Kopfhörer im Test: Google Pixel Buds - der Assistent im Ohr

Kopfhörer im Test: Google Pixel Buds - der Assistent im Ohr

Google hat mit den Pixel Buds erstmals eigene Kopfhörer auf den Markt gebracht. Damit hat man den Google Assistenten permanent am Ohr. Wie sie sitzen und klingen und was es mit der vielbeachteten Live-Übersetzungsfunktion auf sich hat, zeigt unser Test.

Geliefert werden die Pixel Buds in einem kleinen weißen Karton. Darin befinden sich neben den Ohrhörern eine Aufbewahrungsbox, eine kurze Anleitung und ein USB-C-Ladekabel.

Auch wenn das Lesen einer Bedienungsanleitung nicht zu unseren bevorzugten Tätigkeiten bei neuen Geräten gehört, hier wäre es von Vorteil gewesen. Denn man sollte die Buds nicht direkt aus der Box nehmen, sich in die Ohren stecken und auf Verbindung zum Smartphone hoffen. Nein.

Zuerst sollen die In-Ear-Hörer nämlich in der mit einer Ladefunktion ausgestatteten Box für zehn Minuten geladen werden. Klappt man dann die Box auf — so steht es in der Anleitung — und hat Bluetooth an seinem Smartphone aktiviert, werden die Buds per "Fast Pair"-Funktion mit dem Gerät gekoppelt.

Soweit die Theorie. In der Praxis hat das mit unseren Pixel 2 XL leider nicht so ganz funktioniert. Erst nach Drücken eines schwarzen Knopfes in der Box ließen sich Handy und Hörer verbinden. Seitdem klappt die Verbindungsaufnahme aber problemlos: Sobald man die Buds aus der Box nimmt, steht die Verbindung augenblicklich.

Es gibt aber noch weitere Probleme. Möchte man die Verbindung trennen - um etwa ganz normal mit dem Smartphone zu telefonieren - müssen die Google-Hörer in der Box verstaut werden. Hin und wieder klappte das im Test mit der Trennung aber nicht und es musste erst die Bluetooth-Funktion am Smartphone deaktiviert werden. Mittlerweile tritt dieser Fall kaum noch auf, möglicherweise hängt das mit dem Software-Update für die Buds zusammen, das Google inzwischen verteilt hat.

Die Pixel Buds sind keine klassischen In-Ear-Hörer, die man sich mit weichen Pfropfen in den Gehörgang schiebt. Vielmehr hängen sie - ähnlich den AirPods von Apple - in der Ohrmuschel. Bei den AirPods haben viele Träger das Problem, dass die Hörer nicht richtig im Ohr halten. Google versucht das Problem mit einem Schlaufensystem zu umgehen.

Rechter und linker Hörer sind mit einem Band verbunden. So kann man sie sich bei Nichtbenutzung einfach um den Hals hängen. Einen Teil des Bandes kann auf beiden Seiten durch den Ohrhörer geschoben werden und bildet dann oberhalb eine Schlaufe. Die liegt beim Tragen in der Ohrmuschel und hält die Hörer tatsächlich gut am Platz. Sie sind uns im Test nicht einmal heraus gefallen, nicht beim Rad fahren, nicht beim Laufen.

Etwas aufwändiger als das Einlegen ins Ohr ist das Zurücklegen in die Box. Google hat dort extra einen kleinen Aufkleber angebracht, der das System erklärt: Die Hörer-Teile in die Mulden legen, dann das Band einmal im Uhrzeigersinn um die Box wickeln und die letzte Schlaufe zwischen den Hörern zurück in die Box führen. Nach etwas Übung beherrscht man das blind.

Im Ohr sitzen die Buds trotz ihres etwas klobigen Aussehen sehr komfortabel. Weil sie nicht bis in den Gehörgang reichen, bekommt man von seiner Umgebung fast alles mit. Das ist wohl so gewollt, denn Google möchte den Träger dazu verleiten, die Buds permanent im Ohr zu lassen, um immer Verbindung zum Assistenten aufnehmen zu können.

Bedient werden die Buds über eine Touchfläche auf dem rechten Hörerteil. Wischen verändert die Lautstärke, kurzes Tippen startet oder stoppt die Musikwiedergabe und nimmt Anrufe an, bei einem Doppel-Tippen liest der Google Assistent die neuesten Benachrichtigungen vor. Ein längeres Drücken startet den Assistenten oder beendet Anrufe. Schade: Vor- und Zurückspringen in der Playlist ist nicht möglich.

Der Klang der Pixel Buds ist gut, Bässe und Höhen kommen ordentlich rüber. Mit den AirPods von Apple können sie problemlos mithalten. Was die AirPods besser machen: Sie stoppen die Musik, sobald man sie aus den Ohren nimmt, die Buds spielen munter weiter.

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Kommt eine neue Benachrichtigung auf dem Smartphone an, wird man über die Buds darüber informiert, ein Doppel-Tippen und man bekommt die Meldung vorgelesen. Bei einer WhatsApp-Nachricht oder einer SMS kann dann auch direkt geantwortet werden. Das klappte im Test alles sehr gut.

Möchte man etwas vom Assistenten wissen, legt man seinen Finger auf das Touchfeld und die Verbindung steht sofort ohne die geringste Verzögerung. Das macht die Bedienung sehr komfortabel.

Das Feature, über das während der Präsentation und danach am meisten geredet wurde, ist die Live-Übersetzungsfunktion, die Buds quasi als Babelfisch im Ohr. So spektakulär, wie es auf den ersten Blick erscheint, ist die Funktion nicht. Sie ist im Prinzip seit längerem auf jedem Smartphone mit der Google-Übersetzer-App vorhanden.

Nach der Aufforderung "Hilf mir, Spanisch zu sprechen", sagt man einen Satz in seiner Muttersprache und die spanische Übersetzung erschallt dann aus dem Smartphone-Lautsprecher. Die Übersetzung der spanischen Antwort seines Gegenübers hört man dann in den Ohrhörern. Das Ergebnis ist dasselbe, wie es seit Jahre vom Google Übersetzer bekannt ist: Man kann damit problemlos etwas zu Essen bestellen oder nach dem Weg fragen. Von einer tiefgreifenden Unterhaltung sollte man besser absehen.

Der verbaute Akku in den Pixel Buds hat bei unserem Test im Alltagsgebrauch je nach Anwendung zwischen vier und fünf Stunden durchgehalten. Die Ladebox lädt die Hörer mit ihrem eingebauten Akku noch vier- bis fünfmal.

Die kleine Box ist mit einem grauen Stoff ummantelt. Sie erinnern etwas an eine Mini-Ausgabe des Google-Home-Mini-Lautsprechers. Optisch gibt sie mehr her, als etwa die als Verpackung für Zahnseide geschmähte Dose der Apple AirPods. Doch ist letztere deutlich stabiler und passt besser in die Hosentasche. Ob der etwas labile Deckel an der Google-Box lange hält, muss die Zeit zeigen.

Mit 179 Euro sind die Pixel Buds genauso teuer wie die Apple AirPods und somit nicht günstig. Sie liefern einen guten Klang, haben in den Ohren unseres Testers gut gehalten und waren bequem zu tragen. An die Fummelei mit der Kordel gewöhnt man sich recht schnell.

Gefallen hat uns die gute Integration des Google Assistenten, der eingehende Benachrichtigungen direkt vorliest und für Fragen per Fingertipp, blitzschnell zu erreichen ist. Überzeugend ist auch die gute Sprachqualität bei Telefonaten.

Dass die Buds die Musik nicht stoppen, wenn man sie aus dem Ohr nimmt und dass man über das Touchfeld nicht zum nächsten oder vorherigen Titel springen kann, sind klare Minuspunkte. Ob sich die Funktionen per Software-Update nachrüsten lassen, wissen wir nicht. Letztere vielleicht ja, für den Musikstopp fehlt möglicherweise ein entsprechender Sensor.

Die Übersetzungsfunktion ist unserer Meinung nach eher ein netter PR-Gag, da sie ja nichts wirklich Neues ist.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Google Pixel Buds - Ohrhörer mit direktem Draht zum Assistenten

(csr)