1. Herzrasen
  2. About a Boy

Satire: Exklusiv und fiktiv — das große Lena-Interview (4/7)

Satire : Exklusiv und fiktiv — das große Lena-Interview (4/7)

Düsseldorf (RPO). Nach dem denkwürdigen Ausgang des Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf verschwand Lena Meyer-Landrut drei Jahre aus der Öffentlichkeit. Nun aber, im Jahr 2014 gibt sie unserem Reporter das erste Interview nach der langen Auszeit. Wir veröffentlichen täglich eine Folge des siebenteiligen Interviews.

Teil 4

2011 sind Sie wieder beim Eurovision Song Contest angetreten. Warum?

Ich wollte ja gar nicht. Aber Stefan meinte: "Lena, wie geil wäre das denn, wenn wir da nochmal antreten und nochmal gewinnen. Damit machen wir uns unsterblich." Womit er natürlich meinte, dass er sich unsterblich machte.

Warum haben Sie dann nicht einfach abgelehnt?

In dem Alter lehnt man so etwas nicht einfach ab. Zumal mir klar war, dass ich so noch ein Jahr lang länger berühmt sein konnte. Wer will das nicht? Sonst hätte mich doch schon zwei Wochen nach Oslo niemand mehr auf der Straße erkannt.

Das hieß aber auch: Sie mussten ein Jahr lang weiter die Süßes-Verpeiltes-Mädchen-Nummer durchziehen.

Das war der Preis, klar. Aber dass ich jemand sein musste, der ich nicht sein wollte, daran hatte ich mich gewöhnt. Es erstaunte mich aber sehr, wie leicht sich die Leute noch immer davon täuschen ließen. Ich meine, auf meiner Stirn stand ja im Grunde "Hallo, ich verarsche euch nur mit meiner Masche, merkt ihr das etwa nicht?"

Aber Ihre Tour vorm Eurovision Song Contest war ja im Grunde ein Flop.

Weil Stefan nur die größten Hallen Deutschlands wollte, die nur so Leute wie Coldplay oder Madonna oder Unheilig füllen, Künstler also mit einer unerschütterlichen Fanbasis. Es war deprimierend, in Hallen zu spielen, in denen die leeren Ränge mit schwarzen Laken abgehängt waren, damit es voller aussah. Ich habe immer versucht, an den Laken vorbeizugucken, aber das ist schwer, wenn die Hälfte der Halle mit schwarzen Laken bedeckt ist. Erst in Australien bin ich dazugekommen, darüber überhaupt nachzudenken.

Wo Sie gerade von Australien anfangen…

Nein, keine weiteren Fragen zu Australien.

Na gut. Auch die Show, in der ein neuer Song für Sie gesucht wurde, lief schlecht. Die Quoten waren im Keller.

Das war auch eine wirklich bescheuerte Idee. Eine Show, die sich über Wochen zieht, nur damit am Ende ein Song dabei herauskommt. Stefan war mal wieder schwer begeistert von dieser Idee. Ich sagte ihm zwar, nicht jede neue Idee sei auch eine gute, aber er hörte natürlich nicht auf mich. Er hat bis heute nicht zugegeben, dass das Song-Casting ein Fehler war. Aber vielleicht wollte er bloß die ARD ärgern und zeigen, wie mächtig er war. Er hätte vermutlich auch eine Show machen können, in der bloß über mein Outfit abgestimmt worden wäre - die ARD hätte auch das akzeptiert.

  • Satire : Exklusiv und fiktiv — das große Lena-Interview (1/7)
  • Satire : Exklusiv und fiktiv — das große Lena-Interview (2/7)
  • Satire : Exklusiv und fiktiv — das große Lena-Interview (3/7)

Wie fanden Sie "Taken By A Stranger" eigentlich?

Sie meinen den Song, der drei Minuten zum Verrecken nicht anfängt? Und von dem niemand weiß, wovon er eigentlich handelt? Nächste Frage, bitte.

Wissen Sie, wovon er handelt?

Nicht im Geringsten.

Doch trotz der vielen kritischen Stimmen vor dem Eurovision Song Contest - kaum waren Sie in Düsseldorf angekommen, da nahm die Lena-Begeisterung wieder zu.

Das stimmt. Das hat mich auch sehr erstaunt. Schließlich habe ich doch nichts gemacht, als das Theaterstück aus dem vergangenen Jahr wiederholt. Aber die Leute lieben wohl die Unschuldigkeit in anderen Menschen, weil sie damit ihre eigene Schuldigkeit vergessen können.

Ich muss sagen: Damals fing ich allmählich an, Sie zu hassen. Ich entwickelte eine regelrechte körperliche Abneigung gegen Sie.

Eine sehr natürliche Reaktion. Es wäre mir genauso ergangen. Erinnern Sie sich an meine erste Pressekonferenz?

Wo Sie Kuchen an die Journalisten verteilt haben?

Genau. Und wo ich keine Schuhe trug. Weil in dem Rucksack mit meinen Schuhen eine Flasche Apfelsaft ausgelaufen war. Ha ha. Das ist ja die beste Geschichte aller Zeiten.

Sie war nicht echt, oder?

Nein, natürlich nicht. Ich wollte die Leute nur daran erinnern: Guckt mal, das nette, leicht verrückte Mädchen ist wieder zurück. Zeit für ein bisschen Lenamania. Das hat ja dann auch geklappt.

Die Medien waren bescheuert, oder?

Ja.

Zum Beispiel?

Wo soll ich anfangen?