Smartphone im Test: OnePlus 7 Pro - Riesendisplay mit Kuckuck-Kamera

Smartphone im Test : OnePlus 7 Pro - Riesendisplay mit Kuckuck-Kamera

Mit dem OnePlus 7 Pro legt der chinesische Hersteller ein Smartphone vor, das die bislang von ihm bekannten Preigrenzen durchbricht. Das Spitzengerät kommt mit einem Super-Display ohne Notch, dafür aber mit ausfahrbarer Kamera.

Der neue Standard heißt Spitze. Das kann man beim Blick auf das neue OnePlus 7 ohne Zweifel sagen. Denn das neue Smartphone der Chinesen kommt mit so ziemlich allem, was zurzeit verfügbar ist. Schnellster Qualcomm-Prozessor, massig Speicher, neueste Kamera, frische Netzwerktechnik. Ansonsten die Optik des Vorgängers mit minimalen Bildschirmrändern, kleiner Kamera-Einbuchtung und ein Preis von 559 bis 609 Euro. Soweit der neue Standard.

Denn in der mittlerweile siebten Auflage seiner Smartphones geht OnePlus einen neuen Weg. Der Hersteller bringt mit der Pro-Version des OnePlus 7 ein Modell mit im Vergleich zur bisherigen Spitze und damit dem neuen Standard leicht - sagen wir - übertriebener Ausstattung.

Am OnePlus 7 Pro ist alles groß, massiv, schwer. Das Smartphone aus Metall und Glas wiegt 206 Gramm, liegt stabil in der Hand und sieht mit seiner matt von Hell- nach Dunkelblau verlaufenden Glasrückseite recht schick aus. Den ersten Überraschungsmoment gibt es gleich nach dem ersten Einschalten.

Was für ein Riesendisplay. 6,67 Zoll misst das Fluid-Amoled-Display - so nennt sich die Gemeinschaftsentwicklung mit Samsung. Mit seinen sanft gerundeten Kanten, 2340 zu 1440 Pixeln, HDR10+ und 90 Hertz Bildwiederholfrequenz springen die Startanimation und die animierten Hintergrundwolken geradezu ins Auge. Und irgendwas fehlt auf den ersten Blick. Genau. Nichts ragt hier ins Display. Keine Sensoren, keine Lautsprecher - und keine Frontkamera. Dieses Smartphone hat einfach nur ein riesiges Display.

Kein Notch, kein ins Display gestanzte Loch, kein Balken darüber. Aber wo steckt denn nun die Kamera? Ein Fingertipper auf die Kamera-App, Selfie auswählen - und schon kommt sie mit einem leisen Summen aus dem Metallrahmen des Smartphones gefahren. Hier ist sie also, eine weitere Möglichkeit, die Frontkamera ins Spiel zu bringen.

Die Hersteller probieren in dem Bereich gerade diverse Spielereien aus. Asus lässt bei seinem neuen Zenfone 6 die Hauptkamera, ein Gespann aus einer 48- und einer 13-Megapixel-Kamera, auf Knopfdruck um 180 Grad rotieren und funktioniert sie so zur Frontkameraum. Nachteil dieser motorbetriebenen Varianten: sie können auch kaputt gehen.

OnePluis verspricht immerhin, die Ausfahrmechanik soll 500.000 Aktivierungen der Kamera aushalten. So weit sind wir im Test nich gekommen. Dazu schützen Dichtungen vor eindringendem Staub und Flüssigkeiten. Und - die Vorführung gefiel im Bekanntenkreis am besten - lässt man das Telefon fallen, fährt die Minikamera automatisch ein. Stecken gebliebene oder abgebrochene Kameras soll es also nicht geben - wir werden sehen.

Die Bauart des OnePlus 7 Pro mit Ausfahrkamera hat übrigens noch einen unterhaltsamen Nebenaspekt. Wird die eingebaute Gesichtserkennung zum Entsperren genutzt, lugt die Kamera blitzartig aus dem Gerät heraus und fährt wieder ein. Deutlich komfortabler ist allerdings die Entsperrung per Fingerabdrucksensor. Der steckt hinter dem Display und funktioniert schnell und zuverlässig. Hier wurde eine deutlich bessere Sensorik verbaut, als etwa beim Samsung Galaxy S10+.

Während die Ausfahrkamera eher ein nettes Gimmick für ein freies Display ist, stecken in der Hauptkamera des 7 Pro viele gute Gedanken. Ähnlich wie Huawei etwa beim P30 Pro und Samsung setzt auch OnePlus nun auf ein Trio aus Weitwinkel, Hauptkamera und Zoom-Objektiv.

Der stabilisierte Hauptsensor mit 48 Megapixeln rechnet für Fotos jeweils vier Pixel zu einem zusammen - das Ergebnis ist ein 12-MP-Foto. So sollen mehr Details, mehr Licht und weniger Rauschen ins Bild gelangen, erklärt OnePlus. Dazu gibt es die ebenfalls stabilisierte Telelinse mit 8 Megapixeln und eine 16-MP-Weitwinkellinse mit 117 Grad Blickwinkel.

Im Alltag liefert das Kamera-Trio ziemlich detailreiche Bilder, die Aufspaltung in Weitwinkel, Normalbrennweite und Tele passt gut für die meisten Situationen. Im Test ließen sich etwa Bienenstöcke mit schwärmenden Völkern mit dreifacher Vergrößerung aus sicherer Distanz ablichten. Im Weitwinkelmodus werden Verzeichnungen meist gut aus den Fotos herausgerechnet. Schade: Das gängige 16:9-Format für Aufnahmen lässt sich nicht einstellen.

Unterstützt von reichlich Software auf dem Gerät gelingen auch bei wenig Licht schöne Fotos. Nur manchmal neigt der Nachtmodus zu unrealistisch langen Belichtungszeiten, und die Ergebnisse erinnern eher an Lichtmalerei.

Im Inneren des OnePlus 7 Pro geht die Leistungsschau weiter. Qualcomms Snapdragon 855 wird wahlweise von sechs, acht oder zwölf Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher begleitet. Als Speicher für Fotos und Apps gibt es 128 oder 256 GB - Speicherkarten werden nicht unterstützt. Interessant beim Bluetoothfunk ist die Unterstützung für den Codec aptX HD, den auch die Zubehörkopfhörer Bullets 2 unterstützen. Im Vergleich zur normalen Bluetoothübertragung gibt es hier ein deutliches Qualitätsplus.

Ein paar weitere Neuerungen des OnePlus 7 Pro könnten vor allem mobile Spieler interessieren. So wurde der zweite Lautsprecher so umgesetzt, dass er beim Spielen im Querformat nicht mehr blockiert wird. Ein neuer Spielemodus gegen Ablenkung durch Messengernachrichten, Prozessorregelung und Netzwerkoptimierung und Bildschirmaufzeichnung auch mit externer Audioaufzeichnung sollen das Smartphone zur Wahl für Spieler mit Mitteilungsdrang machen.

Es gibt aber auch das Gegenteil: Eine Zen-Modus genannte Einstellung, die Nutzer bewusst aktivieren müssen, macht das Telefon für 20 Minuten zum Backstein. Notrufe funktionieren aber noch.

Fazit: Ja, das OnePlus 7 Pro ist schwer und groß. Dadurch liegt es aber auch stabil und solide in der Hand. Dazu kommt ein Display, das zumindest bislang seinesgleichen sucht, eine konkurrenzfähige Kameraausstattung und ordentlich Leistung.

Die Selfiekamera zum Ausfahren kann man mögen, muss man aber nicht. Zwar ermöglicht sie ein Display ohne Einbußen. Ob das letztlich ein Kaufargument ist, muss jeder selbst entscheiden.

Beim Preis kann OnePlus im Vergleich zu den Spitzenmodellen anderer Hersteller in jedem Fall punkten. Obwohl das Pro das bislang teuerste OnePlus ist, bleibt es - lassen wir die Maximalvariante für 829 Euro mal weg - mit einem Preis ab 709 Euro vergleichsweise günstig. Die Konkurrenz ist für ähnliche Technik mittlerweile im vierstelligen Bereich angelangt. Viel Telefon fürs Geld also, ohne nennenswerte Abstriche. Das OnePlus 7 Pro ist seit Ende Mai im Handel, das Standardmodell OnePlus 7seit Juni.

Hier geht es zur Bilderstrecke: OnePlus 7 Pro - Super-Display und Motorkamera

(csr/dpa)
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