Nest Hello im Test: Smarte Türklingel von Google-Tochter verdirbt den Spaß am Klingelmännchen

Smarte Türklingel von Google-Tochter im Test: Nest „Hello“ verdirbt den Spaß am Klingelmännchen

Klingelmännchen war früher ein beliebtes Spiel, um die Nachbarn zu ärgern. Die moderne smarte Welt, etwa in Form der vernetzten Video-Türklingel „Hello“ der Google-Tochter Nest, bereitet diesem Spaß ein Ende. Wir haben sie getestet.

Der Beginn des Tests ist insofern ungewöhnlich, als das wir erst einmal Leiter, Schraubendreher und sogar eine Bohrmaschine benötigen. Mit Leiter und Schraubendreher wird mithilfe einer Anleitung per App in wenigen Minuten ein kleines Zwischenstück im Gong der Türklingel installiert. Das sollten auch technisch weniger begabte Menschen problemlos hinbekommen.

Weil der normal Klingeldrücker außen an unserem Haus horizontal befestigt ist, die Nest „Hello“ aber vertikal angebracht werden möchte, muss noch ein kleines Loch in die Wand gebohrt werden. Ein passender Bohrer, Dübel und Schrauben werden sogar mitgeliefert. Wer sich die Installation nicht zutraut, kann sich von Nest einen Installateur vermitteln lassen - was natürlich mit Zusatzkosten verbunden ist.

Dann ist der handwerkliche Teil beendet und es wird endlich smart. Per Nest-App wird die Klingel mit dem heimischen WLAN verbunden, was auch gleich eine der Voraussetzungen für den Betrieb ist: Das drahtlose Heimnetzwerk muss bis vor die Tür zur „Hello“ reichen, sonst wird es nichts mit der smarten Klingel-Welt.

Steht die Verbindung, liefert das 160-Grad-Weitwinkelobjektiv der Kamera glasklare Bilder von dem Geschehen vor der Haustür aufs Smartphone. Den Livestream inklusive Ton kann man sich jederzeit von überall aus anschauen. Nimmt die Kamera eine Bewegung wahr, schickt sie eine Benachrichtigung inklusive Foto aufs Handy.

Drückt jemand den Klingelknopf, gibt auch das Smartphone augenblicklich einen Klingelton von sich und schickt eine Benachrichtigung. In der App sieht man dann die Person vor der Haustür und hat drei Möglichkeiten: Man schaut ihr lediglich zu, wie sie dort wartet, man lässt die Klingel einen voreingestellten Satz sagen (etwa “Wir können die Tür gerade leider nicht öffnen. Stellen Sie das Paket bitte vor der Tür ab“ oder „Wir sind sofort da“) oder man kann auch direkt mit der Person sprechen.

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Das funktioniert im Test weitgehend problemlos. Auch in der direkten Kommunikation konnten sich beide Seiten gut verstehen. Probleme mit dem Verbindungsaufbau gab es manchmal jedoch, wenn das Smartphone mit einem fremden WLAN verbunden war. Dann musste man schnell ins mobile Datennetz wechseln und hoffen, dass die Person solange vor der Tür wartet.

Bis zu drei Stunden zurück werden die von „Hello“ aufgezeichneten Momentaufnahmen gespeichert. Wem das nicht reicht, der kann zusätzlich ein Abo für Nest Aware abschließen. Dann bleiben die Aufnahmen bis zu 30 Tage in der Cloud gespeichert, der komplette Videoverlauf kann im Zeitraffer durchgeschaut werden. Mit dem von Google stammenden Aware-Dienst kann die Türklingel sogar einzelne Personen erkennen. Dann bekommt man etwa eine Warnung geschickt, wenn jemand Unbekanntes vor der Tür steht.

Da es vom Haus des Testers bis zum Bürgersteig nur ein paar Meter sind, filmt die Kamera auch das dortige Geschehen mit. Das ist in Deutschland streng genommen nicht erlaubt, Privatpersonen dürfen nicht in den Straßenraum hinein filmen. Gut wäre für eine Installation wie am Tester-Haus die Möglichkeit, den Fokus der Kamera nur für einen oder zwei Meter scharf zu schalten und dahinter alles verschwimmen zu lassen.

Für manch einen dürfte es auch problematisch sein, dass die von der Türklingel gemachten Aufnahmen auf Servern in den USA bei Nest oder Google gespeichert werden. Wer also nicht möchte, dass Google weiß, wer bei einem an der Tür klingelt, sollte vom Kauf absehen. Auch wer den Kindern aus der Nachbarschaft den Spaß am Klingelmännchen nicht verderben möchte, sollte die Finger davon lassen.

Hat man damit keine Probleme, bekommt man mit der rund 280 Euro teuren Nest Hello eine tolle Erweiterung für sein Smart Home. Nach einer einfachen Installation hat man von überall her einen fixen und gut funktionierenden Überblick, wer vor der eigenen Tür steht. In den USA bietet Nest zudem ein Schloss an, dass es erlaubt, die Haustür per Smartphone zu öffnen. Das wäre noch eine sinnvolle Ergänzung.

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