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Analyse: Verlangsamt Apple alte iPhones?

Analyse : Verlangsamt Apple alte iPhones?

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Immer wenn Apple ein neues iPhone auf den Markt bringt, sind besonders viele Kunden mit der Geschwindigkeit ihrer alten Geräte unzufrieden. Das zeigt eine Analyse entsprechender Suchbegriffe bei Google. Einige vermuten: Hilft Apple etwa nach?

Dieser Frage ist Laura Trucco, Doktorandin der Elite-Universität Havard, nachgegangen. Ihre Annahme: Wenn Kunden über ihr langsamer werdendes Smartphone frustriert sind, suchen sie im Netz nach Lösungen. Die Volkswirtin hat sich daraufhin über Google Trends weltweit die Zahl der Abrufe der Begriffe "iPhone slow" ("iPhone langsam") angesehen.

Dabei hat Trucco eine wöchentliche Verlaufskurve erstellt und den Verkaufsstart von den neuen iPhone-Modellen eingetragen. Das Ergebnis ist verblüffend: Es gibt sechs Spitzen bei der Zahl der Suchanfragen. Immer wenn ein neues iPhone erschienen ist.

Foto: Screenshot: New York Times

Es ist normal, wenn einem Kunden das Smartphones mit der Zeit langsamer vorkommt. Das liegt an komplexeren Updates für das Betriebssystem, aber auch weil immer mehr Daten und Apps auf dem Gerät gespeichert sind. Dass der Ansprung der Unzufriedenheit aber nicht stetig steigt, sondern so sprunghaft ausfällt, wenn ein neues Modell erscheint, ist jedoch frappierend.

Was für die Theorie spricht: Zwei Details fallen auf. Bei Android-Systemen gibt es das Phänomen nicht. Google hat aber auch kein Interesse an einem langsamen Betriebssystem, weil es an der neuen Hardware nicht mitverdient.

Foto: Screenshot: New York Times

Einige könnten sagen, dass das Empfinden der iPhone-Kunden auch etwas mit der großen Aufmerksamkeit rund um die neuen Produkte in den Medien zu tun. Aber der Anstieg der Suchanfragen kam jeweils nicht mit der Vorstellung der Produkte, sondern beim weniger beachteten Verkaufsstart.

Was gegen die Theorie spricht: Gerüchte um geplante Obsoleszenz, so wird die geplante verkürzte Lebensdauer von Produkten bezeichnet, gibt es immer wieder. Zum Beispiel wird diese Methode im Druckerbereich oft gehandelt. Aber solche Pläne machen für die Hersteller nur kurzfristig Sinn. Das Risiko, juristischen Ärger zu bekommen ist riesig, sollte diese Methode nachgewiesen werden.

Außerdem ist der Druck der Konkurrenz nicht zu unterschätzen. Wer ein Produkt ohne Verschleiß anbietet, wird laut Volkswirtschafts-Professor Sendil Mullainathan, der sich in der "New York Times" mit diesem Fall beschäftigt, von Kunden eindeutig bevorzugt.

Das führt auch zum Ergebnis des Professors: Dieser Daten-Zusammenhang beschreibt einen Zustand, aber kein ursprüngliches Ziel von Apple. Es ist normal, wenn Betriebssysteme auf die Bedürfnisse der neuen Hardware optimiert werden. Wenn daraufhin ein Betriebssystem auf älterer Hardware langsamer wird, dann ist das einfach ein Seiteneffekt.

(dafi)