Jahre aus der Öffentlichkeit zurück. Nun aber, im Jahr 2014 gibt sie unserem Reporter das erste Interview nach der langen Auszeit. Wir veröffentlichen es in sieben Teilen.

Teil 6

Frau Meyer-Landrut, war Ihnen eigentlich klar, dass der Finalsamstag Ihr letzter Tag als Superstar war?

Ich habe die ganze Woche vor dem Finale als Abschied vom Superstardasein empfunden. Selbst im Falle eines Sieges hätte ich diese Zeit nur noch ein paar Wochen verlängern können. Denn mir war klar, dass das Interesse an mir zum größten Teil künstlich hochgehalten wurde. Und alles ab dem zweiten Platz bedeutete: Ab Sonntag würde das Interesse stark nachlassen und nach ein, zwei Tagen wäre ich völlig vergessen. Zumal die Zeitungen ja nur darauf warteten, über meinen Niedergang zu schreiben. Beziehungsweise, die Artikel lagen schon fertig in der Schublade.

Wie waren die letzten Tage vor dem Auftritt für Sie?

Schrecklich, eben weil es die letzten Tage waren. Ich hatte mich einfach daran gewöhnt, in Begleitung von Kameras zu gehen, in Zeitungen über mich zu lesen und Leute zu haben, die sich um alles kümmerten. Das Leben eines Superstars ist zwar anstrengend, aber frei von den meisten alltäglichen Sorgen. Ich konnte mir noch gar nicht vorstellen, wieder alles selbst zu machen. Sie müssen wissen, der Sieg beim Song Contest 2011 hat ja meine Kindheit verlängert, weil ich ja nicht wie die anderen angefangen habe zu studieren oder eine Banklehre zu machen. Und diese Schonfrist war nun bald vorbei. Klar, konnte ich noch irgendwie als Sängerin weiter machen, aber mit welchem Erfolg? Nein, ich musste mir eine Alternative überlegen. Einen Plan. Aber den hatte ich noch nicht.

Sie hatten Angst vor Ihrem neuen Leben?

Wenn Sie es so wollen: ja. Ich hatte ja keine Ahnung, wie ich damit zurechtkommen würde, mit diesem neuen Leben. Und wie sich später herausstellte, waren die Befürchtungen ja auch gerechtfertigt.

Wie meinen Sie das?

Na ja, ich kam eben nicht mit diesem neuen Leben zurück. Bis dann eben die Sache in Australien passierte. Nein, fragen Sie mich bitte jetzt nicht nach Australien. Ich rede später darüber.

In einem Interview mit zwei Videobloggern kurz vor dem Finale haben Sie gesagt, dass Sie nach dem Song Contest in Düsseldorf Theologie oder etwas ähnliches studieren wollten.

Ach, das habe ich doch nur so dahin gesagt, damit ich nicht völlig ziellos rüberkam. Außerdem brauchten die ja auch Material für ihr Video. Der eine hat mir ja sogar ein Mixtape geschenkt. Ach ja, ich habe ihn wirklich um den Finger gewickelt.

Also wollten Sie gar nicht studieren gehen?

Ich wusste noch gar nicht, was ich wollte. Studieren klang nicht schlecht, aber je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde es mir, dass ich nicht bereit war, an den Schreibtisch zurückzukehren. Das hatte mir schon in der Schule gereicht.

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Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an die Woche des ESC-Finales 2011 zurückdenken?

Wie ich am Freitag im Bett lag und es stundenlang nicht schaffte, einzuschlafen. Mir wurde klar, dass ich nun so ziemlich alles zum letzten Mal machte. Zum letzten Mal als Superstar aufstehen, zum letzten Mal von Reportern umzingelt werden, zum letzten Mal Müsli in dem Hotel essen, zum letzten Mal vor einem Millionenpublikum auftreten, zum letzten Mal ganze Zeitungen füllte.

Haben Sie mit jemandem darüber gesprochen?

Irgendwie traute ich mich nicht. Es hätte mich doch keiner verstanden. "Lena", hätten sie gesagt, "jetzt mach dir mal keinen Kopf, genieß die Zeit einfach und warte, was passiert." Aber dazu war ich einfach nicht in der Lage. Dazu denke ich viel zu weit im Voraus.

So viel Nachdenklichkeit hätten Ihnen wohl die wenigsten zugetraut.

Eben.

Was war mit Stefan Raab?

Ach, ich weiß nicht. Ich bekam in der Woche immer mehr den Eindruck, dass er ganz froh war, wenn ich von der Bildfläche verschwände. Er musste ja doch die ganze Zeit die Aufmerksamkeit mit mir teilen. Ich glaube, das ertrug er nur für eine Weile, aber dann wollte er wieder der Star sein. Ich war schließlich nur eine seiner Ideen, deren Zeit allmählich abgelaufen war. Falls du das liest, Stefan, ist nicht böse gemeint, aber du wirst mir sicher zustimmen. Ich habe zuerst sogar überlegt, gar nicht mehr auf dem Song Contest anzutreten, aber dann hätten wieder alle gesagt "Typisch Lena" und darauf hatte ich wirklich keinen Bock.

Hatten Sie denn überhaupt keine Hoffnung mehr, dass Sie auch nach dem Finale noch genug Aufmerksamkeit erhalten würden?

Weshalb denn? Meine Geschichte war auserzählt: Junges Mädchen wird im Fernsehen entdeckt und gewinnt nur vier Monate später den Eurovision Song Contest. Eine neue Geschichte hatte ich nicht. Und wenn wir ehrlich sind: Meine Songs waren nett, aber nicht von Dauer. So wie ich.

Sie klingen deprimiert.

Nein, die Zeiten sind vorbei.

Hat das mit der Sache in Australien zu tun?

Ja.

Erzählen Sie mir davon?

Sie lassen nicht locker.

Nein.

Geben Sie mir noch zwei Minuten. Dann bin ich bei Ihnen.