Motorola One Vision im Test: Viel Smartphone für unter 300 Euro

Smartphone im Test : Motorola One Vision - günstiger Preis, edler Look

Das Motorola One Vision versucht einen Spagat: Das Smartphone kommt mit einem edel anmutenden Design, einer soliden Kamera, aktueller Android-Version sowie einem ordentlichen Update-Versprechen - und das alles für 300 Euro. Kann das klappen?

Fotos im Dunkeln sind eher kein Hingucker. Außer natürlich, man hat ein sündhaft teures Smartphone mit Nachtmodus für die Kamera. Oder Motorolas neues One Vision.

Mit dem One Vision will Motorola eine neue Smartphone-Linie etablieren. Elegant, technisch auf der Höhe, ein bis zwei herausragende Elemente und ein überraschend niedriger Preis. Knapp 300 Euro verlangt Motorola für das Smartphone im langen 21:9-Format in wahlweise funkelnd blauer oder brauner Glashülle.

Herzstück des One Vision ist - neben dem großen Display - die Kamera. 48 Megapixel (MP) löst der Hauptsensor auf. Die zweite Kamera mit 5 MP erfasst nur Tiefeninformationen. Der große Sensor nutzt einen derzeit verbreiteten Trick: Für Fotos rechnet er jeweils vier Pixel zu einem zusammen und erstellt daraus ein Foto mit 12 MP. Der Vorteil: mehr Licht und weniger Bildrauschen.

Dazu nutzt die Kamera noch jede Menge Software zur Bildoptimierung oder für Effekte. Da ist zum Beispiel der schon erwähnte Nachtmodus. Er ermöglicht nach einer kurzen Nachbearbeitung ansehnliche Bilder auch in dunklerer Umgebung - für die Preisklasse, muss man einschränkend sagen.

An die Ergebnisse, die Top-Smartphones wie das Pixel 3 XL, das Samsung Galaxy S10+ oder auch das OnePlus 7 Pro bei wenig Licht abliefern, kommt das Motorola natürlich nicht heran. Für Schnappschüsse im Dunkeln ist das ausreichend, für ein ernstgemeintes Foto nicht.

Fotofreunde können außerdem noch kleine Cinemagramme, Fotos mit bewegten Elementen, erstellen, einzelne Farben betonen oder Objekte im Bild freistellen. Der Videomodus bietet maximal 4K-Auflösung (3840 zu 2160 Pixel) bei 30 Bildern pro Sekunde. Dazu gibt es die Modi Zeitraffer und Zeitlupe.

Wer will, kann außerdem die Software noch weitere Optimierungen erledigen lassen. Etwa Bilder automatisch nach der Drittel-Regel zuschneiden und nach idealen Proportionen ausrichten lassen. Oder man lässt die Kamera bei erkanntem Lächeln automatisch auslösen.

Per Google Lens wird das One Vision zur Erkennungsmaschine und findet etwa Shoppingangebote für abgefilmte Objekte oder Informationen zu Sehenswürdigkeiten. Das klappt noch nicht immer gut, aber zunehmend besser.

Etwas schwach auf der Brust ist das One Vision in Sachen Sound: Musik kommt nur aus einem Lautsprecher an der Unterseite des Geräts. Der macht seine Arbeit zwar ganz ordentlich, doch der fehlende Stereosound macht sich schon deutlich bemerkbar.

6,3 Zoll misst das Display des One Vision. Es nimmt nahezu die gesamte Vorderseite ein, abgesehen von einem kleinen Streifen unten und einem recht üppigen Stanzloch für die Kamera. Mit einer Auflösung von 2520 mal 1080 Pixel ist das One Vision vergleichsweise schlank und lang.

Angetrieben wird das Motorola-Smartphone von Samsungs Prozessor Exynos 9609 mit acht Kernen, dazu 4 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 128 GB Festspeicher. Davon stehen dem Nutzer knapp 116 GB zur Verfügung. Wem das nicht reicht, der kann per MicroSD-Karte um bis zu zwei Terabyte aufrüsten.

Als Betriebssystem ist das aktuelle Android 9 ohne unnütze Zusatz-Apps an Bord, dafür aber mit regelmäßigen Sicherheitsupdates für drei Jahre. Motorola verspricht auch noch die nächsten beiden Android-Versionen 10 und 11. Möglich macht das die Teilnahme am Programm Android One.

Auch wenn Motorola beim One Vision auf nahezu reines Google-Android setzt, gibt es doch einige Moto-Besonderheiten wie die Gestensteuerung oder das Abrufen von Funktionen wie Taschenlampe oder Kamerawechsel per Schüttelbewegung.

Für 299 Euro bekommt man also eine Menge Telefon geboten. Doch an manchen Stellen bemerkt man feine Unterschiede zu ähnlich eleganten Modellen höherer Preisklassen. Die Kameraaussparung etwa ist deutlich größer als bei Samsungs Galaxy S10 oder dem Honor 20.

Durch das verwendete LCD-Display scheint selbst im Always-on-Modus, bei dem auf dem sonst inaktiven Bildschirm etwa Uhrzeit, Akkustand und Benachrichtigungen angezeigt werden, deutlich die Hintergrundbeleuchtung durch, sodass der Schirm eher grau als schwarz erscheint.

Leistungsmäßig gibt es hingegen nichts zu meckern: Mal abgesehen von der Gedenksekunde für die Bildernachbearbeitung hält der Exynos-Prozessor das One Vision gut auf Touren. Die 128 Gigabyte Speicher sind gut bemessen, selbst ohne zusätzliche Speicherkarte.

Und die Kamera leistet für ein Smartphone dieser Preisklasse gute Arbeit und bietet neben dem Nachtmodus auch noch weitere nette Funktionen. Schön wären jetzt nur noch ein besserer Sound und ein Tele- oder Weitwinkelobjektiv gewesen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Motorola One Vision - viel Telefon für 299 Euro

(mit Agenturmaterial)
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