Test-Bericht: Das neue iPhone XR ist ein iPhone für alle

Testbericht: Das neue iPhone XR ist ein iPhone für alle

Mit dem iPhone 5C hatte Apple bereits vor Jahren ein preiswerteres und buntes Smartphones im Angebot. Damals mussten sich die Käufer jedoch mit der Technologie des Vorjahres zufriedengeben. Beim neuen iPhone XR ist das anders. Ein Testbericht

Nur wenige Wochen nach der Premiere seiner neuen iPhone-Spitzenmodelle XS und XS Max bringt Apple schon wieder ein neues Smartphone auf den Markt. Das iPhone XR wird gleich in sechs verschiedenen Farben angeboten: in Rot und Blau und Gelb und eine Art Orange (Koralle), außerdem in Schwarz und Weiß.

Ein Unterschied zu den beiden XS-Modellen wird potenzielle Käufer besonders interessieren, nämlich der Preis: Während die beiden XS-Modelle je nach Ausstattung zwischen 1149 und 1649 Euro kosten, ist das iPhone XR ab 849 Euro zu haben.

Mindestens 300 Euro Unterschied zum XS ist eine Menge Geld. Wo liegen nun die Unterschiede? Die reine Prozessor-Power rechtfertigt den Aufpreis für die XS-Modelle nicht, denn auch beim XR hat Apple den neuen Chip A12 Bionic verbaut, so dass Spiele und andere Apps ohne Ruckeln flüssig und reibungslos laufen.

Schaut man sich Filme oder Fotos auf dem iPhone XR an, wird ein Unterschied schnell sichtbar. Die beiden XS-Modelle sind mit einem OLED-Bildschirm ausgestattet, der schwarze Flächen grauschleierfrei und Farben intensiver darstellen kann. Im XR wurde dagegen ein 6,1-Zoll-Bildschirm mit LCD-Technik verbaut.

Die technischen Spezifikationen des Bildschirms sind eher unterdurchschnittlich: Das Panel erreicht eine Auflösung von 1792 mal 828 Pixel bei einer Pixeldichte von 326 ppi, deutlich weniger als beim iPhone XS (2436 mal 1125 Pixel bei 458 ppi) und dem iPhone XS Max (2688 mal 1242 Pixel bei 458 ppi). In der Praxis fällt das aber nicht auf.

Apple-Marketingchef Phil Schiller sagte zu diesem Thema in einem Interview: „Wenn man die Pixel nicht sehen kann, spielen Zahlen irgendwann keine Rolle mehr.“ Und damit hat er wohl recht. Relevanter ist die Tatsache, dass die Displays der beiden XS-Modelle mit ihrem HDR-Modus (High Dynamic Range) mehr Details in dunklen und hellen Motivbereichen darstellen können.

Bei den Bildschirmen gibt es noch einen weiteren Unterschied zwischen den beiden Top-Geräten und dem iPhone XR. Das günstigere Modell unterstützt kein 3D-Touch. Mit dieser Funktion konnte man seit dem iPhone 6S mit einem kräftigen Fingerdruck auf ein Symbol bestimmte Funktionen einer App auswählen, etwa den Selfie-Modus der Kamera. Das XR beherrscht nur Haptic Touch, ein langer Druck, mit dem sich aber nur einige wenige Funktionen steuern lassen - etwa die Taschenlampe einschalten oder die Bildschirmhelligkeit regeln.

Neben den Displays machen vor allem die Kameras den Unterschied zwischen XS und XR aus. In den XS-Modellen besteht die Kamera aus zwei Objektiven, einem Weitwinkel und einem Tele. Das XR kommt wie das Pixel 3 von Google mit einem Weitwinkel aus. Ähnlich wie Google arbeitet Apple bei den Foto- und Videoaufnahmen intensiv mit Software-Intelligenz, um möglichst viele Details scharf und farbgetreu auch bei schlechtem Licht abzubilden. Apple nennt diese Funktion Smart HDR. In der Praxis ermöglicht sie zum Beispiel beeindruckende Gegenlichtaufnahmen.

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Unterschiede im Detail gibt es beim Porträtmodus: Das XR kann tatsächlich nur Menschen so einfangen, dass der Hintergrund schön unscharf erscheint - ein Bokeh-Effekt wie bei Porträtaufnahmen von Profis. Die XS-Modelle beherrschen diesen Effekt auch, wenn Tiere oder Gegenstände als Hauptmotiv im Vordergrund stehen. Das XR meldet dann nur, dass „keine Person entdeckt“ wurde. Der digitale Zoom des XR erreicht auch nicht die Qualität des optischen Zooms beim XS. Im Vergleich zum iPhone 8 nimmt das XR aber bessere Bilder auf, auch weil hier der neue, hochwertigere Bildsensor des iPhone XS mit zwölf Megapixeln zum Einsatz kommt.

Die Selfie-Kamera erreicht eine Auflösung von sieben Megapixeln und beherrscht wie die Hauptkamera auf der Rückseite den Porträtmodus mit Bokeh-Effekt.

Mit dem XR schickt Apple die Fingerabdruck-Sensoren der Vormodelle endgültig in den Ruhestand. Wie beim XS kommt beim XR die Geschichtserkennung Face-ID zum Einsatz, die zuverlässig und schnell funktioniert.

Noch nicht ausprobieren lässt sich der Dual-SIM-Modus, der erst später im Herbst freigeschaltet werden soll. Das XR bietet dann wie die XS-Modelle neben dem üblichen Slot für eine Nano-SIM-Karte auch eine integrierte eSIM. Bislang unterstützen in Deutschland nur Vodafone und die Telekom die eSIM mit Zwei-Jahres-Verträgen. Im Ausland gibt es aber zum Teil attraktive Angebote, etwa in den USA von T-Mobile.

Das iPhone XR ist staub- und wasserdicht nach Norm IP67. Das Gerät kann also mindestens 30 Minuten bis zu einem Meter Tiefe vollständig in Wasser eingetaucht sein. Sollte man über dem iPhone eine Cola oder eine andere Flüssigkeit ausschütten, empfiehlt Apple, das Smartphone unter laufendem Wasser zu reinigen und dann fünf Stunden lang zu trocknen. In dieser Zeit sollte man nicht das Ladekabel einstöpseln, sondern das Gerät bei Bedarf nur drahtlos aufladen. Das XR beherrscht nämlich die Qi-Ladetechnik wie auch die XS-Topmodelle.

Das iPhone XR, das Freitag (26. Oktober) in die Läden kommt, ermöglicht einem deutlich größeren Kundenkreis den Zugang zum Apple-Ökosystem als die vor einigen Wochen vorgestellten XS-Modelle. Das iPhone XR kostet mit 64 Gigabyte (GB) Speicher 849 Euro. Für den doppelten Speicher (128 GB) werden 60 Euro Aufschlag fällig, insgesamt also 909 Euro. Für das größere XR-Modell mit 256 GB Speicher überspringt Apple mit 1019 Euro dann aber doch die Tausender-Schwelle.

Für iPhone-Interessenten mit kleinerem Budget hält Apple die Vorgängermodelle iPhone 7 (ab 519 Euro) und iPhone 8 (ab 679 Euro) im Programm. Im Gegensatz zum iPhone XR verfügen diese Modelle aber nicht über die neueste Technik aus den Apple-Labors, was sich insbesondere beim Fotografieren bemerkbar macht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Apple iPhone XR - bunt und billiger

(csr/dpa)
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