Test: Das Huawei P10 als Alternative zum Samsung Galaxy S8?

Smartphone im Test: Das Huawei P10 als Alternative zum Samsung Galaxy S8?

Ähnlich wie Volkswagen beim Golf setzt auch Huawei beim neuen Smartphone-Flaggschiff P10 auf die Devise: keine Experimente. Warum auch? War doch der Vorgänger P9 eines der besten Smartphones des vergangenen Jahres. Wir haben uns das P10 einmal genauer angeschaut. Ist es eine Alternative zum neuen Samsung Galaxy S8?

Als Huawei 2016 das P9 vorstellte, sorgten die Chinesen für Aufsehen. Grund war die Kooperation mit dem deutschen Kamerahersteller Leica. Ergebnis der Zusammenarbeit war eine Dual-Kamera, die zu den besten Smartphone-Knipsen bislang gehört.

Klar, dass Huawei die Liaison mit dem hessischen Unternehmen auch beim neuen P10 fortsetzt. Die verbaute Kamerahardware im P10 ist identisch mit der im Huawei Mate 9. Die Farbkamera fotografiert mit 12 MP, die Schwarz-Weiß-Kamera mit 20 MP.

Anders als beim Vorgänger P9 (unser Test) wird als Hauptbild ein Schwarz-Weiß-Bild aufgenommen. In diese Aufnahme mit hohem Kontrast werden dann die Farbinformationen der zweiten Kamera eingefügt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, die Bilder sind gestochen scharf, die Farben kräftig.

Wie bereits vom P9 und Mate 9 (unser Test) gewohnt, bietet die Kamera zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Seien das diverse Filter, kleine Helferlein wie ein Hilfslicht für den Autofokus, die Einblendung einer horizontalen Ebene, eine Objektverfolgung oder auch der per einfachem Wisch einstellbare Profi-Modus. Dort lassen sich alle möglichen Parameter wie ISO, Weißabgleich oder Blende einzeln einstellen.

Wenn gewünscht, speichert die Kamera Fotos zusätzlich im unkomprimierten RAW-Format. Der Autofokus arbeitet sehr schnell. Nicht ganz überzeugen kann der Bokeh-Effekt im Porträtmodus. Das macht das iPhone 7 Plus (unser Test) besser.

Wie bei allen Smartphonekameras darf auch hier der Satz nicht fehlen: Wird das Umgebungslicht schwächer, sinkt auch die Qualität der Aufnahmen deutlich.

Als wir die Verpackung öffneten, war der erste Gedanke: "Ist das klein." Das mag zum einen dem geschuldet sein, dass der Tester überwiegend ein Google Pixel XL (unser Test) und ein iPhone 7 Plus nutzt. Das liegt aber zum anderen auch an den sehr schmalen seitlichen Rändern.

Die Verarbeitung des P10 ist top. Vorne komplett aus Glas, ist die Rückseite überwiegend aus gebürstetem Metall. Lediglich die Dualkamera und der Blitz liegen in einem schmalen Glasstreifen. Ähnlich wie Apple beim iPhone 7 hat Huawei die Antennenstreifen in Richtung oberem und unterem Rand verlegt.

Die Lautstärke- und Powertasten an der Seite wackeln kein Stück und haben gute Druckpunkte. Die Powertaste ist zur Unterscheidung leicht angeraut - leider heutzutage noch immer keine Selbstverständlichkeit.

Der Fingerabdrucksensor liegt auf der Vorderseite unterhalb des Displays. Er arbeitet absolut zuverlässig und ist der mit Abstand schnellste, der dem Tester bislang unter den Daumen gekommen ist.

Standardmäßig arbeitet er nicht als Homebutton. Das kann jedoch in den Einstellungen unter "Navigationstasten" geändert werden. Dann verschwinden jedoch die drei Androidtasten im Display und man verliert auch gern genutzte Funktionen wie das Android-7-Feature, mit einem Doppelklick auf die Multitaskingtaste zwischen den zuletzt verwendeten Apps zu wechseln. Auch der horizontale Wisch über die Androidtasten, der zur Verkleinerung des Displays führt, funktioniert dann nicht mehr.

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Der Bildschirm ist gegenüber dem Vorgänger leicht geschrumpft, von 5,2 auf 5,1 Zoll, kaum wahrnehmbar also. Entgegen dem Trend, immer höhere Bildschirmauflösungen zu verbauen, kommt das P10 mit einem FullHD-Display. Das ist auch vollkommen ausreichend, die Anzeige ist knackscharf und in heller Umgebung problemlos ablesbar. Auch extreme Blickwinkel bereiten keine Probleme.

Ein nettes Feature: Auch das P10 bietet die Möglichkeit, einen Screenshot aufzunehmen, indem man zweimal kräftig mit dem Fingerknöchel auf das Display tippt.

Natürlich kommt das Huawei P10 mit Android 7, darüber liegt die hauseigene Bedienoberfläche EMUI in Version 5.1 - das kennt man bereits vom Mate 9. Schade auch hier, dass einige Android-7-Features nicht übernommen wurden, beispielsweise fehlen die Shortcuts vom Homescreen. Dadurch lässt sich durch einen längeren Druck auf ein Appsymbol aus mehreren Funktionen wählen, bei der Kamera lässt sich etwa direkt die Selfie-Cam starten oder ein Video aufnehmen.

Auch die Hardware kennt man bereits aus dem Mate 9. Der hauseigene Kirin-960-Prozessor gehört zu den aktuell schnellsten. Ihm stehen 4 Gigabyte RAM und ordentliche 64 Gigabyte Hauptspeicher zur Verfügung - davon sind für den Nutzer jedoch nur knapp 48 Gigabyte verfügbar.

Empfangsprobleme hatten wir im Test keine, weder bei LTE noch im WLAN.

Der Stromspender hat gegenüber dem Vorgänger zugelegt, bietet nun 3200 mAh. Damit kommt man locker über den Tag, bei nicht zu intensiver Nutzung ist auch noch ein zweiter drin. Die Schnellladefunktion sorgt für fixes Wiederbetanken, in rund 100 Minuten ist der Akku wieder komplett gefüllt.

Für 599 Euro bekommt man ein wirklich erstklassiges Android-Smartphone mit einer sehr guten Kamera. Preislich bleiben die Chinesen damit deutlich unter dem neuen Samsung Galaxy S8. Wem das Display mit 5,1 Zoll zu klein ist, der kann bis April warten, dann erscheint das P10 Plus mit einem 5,5 Zoll-Display und 2K-Auflösung. Die größere Variante wird für 749 Euro angeboten.

Die beiden neuen Samsung-Galaxy-S8-Smartphones bieten zwar deutlich größere Displays (5,8 und 6,2 Zoll), doch die seitlich umlaufenden Edge-Bildschirme begeistern nicht jeden. Bei Huawei bekommt man das klassische Smartphone-Format geboten.

Ach ja, einen normalen Kopfhöreranschluss haben die P10-Geräte übrigens auch noch.

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Hier geht es zur Bilderstrecke: Huawei P10 - Smartphone mit Leica Doppelkamera

(csr)