So beamen sich NSA und FBI von Tatort zu Tatort

Spionage in der virtuellen Realität : So beamen sich NSA und FBI von Tatort zu Tatort

NSA und FBI hören Telefonate ab, lesen SMS und E-Mails von mehr oder weniger Verdächtigen mit. Das Internet gilt als eines der zentralen Instrumente, über das die Nachrichtendienste spionieren. Jetzt gehen die amerikanischen Geheimdienste aber noch einen Schritt weiter. Sie beamen sich sogar über das Internet an Tatorte. Dabei nutzen die Nachrichtendienste Technologien, wie man sie aus Computerspielen kennt.

Vor nicht ganz einem Jahr wurde bekannt, dass der US-Geheimdienst NSA die Netzwerke der Online-Rollenspiele "World of Warcraft" und "Second Life" infiltriert hatte. Der Geheimdienst wollte mit gefälschten Profilen Jagd auf Terroristen und andere Verbrecher machen, dies legten Dokumente nahe, die aus der Sammlung von Edward Snowden stammen. Die NSA ging davon aus, dass konspirative Gruppen die Fantasiewelt in "World of Warcraft" nutzten, um hier gemeinsame Pläne zu diskutieren. Bärtige Terroristen aus dem Nahen Osten könnten sich zum Beispiel hinter den kleinen Elfen, furchterregenden Orks oder edlen Rittern stehen, die in der virtuellen Fantasiewelt unterwegs sind. Über Erfolge dieses Vorhabens wurde bis jetzt nichts bekannt.

Um in der Zukunft aber doch Erfolge vorweisen zu können, gehen die Geheimdienste NSA und FBI nun einen Schritt weiter. Die Agenten der beiden Organisationen beamen sich in die virtuelle Realität. Dazu schließen sie sich im sogenannten "CAVE" ein. "CAVE" ist ein Raum, der mit unzähligen Sensoren, Kameras und Leinwänden ausgerüstet ist. Der Raum simuliert die Realität. Luftdüsen erzeugen Wind, Wassersprinkler lassen es regnen. In dem Raum tragen die Ermittler zusätzlich einen Sensoranzug und spezielle Handschuhe. Die virtuelle Welt, in der sich die NSA und FBI bewegen, basiert laut eines Berichts des ZDF auf dem Computerspiel "Second Life". Das Spiel liefert vor allem die Grafik.

NSA zeigt Test von Datenanzügen

Bei der NSA selbst ist wenig über den "CAVE" zu erfahren. Im Internet findet sich jedoch ein Ausschnitt aus der Zeitschrift "Cryptologic Quartely", der von der NSA vervielfältigt und in das eigene Archiv gebracht wurde. In dem Artikel der Vierteljahreszeitschrift für Verschlüsselungstechnik werden ausführlich Datenhandschuhe, Datenanzüge und der "CAVE" beschrieben.

Mit dieser Technologie beamen sie sich an Bahnhöfe oder Flughäfen. Dort werden jedoch nicht nur Verbrechen nachgestellt, sondern auch live mitverfolgt. Die aktuellen Daten liefern Überwachungskameras im Terminal des Flughafens oder eine Wetterstation auf dem Dach des Towers. Ein Agent im "CAVE" kann also seinen Kollegen vor Ort sagen, dass es an einer bestimmten Stelle nass ist, bevor die Kollegen bei der Verfolgung eines Verdächtigen ausrutschen. Der Ermittler im "CAVE" kann virtuell an einem Tatort sein, bevor andere Agenten dort in der Realität eintreffen.

Auch Europa zeigt Interesse an der Technik

Nicht nur die Geheimdienste NSA und FBI nutzen die Technik, auch die US-Armee und lokale Polizeibehörden beamen sich in virtuelle Einsätze. Laut ZDF ist auch die europäische Polizeiorganisation Europol an dem CAVE und der Technik interessiert.

Was wie eine Technik aus einem Science-Fiction-Film wirkt, ist stark abhängig von den Daten, die dem System geliefert werden. Bilder können nur erzeugt werden, wo Kameras sie liefern. Während es in Ländern wie den USA und England verhältnismäßig viele Überwachungskameras gibt, gehören sie in Deutschland selbst an öffentlichen Plätzen noch nicht überall zum Alltag. Zudem ist es erstaunlich, dass Geheimdienste "Second Life" als Basis nutzen. Der Stamm der Software stammt immerhin aus dem Jahr 2003.

(ac)