Google Pixel 3 XL im Test - Smartphone ab 2. November 2018 verfügbar

Neues Modell im Test: Google Pixel 3 XL - das Software-Smartphone

Mit der Pixel-Reihe tut es Google seit ein paar Jahren Apple gleich und bietet Spitzenhardware und sehr gute Software aus einer Hand an. Google setzt den Fokus dabei allerdings eindeutig auf die Software und baut das Smartphone drum herum. Wie jetzt das neue Pixel 3 XL, das wir getestet haben.

Auf die technischen Details der neuen nahezu baugleichen Google-Smartphones Pixel 3 und Pixel 3 XL verzichtete der Suchmaschinenriese bei der Präsentation in New York fast vollständig. Zu Recht, handelt es sich dabei doch um Standardware. Herausstechen kann man damit gegenüber der Top-Konkurrenz nicht.

Trotzdem sei die Hardware schnell erwähnt:

  • Qualcomm Snapdragon 845 mit acht Kernen und 4 GB Arbeitsspeicher
  • Akku mit einer Kapazität von 3430 mAh (Pixel 3: 2915 mAh)
  • 12,2-MP-Hauptkamera mit einer f/1,8-Blende und einem Blickwinkel von 76 Grad
  • zwei Frontkameras mit jeweils 8 MP Auflösung, einer f/1,8-Blende sowie einem Blickwinkel von 75 Grad; zusätzlich eine Gruppenselfie-Weitwinkel-Funktion mit einer f/2,2-Blende und einem Blockwinkel von 97 Grad
  • das Display beim Pixel 3 XL ist 6,3 Zoll groß und löst mit QHD+ (2960 x 1440 Pixel) auf, das des Pixel 3 misst 5,5 Zoll und löst in FHD+ (2160 x 1080 Pixel) auf
  • der Hauptspeicher ist wahlweise 64 oder 128 GB groß

Beim Display des Pixel 3 XL hat Google ganze Arbeit geleistet: Eine brillante Darstellung, tolle Farben und vor allem ist der beim Vorgänger Pixel 2 XL beobachtete Blaustich des Bildschirms verschwunden.

Unerwähnt bleiben darf natürlich nicht: die große Einkerbung am oberen Rand des Displays, der sogenannte Notch. Was wurde im Vorfeld für ein Geschrei darum gemacht, mittlerweile hört man kaum mehr etwas davon. Gut, die Displaylücke, in der sich die Doppel-Frontkamera und einer der Stereolautsprecher verbergen, ist wirklich groß, aber schon kurz nach Inbetriebnahme des Smartphones nimmt man sie nicht mehr wahr. Alles halb so wild. Und wer sich tatsächlich davon gestört fühlt, kann sie auf Wunsch ausblenden.

Google selbst legt den Fokus vor allem auf die Kameras. Die geben zwar auf dem Papier nicht allzu viel her, mausern sich aber mit der ausgeklügelten Google-Software zu wahren Meistern ihres Fachs. Dafür hat auch die Vorgängergeneration bereits viel Lob eingeheimst.

Apples iPhone XS hat zwei Objektive, das P20 von Huawei drei, das Galaxy A9 von Samsung sogar vier. Google bleibt seiner Linie treu und verbaut lediglich eine einfache Hauptkamera. Um aus den Aufnahmen dennoch Top-Bilder zu machen, müssen Googles Algorithmen ran. Diese berechnen auch ohne mehrfache Optik zusätzlich Bildinhalte und passende Lichtverhältnisse.

Das funktioniert, indem die Pixel-Kamera nicht nur ein, sondern direkt mehrere, unterschiedlich belichtete Bilder aufnimmt. Daraus entsteht dann das beeindruckende Ergebnis. Wer schnell genug ist, kann den Algorithmen quasi bei der Arbeit zuschauen: Tippt man direkt nach der Aufnahme auf das kleine Vorschaubild, bekommt man eine Aufnahme von mäßiger Qualität angezeigt. Sekundenbruchteile später verändert sich das Bild, die Schärfe wird korrigiert, die Belichtung angepasst und prompt sieht man das gute Ergebnis auf dem Display.

Fotos bei normalen Lichtverhältnissen fabriziert das Pixel 3 XL in bestechender Qualität, spielt dabei in einer Liga mit den bereits genannten Konkurrenten wie iPhone XS und Huawei P20 oder auch dem Samsung Galaxy Note 9. Selbst bei schlechten Lichtverhältnissen produziert das Google-Handy noch ganz ordentliche Fotos. Da haben die Mitbewerber bereits jetzt Probleme, mitzuhalten.

Laut Google soll sich die Qualität dieser Dunkel-Aufnahmen in Kürze noch einmal deutlich verbessern: Voraussichtlich im November soll die Funktion “Night Sight” per Update aktiviert werden. Erste Beispielbilder, die bereits im Netz aufgetaucht sind, sehen beeindruckend aus. Wir werden das Feature nach der Veröffentlichung testen und dann berichten.

  • Event „Made by Google“ zeigt neue Hardware : Pixel 3 und Pixel Slate - was Google am 9. Oktober zeigen wird

Nicht ganz so prickelnd ist die Funktion “Top Shot”. Die schießt bei jeder Aufnahme eine ganze Serie von Bildern, sodass man sich danach die beste heraussuchen kann. So lassen sich verwackelte Aufnahmen, blinzelnde Menschen oder die um eine halbe Sekunde verpasste, lustige Szene vermeiden. Die Künstliche Intelligenz (KI) sucht automatisch die beste Aufnahme heraus, bietet aber zeitlich davor und danach insgesamt rund 20 Fotos an.

Das klappt auch ganz ordentlich, doch leider werden die Fotos nur in deutlich geringerer Auflösung gespeichert. Die möglicherweise verunglückte Originalaufnahme steht in voller Auflösung zur Verfügung, die aus der Reihe alternativ gewählte Aufnahme in 1920 x 1080 Pixel (etwa 3 MP), die übrigen Bilder nur in 1280 x 720 Pixel. Immerhin ließe sich das von Google per Update verbessern. Um “Top Shot” zu nutzen, muss die Funktion “Motion” auf “automatisch” oder “an” stehen.

Eine weitere Kamerafunktion nennt sich “Super Res Zoom”. Dabei handelt es sich um einen verbesserten, digitalen Zoom. Hier nutzt Google Anleihen aus der Software-Verarbeitung von Satellitenbildern. Durch die leichten Handbewegungen während und kurz vor dem Auslösen entstehen Aufnahmen mit minimal unterschiedlicher Ausrichtung auf das Objektiv. Daraus fabriziert die Software dann verbesserte Zoom-Aufnahmen auch ohne zweites Objektiv.

Das klappt im Test auch tatsächlich. Die herangezoomten Bilder sind im direkten Vergleich mit Aufnahmen des Pixel 2 deutlich besser. Für einen Schnappschuss ist das ausreichend, als wirklich gut kann man das Ergebnis aber noch immer nicht bezeichnen. Es ist aber ein interessanter Ansatz.

Wie schon beim Vorgänger ist der Porträtmodus mit unscharfem Hintergrund hervorragend. Hier leistet die KI ganze Arbeit. Besonders beeindruckend ist, wie genau die Software einzelne Haare der Porträtierten erkennt und gegen den Hintergrund abhebt. Probleme gibt es hier noch, wenn angrenzende Farben im Vorder- und Hintergrund zu ähnlich sind.

Im Gegensatz zur Hauptkamera spendiert Google der Frontkamera beim Pixel 3 zwei Objektive. Damit passen beim Gruppenselfie auch ohne Stick mehr Leute aufs Bild. Und auch hier kommt eine Softwarefunktion zum Einsatz: Sie beseitigt die Verzerrungen, die sonst bei Weitwinkel-Objektiven auftauchen. Der Fotobox-Modus löst automatisch aus, wenn man lächelt oder eine Grimasse schneidet - nicht wirklich neu, aber manchmal hilfreich.

Last but not least kommt die Kombination von künstlicher Intelligenz und Fotografie auch beim Pixel 3 bei der Funktion Google Lens zum Einsatz. Damit können mit einem Fingertipp Visitenkarten, Web-Adressen oder Telefonnummern einscannen und weiterverarbeiten werden. Lens kann aber auch Pflanzen oder Tiere identifizieren oder nach ähnlichen Produkten im Web suchen.

Etwas schwach sind die Pixel 3 beim Thema Speicherplatz. Intern stehen nur 64 oder 128 GB zur Verfügung. Verglichen mit den möglichen (und sehr teuren) 512 GB beim iPhone XS Max erscheint das sehr kleinlich. Jedoch können Pixel-3-Besitzer bis zum 1. Februar 2022 sämtliche Fotos und Videos kostenlos in voller Auflösung via Google Fotos in der Cloud sichern. Das entlastet den Gerätespeicher deutlich. Bei unserem 64-GB-Pixel-2-Testgerät, für welches das gleiche Angebot bis 2021 besteht, hatten wir jedenfalls nie Probleme mit einem vollen Speicher.

Akzente setzt das Pixel 3 beim Thema Datensicherheit. Erstmals gibt es in einem Google-Smartphone einen speziellen Sicherheitschip namens Titan M. In diesem werden die sensibelsten Daten abgelegt, wodurch das Hacken des Smartphones erheblich erschwert wird. Vorreiter bei dem Konzept war Apple: Der Konzern aus Cupertino hatten bereits 2013 mit dem iPhone 5s die sogenannte Secure Enclave eingeführt.

Die Rückseite des Pixel 3 zeigt sich wieder in der bekannten Zweiteilung: oben glänzend, darunter matt. Erstmals jedoch besteht der Rücken komplett aus Glas. Der matte Bereich liegt sehr gut in der Hand und nimmt tatsächlich keine Fingerabdrücke an. Zudem ermöglicht die Glasrückseite erstmals bei einem Google-Smartphone auch drahtloses Laden. Legt man zusätzlich zum Pixel 3 noch für 79 Euro den sogenannten Pixel Stand in den Einkaufskorb, erhält man nicht nur eine Station zum schnurlosen Aufladen. Der Stand verwandelt das Smartphone auf Wunsch in einen digitalen Bilderrahmen oder einen smarten Tageslichtwecker, der den Besitzer 15 Minuten vor der eingestellten Zeit mit einem simulierten Sonnenaufgang sanft in den Tag führt.

Wieder mit an Bord ist die automatische Musikerkennung, die permanent lauscht und Titel direkt auf dem Sperrbildschirm anzeigt und zusätzlich in einer Liste ablegt. Die neueste Funktion des Google Assistenten ist die sprechende Software Duplex. Diese bucht etwa eigenständig per Anruf einen Friseurtermin oder reserviert einen Tisch im Restaurant - sie bleibt jedoch zunächst US-Nutzern des Pixel 3 vorbehalten.

Fazit: Das Google Pixel 3 XL spielt problemlos in der Liga der Top-Smartphones mit. Was es besonders macht, ist der Ansatz, weniger auf üppige Hardwareausstattung zu setzen, sondern viele der Funktionen über Googles intelligente Software zu realisieren. Gerade beim Thema Fotografieren scheint das die Zukunft zu sein, da vonseiten der Hardware die Grenzen langsam erreicht zu sein scheinen. (Einen interessanten Artikel dazu lesen Sie hier [engl.]).

Charmanter Nebeneffekt: Software lässt sich einfach updaten und mit neuen Funktionen versehen, bei Hardware funktioniert das beim Smartphone naturgemäß nicht. Und Google verspricht einige der neuen Fotofunktionen auch für das Pixel 2, teils sogar für das Ur-Pixel, zu verteilen.

Einzig der Akkustand schien im Test etwas schneller dem Ende entgegenzustreben, als das beim Vorgänger der Fall war. Da jedoch die Funktion “Intelligenter Akku” eine Zeit benötigt, um die Nutzergewohnheiten kennenzulernen, könnte hier noch Besserung eintreten.

Das Pixel 3 ist in Deutschland vom 2. November an in drei Farben zu haben, die Google “Just Black”, “Clearly White” und “Not Pink” nennt, eine Art ohrläppchenrosa. Das Google Pixel 3 und das größere 3 XL kosten 849 beziehungsweise 949 Euro (mit 64 GB), mit 128 GB sind es 949 und 1049 Euro. Sicherheits- und Funktionsupdates sollen Pixel-3-Nutzer bis mindestens Oktober 2021 bekommen. Ein Tipp für Sparfüchse: Der Vorgänger Pixel 2 (hier unser Test) wird mittlerweile für unter 600 Euro gehandelt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Google Pixel 3 XL - das neue Smartphone-Modell im Test

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