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Smartphone im Test: Google Pixel 5 - Mittelklasse auf Top-Niveau

Smartphone im Test : Google Pixel 5 - Mittelklasse auf Top-Niveau

Während bei Samsung, Apple, OnePlus & Co. die neuen Topmodelle immer top ausgestattet sind, geht Google mit dem Pixel 5 einen anderen Weg. Die Hauptkamera ist Jahre alt, der Prozessor nur Mittelklasse. Dafür glänzt das Gerät mit seiner Software. Was das Pixel 5 leistet, zeigt unser Test.

Als Google das Pixel 5 vorgestellt hat, sagte der Hardware-Chef des Unternehmens: „Die Welt scheint gerade kein weiteres 1000-Dollar-Smartphone zu brauchen.“ Ob das nun zutrifft oder nicht, sei dahingestellt, jedenfalls bleibt das neue Flaggschiff mit einem Preis von 613,14 Euro deutlich unterhalb der vierstelligen Schwelle - und das sieht man auch an der technischen Ausstattung. So zumindest der erste flüchtige Blick. Denn im Praxistest hinterlässt das Pixel 5 einen überwiegend positiven Eindruck.

Viele Features, die der Vorgänger Pixel 4 noch an Bord hatte, wurde gestrichen: Kein Teleobjektiv, keine Gesichtserkennung, kein Rahmen, den man drücken und damit eine Aktion auslösen konnte (“Active Edge“), kein damals von Google hochgelobter Radarsensor (“Motion Sense“) und der Hauptprozessor stammt nur aus der 7er-Reihe von Snapdragon, der für ambitionierte Mitteklassse-Smartphones.

Aber seien wir mal ehrlich: In Zeiten von Corona-Gesichtsmasken ist ein „Face Unlock“ in vielen Situationen - etwa an der Ladenkasse - ohnehin nutzlos. „Motion Sense“ mit dem Radarsensor hat kaum jemand benutzt und den Google Assistenten kann man auch per Sprachbefehl oder Wisch übers Display starten und muss dafür nicht unbedingt das Telefon zusammendrücken.

Viel wichtiger für Smartphonenutzer ist doch die Akkulaufzeit. Und da hat Google diesmal richtig gute Arbeit geleistet. Kam das Pixel 4 noch mit einem deutlich zu schwachen 2800-Milliamperestunden-Energiespender, der zwar im Laufe der Zeit durch Softwareupdates etwas ausdauernder wurde, sitzt im Pixel 5 eine Zelle mit 4080 mAh.

In unserem Test waren bei normaler Nutzung am Abend nicht selten noch 50 Prozent Leistung übrig. Sollte es fern einer Steckdose doch einmal eng werden, bietet das Google-Smartphone nun den „Extreme Battery Saver Mode“ an. In diesem Modus sind nur ausgewählte Apps aktiv. Der Rest wird zugunsten der Laufzeit komplett abgewürgt. Das bringt ein paar Stunden zusätzliche Laufzeit.

Und obwohl das Gehäuse des Gerätes aus 100 Prozent recyceltem Aluminium, hat Google es mit einem Trick hinbekommen, kabelloses Laden zu ermöglichen: Das Metall wurde mit einer speziellen Beschichtung überzogen, dort, wo die für das kabellose Laden notwendige Spule sitzt, hat man ein Loch ins Aluminium gefräst. Wegen des Überzugs fällt das aber nicht auf. Auch kabelloses „Reverse Charging“ ist möglich, also das Laden anderer Geräte über den Pixel-Akku. Auf der Rückseite des befindet sich übrigens auch ein klassischer Fingerabdrucksensor, der gut platziert ist und seine Arbeit schnell und präzise verrichtet.

Geschrumpft ist das Pixel 5 in seinen Gesamtabmessungen. Der OLED-Bildschirm misst gerade einmal sechs Zoll, auch das ist untypisch für ein Flaggschiff. Weil Gesichtserkennung und Radarsensor fehlen, hat das Pixel 5 erfreulicherweise keine hässliche Notch mehr, also die Ausbuchtung am oberen Bildschirmrand. Das Display reicht an allen Seiten bis an den Rand heran, nur unterbrochen von dem Loch der Frontkamera oben links. Das sieht sehr schick aus. Zudem hat sich der erste Eindruck „Das ist aber ganz schön klein“ im Alltagsgebrauch nicht manifestiert. Die Größe ist eigentlich ganz okay und die Bedienung mit einer Hand geht so absolut problemlos. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

Der Bildschirm mit einer Auflösung von 2340 mal 1080 Pixeln (432 PPI) unterstützt den Standard HDR10+, womit ein deutlich erweiterter Farb- und Kontrastumfang angezeigt werden kann. Mit einer Bildwiederholungsrate von 90 Hertz erreicht das Pixel 5 zwar nicht die 120-Hertz-Spitzenwerte von Konkurrenten wie dem OnePlus 8T. Im direkten Vergleich war aber kein Unterschied festzustellen. Das Gerät bewältigt etwa schnelles Scrollen ohne jegliche Ruckler.

Nach dem Motto „Never change a running system“ verbaut Google seit dem Pixel 2 den gleichen 12-MP-Kamerasensor von Sony, obwohl dieser mittlerweile technisch und in Sachen Auflösung mehrfach von der Konkurrenz übertroffen wurde. Macht aber nix. Denn Google setzt ohnehin mehr auf Softwarepower als auf eine Megapixel-überladene Kamera. Und wie schon bei den Vorgängern, gehören die Fotos des Pixel 5 mit zu den besten, die man in der Smartphonewelt zu sehen bekommt.

Die Hauptkamera produziert natürliche Farben, wie gewohnt, kommt das Pixel 5 gut mit Hell/Dunkel-Kontrasten klar. Der lange Zeit konkurrenzlose Nachtmodus schaltet sich nun bei Bedarf automatisch zu. Bislang musste er von Hand aktiviert werden.

Hatte das Pixel 4 noch ein Teleobjektiv verbaut, hat das Pixel 5 nun eine Weitwinkel- und eine Ultraweitwinkelkamera. Wenn es sich beim Pixel 4 auch nur um einen zweifachen optischen Zoom gehandelt hat und so erstaunlich es ist, was Google aus den beiden Objektiven herausholt, vermisst man das Teleobjektiv hin und wieder schon.

Verbessert hat Google die Videofähigkeiten des Pixel 5. Das Gerät kann nun in 4K-Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde filmen. Zudem gibt es eine Art Audio-Zoom, damit kann der Ton auf den Bereich fokussiert werden, der auch im Bild zu sehen ist. Das Corona-bedingte Fehlen größerer Menschenansammlungen macht es schwierig, dieses Feature zu testen. Wer jedoch hofft, damit eine Art Abhörgerät in den Händen zu halten, wird enttäuscht. Es sei lediglich eine nette Funktion, um etwa eine Ansprache auf einer Familienfeier nicht im allgemeinen Gemurmel untergehen zu lassen, sagt Google.

Mit einer IP68-Zertifizierung ist das Pixel 5 optimal gegen Staub und Flüssigkeit geschützt. Und da das Display nicht über den Rand gezogen wurde und mit Gorillaglas der hohen Klasse 6 geschützt wurde, ist der Bildschirm auch weniger empfindlich.

Beim Prozessor setzt Google auf den Snapdragon 765G, der auch bei anderen ambitionierten Mittelklasse-Smartphones wie dem OnePlus Nord eingesetzt wird. In dem Ein-Chip-System ist auch das 5G-Modem enthalten, damit das Pixel 5 im Netz der fünften Mobilfunkgeneration funken kann. Das ist vielleicht noch nicht überall relevant, weil die Provider in Deutschland bislang nur wenige Regionen mit 5G versorgen. Während unseres Tests in Düsseldorf hat sich das Pixel aber häufig in das 5G-Netz der Telekom eingebucht. Die dann zu erzielenden Downloadraten sind schon beeindruckend. Auch in anderen Regionen kommt der 5G-Ausbau mit großen Schritten voran, sodass man in jedem Fall ein Stück Zukunftssicherheit erwirbt.

Als Speicher sind acht GB RAM und 128 GB Hauptspeicher verbaut. Erweitern lässt sich der Speicher bei Google-Handys traditionell nicht. Hier muss jeder selbst entscheiden, ob das genug ist. Eine zweite Telefonkarte nimmt das Pixel 5 nur in Form einer eSim auf. Als Betriebssystem ist selbstverständlich Android 11 an Bord. Schnelle Updates sind für die nächsten Jahre garantiert, neue Funktionen wird auch das Pixel 5 alle paar Monate per „Feature Drop“ spendiert bekommen.

Fazit: Google verabschiedet sich zumindest für dieses Jahr aus dem Kampf um die Smartphones mit der höchsten Leistung und zeigt eindrucksvoll, dass man auch ohne Top-Prozessor und Teleobjektiv im Alltag trotzdem eine gute Figur machen kann. Die Kamera ist schnell bereit und liefert ausgezeichnete Bilder. Viele der Features, die Google eingespart hat, werden nicht vermisst.

Während des Tests haben wir das Pixel 5 mehrere Wochen lang als unser tägliches Smartphone genutzt (als „Daily Driver“, wie es im Englischen so nett heißt) und nicht einmal kam zu Rucklern oder Hängern, die den schwächeren Prozessor in Erinnerung gerufen hätten. Auch bei den von uns gespielten Spielen gab es keine nennenswerten Performance-Einbußen. In Benchmark-Tests (die wir aber nicht durchführen) kann das Pixel 5 natürlich nicht mit einem Samsung Galaxy S20, einem OnePlus 8T oder seinem eigenen Vorgänger mithalten. Das macht sich aber in der Alltagspraxis kaum bemerkbar. Hier sind die super Kamera und der gute Akku viel mehr wert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist das Pixel 5 von Google