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Lindbergs Weltgeschichten (33): Ein Anruf von Mel Gibson

Lindbergs Weltgeschichten (33) : Ein Anruf von Mel Gibson

Berlin (RPO). Lindberg lebt im Jahr 2060, ist 75 Jahre alt und berühmt und entschließt sich, seine Memoiren zu schreiben. Jeden Freitag veröffentlicht er hier ein weiteres Kapitel. Diesmal meldet sich Hollywoods umstrittenster bibeltreuer Christ.

2011

Auch damals hatte ich bereits die Angewohnheit, nachts zu schlafen. Leider aber klingelte eines Nachts um 2:34 Uhr mein Telefon. Der Anrufer. Hollywoods Enfant terrible Mel Gibson, der seinen neuen Film "Der Biber" promoten wollte.

Gähn... brummel... gähn.... ja?

Hier ist Mel Gibson.

Mel Gibson? Wer war noch mal Mel Gibson?

Hallo? Lethal Weapon, Mad Max, Braveheart, Die Passion Christi? Daran müssen Sie sich doch erinnern.

Irgendwo ganz hinten in meinem Gehirn. Sie waren mal Schauspieler und Regisseur, oder?

Ich bin Schauspieler und Regisseur.

Ich dachte, Antisemit und Frauenhasser.

Jetzt nicht wieder die alten Kamellen.

Herr Gibson, was verschafft mir die Ehre, dass Sie mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißen?

Ich habe einen neuen Film. Also ich bin Hauptdarsteller in einem neuen Film. Spitzenstreifen. Er heißt "Der Biber”. Das wird mein großes Comeback.

Der Biber?

Ja, der Biber.

Der Film mit Justin Bieber ist doch schon im März angelaufen.

Haha, sehr witzig. Der Film hat nichts mit Justin Bieber zu tun.

Herr Gibson, nun verraten Sie mir doch endlich, warum Sie anrufen?

Bitte interviewen Sie mich zu meinem neuen Film.

Gibt es denn da nicht genügend andere Medien?

Aus irgendeinem Grund will kein anderer Reporter mit mir sprechen.

Aus irgendeinem Grund? Könnte es vielleicht damit zu tun haben, dass Sie einen Film namens Die Passion Christi gedreht haben?

Ich bin kein Antisemit. Ich habe bloß die Wahrheit verfilmt. Und die heißt: Die Juden haben Jesus getötet. Wenn die Wahrheit ein Verbrechen ist, steht es schlecht um unsere Welt.

So wie ich das sehe, steht es eher schlecht um Sie.

Sprechen Sie bitte etwas respektvoller mit einem zweifachen Oskar-Gewinner.

Ich könnte auch noch über ihr zweifelhaftes Verhalten gegenüber Frauen sprechen, Ihre Neigung zum Alkohol...

Jetzt hören Sie schon auf. Ist ja gut. Interviewen Sie mich denn jetzt?

Das entscheide ich später. Worum geht es denn in dem Film?

Also ich spiele Walter Black, einen depressiven Spielzeugfabrikanten mit Alkoholproblem, der sich immer weiter von seiner Familie entfremdet. Dieser entdeckt eines Tages eine alte Biber-Handpuppe, die er fortan zu seiner Familie sprechen lässt. So kommen sie sich wieder näher.

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Herr Gibson, jetzt mal ernsthaft — worum geht es in dem Film?

Das sagte ich doch: Ich spiele Walter Black, einen depressiven Spielzeugfabrikanten mit Alkoholproblem, der sich immer weiter von seiner Familie entfremdet. Dieser entdeckt eines Tages eine alte Biber-Handpuppe, die er fortan zu seiner Familie sprechen lässt. So kommen sie sich wieder näher.

Herr Gibson, so hat das keinen Sinn.

Aber das ist wirklich die Handlung. Ein Top-Drehbuch. Und Jodie Foster führt Regie.

Depressiv, alkoholkrank... mmmh... das war wohl kein Zufall, dass Jodie Foster Sie ausgewählt hat für die Rolle, oder?

Sie meinen, weil die Rolle so schwierig ist und ich ein Top-Schauspieler bin?

Na ja, fast. Ich meinte eher, weil Sie für die Rolle kaum üben mussten. Wenn das überhaupt eine Rolle ist.

Ich weiß nicht, worauf sie hinaus wollen. Aber egal.

Und mit dieser Rolle des alkoholkranken, depressiven Spielzeugfabrikanten, der durch eine Handpuppe mit seiner Familie spricht, wollen Sie Ihr Comeback schaffen?

Das wird so was von mein Comeback. Mad Max is back.

Sie sind schon ein bisschen bescheuert, oder?

Wieso das denn? Das ist eine sehr ungewöhnliche, sensible Rolle. Nicht dieser übliche Hollywood-Mist. Hier wird der Zuschauer noch gefordert und nicht mit Auto-Explosionen gelangweilt.

Ja, ich bin auch schon ganz ergriffen. Ein depressiver Spielzeugfabrikant mit einer Handpuppe... warten Sie, ich wische mir gerade mal die Tränen aus den Augenwinkeln.

Spotten Sie ruhig, ich plane fest für die Oscars 2012. Also, interviewen Sie mich jetzt?

Das habe ich doch schon gemacht.

Was, das war doch kein Interview... das können Sie doch nicht...

Entschuldigung, Herr Gibson, die Verbindung ist gerade ganz schlecht. Wenn ich das richtig gehört habe, sind Sie damit einverstanden, dass wir das Interview so abdrucken. Sehr schön. Ich lege dann mal auf. Also, schönen Abend noch.

Und die Juden haben doch Jesus getöte... hallo, hallo? Sind Sie noch dran?

Ich legte mich wieder schlafen. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, hoffte ich, dass alles nur ein Traum gewesen war. Den Film gab es allerdings wirklich.