Golf: Tiger Woods — Milliardär mit Macken

Golf : Tiger Woods — Milliardär mit Macken

Düsseldorf (RPO). Tiger Woods ist ein Phänomen: Egal ob Sexsucht oder Affären, verlorene Werbeverträge und Scheidung. Das alles scheint dem Ansehen des Golf-Profis nicht sonderlich geschadet zu haben. Er bewegt weiterhin die Massen – und kassiert kräftig.

Düsseldorf (RPO). Tiger Woods ist ein Phänomen: Egal ob Sexsucht oder Affären, verlorene Werbeverträge und Scheidung. Das alles scheint dem Ansehen des Golf-Profis nicht sonderlich geschadet zu haben. Er bewegt weiterhin die Massen — und kassiert kräftig.

Woods steht seit kurzem — zum ersten Mal seit dem 13. Oktober 1996 — nicht mehr in den Top 50 der Golf-Weltrangliste. Vergangene Woche rutschte er auf Platz 52 ab. Trotzdem handelt das Magazin "Forbes" den 35-Jährigen weiterhin hoch: Das US-Wirtschaftsmagazin hat den persönlichen Werbewert von Woods kürzlich auf 55 Millionen Dollar (41,3 Millionen Euro) beziffert.

Doch sportlich läuft es für den ehemaligen Branchenprimus nicht besonders gut. In seinem ersten Turnier seit fast zwei Monaten errang Woods am 9. Oktober im kalifornischen San Martin den 30. Rang. Eine Platzierung unter ferner liefen — vor zwei Jahren undenkbar. Doch seit dem Australian Masters im November 2009 ist Woods ohne Turniersieg. Und sank in der Weltrangliste kontinuierlich.

Ein Hydrant und ein Baum veränderten das Leben von Woods massiv. Die Autofahrt, die Ende November 2009 in Nachbars Garten endete und ihre Folgen, legten das Leben des Golfprofis zeitweise in Schutt und Asche: Zahlreiche Sexaffären wurden bekannt, von Sexsucht war gar die Rede. Imageverlust und sportliche Krise folgten.

Die Werbeindustrie bleibt Woods treu

Doch das scheint der Vergangenheit anzugehören. Woods hat einen anderen Trainer, seinen Schwung um- und einen neuen Caddie eingestellt. Von seiner Ehefrau Elin Nordegren ist er mittlerweile geschieden. Nach derart Exzessen würden Medien und Sponsoren an anderen Sportlern das Interesse verlieren. Nicht so bei Tiger Woods. Trotz der schlechten Leistungen überträgt das Fernsehen jeden Schlag von ihm. Trotz der Affären, aus denen Woods nicht als strahlender Held hervorgegangen ist, bleibt ihm die Werbeindustrie treu.

Gerade erst hat Woods einen mehrjährigen Sponsorenvertrag bei der Schweizer Uhrenfirma Rolex unterschrieben. Den ersten seit Bekanntwerden seiner Affären. Die Firma glaubt daran, dass mit dem Namen Woods noch immer viel Geld zu verdienen ist. "Rolex ist überzeugt, dass Tiger Woods noch eine lange Karriere vor sich hat und alle Qualitäten besitzt, Golf-Geschichte zu schreiben", heißt es in einer Mitteilung von Rolex. Die meisten seiner Werbepartner waren in den letzten zwei Jahren abgesprungen: darunter auch der Sportgetränk-Hersteller Gatorade, Gillette und vor zwei Monaten dann auch noch Tag Heuer, ein anderer Schweizer Uhrenhersteller.

Bei dem US-Tour-Turnier in San Martin stand Woods auch im Mittelpunkt, nicht jedoch wegen seiner früher so gefeierten Leistungen: Kurz vor Ende der Schlussrunde des Turniers — Woods brachte sich gerade für seinen Putt am drittletzten Loch in Stellung — warf ein Zuschauer einen Hotdog in Richtung Woods. Doch der Angreifer verfehlte sein Ziel ebenso, wie der Golfer eine gute Platzierung. Woods vermutete danach, der Zuschauer hätte wohl nur in die Nachrichten kommen wollen.

"Mein Spiel ist fast wieder da"

Der erste Milliardär der Sportgeschichte bewegt immer noch die Massen. Das macht sich nun auch Rolex zunutze. Mit der Platzierung schien der gefallene Golfstar zufrieden, immerhin hatte er in den vergangenen Wochen kaum trainiert. "Es wird mit jedem Tag besser", sagte Woods: "Ich habe mich gut gefühlt, jetzt muss ich nur noch konzentriert bleiben. Mein Spiel ist fast wieder da." Er sei nach seiner Pause nicht mit dem Ziel angetreten, das Turnier zu gewinnen: "Für mich geht es darum, Wettbewerbs-Praxis zu sammeln, alles andere wird von selbst kommen", resümierte er das Turnier. Zudem wird es am Geld, vor allem nach dem jüngsten Sponsorendeal, auch in Zukunft nicht mangeln.

Das klingt nach durchschrittener Talsohle. Jetzt fehlen nur noch die Turniererfolge.

Hier geht es zur Infostrecke: Die Chronologie des Tiger-Woods-Skandals