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Satire: Exklusiv und fiktiv — das große Lena-Interview (5/7)

Satire : Exklusiv und fiktiv — das große Lena-Interview (5/7)

Düsseldorf (RPO). Nach dem denkwürdigen Ausgang des Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf verschwand Lena Meyer-Landrut drei Jahre aus der Öffentlichkeit. Nun aber, im Jahr 2014 gibt sie unserem Reporter das erste Interview nach der langen Auszeit. Wir veröffentlichen täglich eine Folge des siebenteiligen Interviews.

Teil 5

Bevor ich mit Ihnen über Ihr Verhältnis zu den Medien spreche, will ich Ihnen noch eine andere Frage stellen. Was haben Sie damals eigentlich mit Frank Elstner angestellt?

Sie meinen, als ich in der Woche vor dem Song Contest 2011 in seiner Show aufgetreten und durch die Halle gelaufen bin?

Genau das. Sie führten sich ja doch etwas, ich sag mal, unkonventionell auf.

Oh Gott, dieser Auftritt ist mir heute noch peinlich. Klar, Frank Elstner war ungefähr null vorbereitet, aber so einen alten Mann sollte man im Fernsehen nicht noch älter aussehen lassen. Für die Zuschauer muss es ja so gewirkt haben, als sei er senil geworden.

Aber warum haben Sie die ganze Sache nicht einfach professionell durchgezogen?

Na weil ich doch zeigen musste: Hallo Leute, eure crazy Lena ist wieder da und sie ist noch genauso crazy wie vor einem Jahr und spricht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist.

Im Nachhinein war das aber eher eines ihrer kleineren Scharmützel mit den Medien.

Also wenn, dann haben die Medien die Scharmützel mit mir geführt. Ich habe nicht damit angefangen.

Es gab ja zwei Lager: Die einen fanden Sie total super, die anderen lehnten Sie aus voller Überzeugung ab.

Das ist richtig. Und ich weiß nicht, mit welchem der Lager ich weniger anfangen konnte.

Wie meinen Sie das?

Die Unterstützer taten ja gerade so, als sei ich vom Himmel herabgestiegen, um Deutschland zu retten. Vermutlich waren es einfach nur mittelalte Männer, die verliebt in mich waren, und mittelalte Männer gibt es in deutschen Medienhäusern ja genug. Die haben all ihre Sehnsüchte in mich hineinprojiziert. Ich habe diesen ganzen Aufwand, der um mich und den Song Contest betrieben wurde, nie verstanden. Da stellten ja manche Zeitungen schon Wochen vorher ihr Programm komplett auf ESC um. Länder aus Europa treffen sich in einer Stadt, singen und fahren wieder nach Hause. Das ist alles.

Das Lager der Gegner war allerdings im Vergleich zu 2011 größer geworden.

Allerdings. Die wollten eben nicht noch mal die Geschichte von 2010 erzählen. Deshalb taten sie auf einmal, als seien sie kritisch. Da wurde meine Tour vor dem Song Contest natürlich schnell zum Flop. Dabei waren die Hallen bloß viel zu groß gewesen. Plötzlich hieß es: Kann Lena das noch? War es ein Fehler, sie zum zweiten Mal zum Contest zu schicken?

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Anführer der Gegenrevolution war ja die BILD-Zeitung.

Die waren echt schlimm. Aber ich war eben ein Schützling von Stefan Raab, und da sie gegen den einen Krieg führten, führten sie den Krieg eben auch gegen mich. Die konnten es nicht ertragen, dass es Prominente gab, die nicht mit der BILD-Zeitung kooperierten und trotzdem Erfolg hatten. Das stellte das Modell BILD-Zeitung in Frage und das konnten sie nicht hinnehmen. Schließlich könnten ja sonst noch andere Promis auf die Idee gekommen, der BILD-Zeitung nicht mehr zu verraten, mit wem sie gerade knutschen und wie viele paar Schuhe in ihrem Kleiderschrank stehen.

Sie wurden ja sehr dafür kritisiert, dass Sie vor dem ESC 2011 fast keine Interviews gaben, es sei denn, es hatte mit ProSieben zu tun.

Da waren sie natürlich alle gleich eingeschnappt. Aber ich hatte einfach keinen Bock mehr, ihre langweiligen Fragen zu ertragen. Dieses "Wie fühlst du dich gerade?” und "Bist du gerne Deutsche?” Und weil ich keine Interviews gab, sind einige Zeitungen auf die absurdesten Ideen gekommen. Ein Medium, ich hab schon vergessen, welches, erfand ja sogar ein Interview mit mir, schrieb Satire drüber und hielt das auch noch für lustig.

Ach, Sie haben das tatsächlich gelesen?

Klar, jeden Tag. Weil ich mich so sehr an der Unfähigkeit des Autoren erfreuen konnte. Ich verstand echt nicht, was der da machte. Ich meine, ich hatte ihm ja nichtmal in der achten Klasse das Herz gebrochen.

Aber Sie hatten ja genug Fans, die Sie gegen alle Kritik verteidigten.

Und da muss ich sagen: Vielen Dank, aber ich bin alt genug, mich selbst zu verteidigen beziehungsweise alt genug, um darüber zu stehen. Da waren mir einige Fans echt peinlich. Ich war volljährig, ich war in der Lage, selbst zu denken und zu sprechen, aber diese Leute erfasste wohl irgendwie der Große-Bruder-Reflex. Sie mussten unbedingt ihre kleine Schwester schützen, weil sie dachten, das könne sie nicht selbst. Aber ich lasse mich nicht gerne bevormunden. Ich meine, an dem Gegenwind war ich ja nun zum Teil auch selbst schuld. So forsch, wie ich in der Öffentlichkeit auftrat, war es doch klar, dass das nicht allen gefallen würde.

Fanden Sie dieses fiktive Interview wirklich so mies?

Ja, verdammt.