Motorola Moto X im Alltagstest

Smartphone von Motorola im Test : Das Moto X - noch lange kein altes Eisen

Der erste Gedanke war: Mensch, ist das klein. Stimmt aber gar nicht. Das nun endlich auch in Deutschland erhältliche Motorola-Smartphone Moto X nutzt mit seinem 4,7 Zoll großen Display die zur Verfügung stehende Fläche einfach nur gut aus. Und auch sonst hat es einige Überraschungen zu bieten.

Legt man beispielsweise ein HTC One neben das Moto X, dann mag man es nicht glauben, aber beide Smartphones haben tatsächlich die gleich große Bildschirmdiagonale, wie bereits erwähnt 4,7 Zoll. Erst ein direktes Aneinanderhalten konnte uns restlos davon überzeugen.

Eine anfangs etwas skeptische Grundhaltung gegenüber dem noch unter Google-Ägide bei Motorola entwickeltem Moto X rührte auch daher, dass es bereits im Sommer 2013 in den USA auf den Markt gekommen ist und somit technisch schon nicht mehr auf dem allerneusten Stand sein kann. Sogar der kleine Bruder, das Moto G, glänzt bereits mit einem Quadcore-Prozessor, während das G sich noch mit einem Zweikern-Herz zufrieden geben muss.

Bei einem Preis von 349 Euro für das 16-GB-Modell kommt unweigerlich die Frage auf, warum sollte man sich da nicht für das gleiche Geld das Nexus 5 von Google kaufen, welches derzeit noch in der Top-Riege der Smartphones mitspielt? Die Frage ist berechtigt, aber das Moto X hat auch einige Argumente auf seiner Seite.

Aussehen und Verarbeitung

In Deutschland gibt es derzeit nur die Variante in Schwarz oder weiß. Wir hatten das weiße Modell als Testgerät. Das sieht von vorn nicht wirklich spektakulär aus, wie ein weißes Smartphone eben so aussieht. Die Rückseite ist da schon sehenswerter.

Zum einen ist sie leicht gewölbt, somit liegt das Gerät gut in der Hand. Dazu trägt auch die kleine runde Vertiefung auf der Rückseite bei, in der das M-Logo von Motorola prangt. Legt man den Zeigefinger dort hinein, hat man zumindest das Gefühl, das Gerät besser unter Kontrolle zu haben.

Ansonsten ist die Rückseite nicht nur weiß, sondern mit einem Muster überzogen, dessen 3D-Anmutung die eigentlich glatte Oberfläche strukturiert aussehen lässt.

Die Verarbeitung des Moto X ist gut, nichts knarzt oder wackelt. Das liegt sicherlich auch daran, dass sich der Deckel nicht abnehmen und somit der Akku auch nicht auswechseln lässt. Die einzigen beweglichen Teile sind rechts an der Seite die Power- und Lautstärketasten, die einen ordentlichen Druckpunkt aufweisen und auf der anderen Seite der herausnehmbare Einschub für die SIM-Karte.

Hier wartete das Moto X mit einer kleinen Überraschung auf, es verlangt nämlich nach einer bislang noch recht unüblichen Nano-SIM-Karte.

Der Lautsprecher macht ordentlich Lärm, bewegt sich bei der Soundqualität auf dem üblichen Smartphone-Level.

Software

Dass das Moto X noch unter der kurzen Google-Ägide bei Motorola entstanden ist, sieht man direkt. Es gibt keine herstellerspezifische Oberfläche, sondern ein fast nacktes Android. Das hat den unbestreitbaren Vorteil schneller Updates. So läuft auf dem Moto X bereits die aktuelle Android-Version 4.4.2 KitKat. Etwas aufpeppen lässt sich das Gerät beispielsweise mit dem bislang eigentlich nur für Nexus-Geräte vorgesehene Google Now Launcher (Download der APK hier).

Etwas unterscheiden will man sich dann offenbar doch von einer reinen Android-Variante. Und so hat Motorola noch ein paar eigene Apps auf das Gerät gespielt. "Motorola Migrieren" etwa hilft dabei, Inhalte und Kontakte von einem anderen Android-Gerät oder auch einem iPhone auf das Moto X zu übertragen.

Die App "Assist" ist wirklich toll. Ruft man sie auf, hat man drei Punkte zur Auswahl: "Autofahren", "Besprechung" und "Nachtruhe". Hat man beispielsweise unter "Autofahren" den Punkt "Sprich mit mir" aktiviert, erkennt das Moto X sehr zuverlässig, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Bekommt man einen Anruf, spricht das Handy über den Lautsprecher zu einem, nennt den Anrufernamen und fragt, ob man das Gespräch annehmen oder anlehnen möchte. Nimmt man an, wird direkt die Freisprechfunktion aktiviert.

Lehnt man ab, drückt das Gerät den Anrufer weg und fragt nach, ob man dem Anrufer eine SMS schicken möchte. Diese kann einfach frei gesprochen werden, das Moto X erkennt den Text sehr zuverlässig. Nachdem man die SMS erneut vorgelesen bekommen und sein Okay gegeben hat, wird sie abgeschickt. Das klappt alles überraschend gut und ist sehr komfortabel.

Nicht ganz so gut gefällt die Option "Besprechung". Ist dort "Stummschalten" aktiviert, durchsucht das Gerät den Google-Kalender nach eingetragenen Terminen und schaltet das Handy dann stumm. Das war allerdings auch der Fall, als sich der Tester auf einer im Kalender notierten Party befand. Da ist ein stumm geschaltetes Handy eher suboptimal.

Unter "Nachtruhe" lässt sich ein Zeitraum definieren, in dem das Telefon leise gestellt wird.

Ein "Okay Google Now" weckt - sofern aktiviert - das Gerät direkt aus dem Schlaf und es wartet auf weitere Sprachbefehle. Das kann die Frage nach dem Wetter sein, der Befehl, die Navigation nach XY zu starten oder auch eine bestimmte Website aufzurufen.

Die Erkennung läuft in der Regel gut, doch gab es auch einen lustigen Ausrutscher. Die siebenjährige Tochter des Testers, begeistert von einem Handy, mit dem man sprechen kann, legte gleich los: "Zeig mir das süßeste Kuscheltier das du jeh gesehen hast!"

Okay, eine solche Anfrage hätte wahrscheinlich sogar Apples Siri überfordert, aber was Google Now dabei verstanden haben will, konnte man dann auf dem Schirm lesen: "Zeig mir deine Titten." Ergebnis: Die Eltern und die großen Brüder brechen in Lachen aus, die Tochter versteht nix und guckt leicht irritiert.

Display

Das Display ist mit seiner Größe von 4,7 Zoll durchaus zeitgemäß, allerdings löst es nur in HD auf. Für das Top-Gerät einer Marke eigentlich zu wenig, in der Preisklasse aber noch okay. Zumal man sagen muss, es ist ein tolles Display.

Schön hell, die Farben leuchten und auch aus extremen Betrachtungswinkel ist noch alles auf dem Bildschirm zu erkennen. In der gleißenden Sonne rührt die eingeschränkte Ablesbarkeit weniger von der Leuchtkraft des Diplays her, sondern eher daher, dass es sehr stark spiegelt.

Nett ist die Active-Display-Funktion. Damit werden auf dem ausgeschalteten Display Informationen wie beispielsweise Uhrzeit und Benachrichtigungen einzelner Apps angezeigt. Ist etwa eine neue E-Mail angekommen, geht das Display in regelmäßigen Abständen kurz an, zeigt die Uhrzeit und die Benachrichtigung.

Da viele das Smartphone als Armbanduhr-Ersatz nutzen, leuchtet das Display mit der aktuellen Zeit auch kurz auf, wenn man das Gerät ein wenig bewegt. Das ist sehr praktisch und sogar Strom sparend: Die Active-Display-Anzeige erscheint weiß auf schwarz. Schwarze Pixel benötigen bei einem AMOLED-Display keinen Strom, somit ist es akkuschonender, als jedes mal das Display anzuschalten.

Prozessor und Speicher

Eine Besonderheit ist der Prozessor an Bord des Moto X. Den eigentlich Antrieb des Telefons übernimmt der Snapdragon S4Pro, ein Dualcore-Prozessor mit 1,7 Gigahertz. Ihm zur Seite stehen allerdings sechs weitere Rechenkerne. Vier davon sind für die Grafik zuständig. Zwei Extra-Chips übernehmen zum einen die Sprachsteuerung und zum anderen die sogenannte Context-Awareness. Die erkennt beispielsweise, ob man gerade Auto fährt oder sich das Handy in der Hosentasche befindet.

Beim Arbeitsspeicher hat sich Motorola mit zwei Gigabyte sehr spendabel gezeigt, damit liegt das Gerät auf einem Level mit Topgeräten von Sony, Samsung oder HTC. Etwas knauserig war man dagegen beim internen Speicher, hier gibt es nur die Variante mit 16 Gigabyte. Davon sind auch nur 11,88 GB verfügbar, das kann schnell knapp werden.

Einen Schlitz für eine speichererweiternde SD-Karte sucht man leider vergebens. Immerhin spendiert Google für zwei Jahre 50 Gigabyte auf seinem Online-Speicher Drive.

Kamera

Die Rückkamera löst mit zehn Megapixeln, die Frontkamera mit 2,1 auf. Das Besondere an der Hauptkamera ist die Größe der Pixeldichte, die über der des Samsung Galaxy S4 aber unterhalb der Ultrapixel von HTC liegt. Damit lassen sich auch bei schlechteren Lichtverhältnissen besser Ergebnisse erzielen.

Aber wie bei so ziemlich allen Handykameras geht die Qualität mit abnehmenden Licht auch hier sehr schnell nach unten. Ist das Licht gut, sind es auch die Fotos.

Ein tolles Feature der Kamera ist das sogenannte "Quick Capture": Schüttelt man das Gerät zweimal schnell um die Längsachse, startet sofort die Kamera, auch wenn sich das Handy im Stand-by befindet. Das ist äußerst praktisch für schnelle Schnappschüsse.

Empfang

Beim Empfang gab es keine Probleme. Sei es im UMTS- oder LTE-Netz oder in einem WLAN, die Verbindungen waren stets stabil. Telefonieren kann man mit solch einem Gerät ja auch. Zwischen Sprecher und dem Angerufenen gab es keinerlei Verständigungsprobleme - zumindest keine, die auf das Gerät zurückzuführen wären.

Akku

Der Lithium-Polymer-Akku verfügt mit 2200 mAh über ordentliche Leistungsreserven. Einen normalen Tag hält das Gerät durch, mehr aber auch nicht. Das kleinere Moto G geht mit seinem 2070 mAh großen Akku schonender um, geht am Abend noch mit einigen Reserven aus dem Tag.

Fazit

Müsste man sich in der Preisklasse um 350 Euro für ein Smartphone entscheiden, das Moto X sollte auf jeden Fall in die engere Wahl genommen werden. Klar, mit dem Nexus 5 bekommt man das modernere Smartphone, aber all die netten Features, die man beim Moto X entdecken kann, wachsen einem ans Herz. Das Active Display oder das Quick Capture sind im Alltag sehr praktische Funktionen. Wer viel Auto fährt, wird auch die Assist-App zu schätzen lernen.

Nicht so schön sind der fehlende SD-Kartenslot, der festverbaute Akku und es ist kein FM-Radio an Bord. Aber das sind Mängel, mit denen man leben kann.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das Motorola Moto X im Test

(csr)