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Smartwatch im Alltagstest: Apple Watch Series 6 - lohnt der Umstieg?

Smartwatch im Alltagstest : Apple Watch Series 6 - lohnt der Umstieg?

Zwei neue Watch-Modelle hat Apple in diesem Jahr vorgestellt, die bis zu 808 Euro teure Series 6 und das deutlich günstigere Model Watch SE, zu haben bereits für unter 300 Euro. Lohnt der Umstieg vom Vorgängermodell Series 5 oder der Series 4? Unser Test zeigt es.

Eins gleich vorweg: Wirklich bahnbrechend sind die Neuerungen nicht, mit denen Apple sein neues Topmodell ausgestattet hat. Doch ist das Update schon etwas umfangreicher als noch im Vorjahr, als es eigentlich nur ein neues Display gab. Das hatte aber immerhin die unschlagbar tolle Eigenschaft, permanent eingeschaltet zu sein.

Auf den ersten Blick lassen sich die beiden neuen Modelle und das aus dem Vorjahr am Handgelenk dann auch nur schwer auseinanderhalten. Die günstigere Watch SE fällt dann aber doch auf, weil sich ihr Display leider noch immer deaktiviert.

250 Prozent heller soll die Anzeiger des neuen Topmodells im passiven Modus gegenüber der Series 5 sein, sagt Apple. Kann gut sein, im Alltag fällt das nicht so sehr ins Auge. Was der Kenner aber bemerken könnte: Es gibt ein paar neue Farben, das Aluminiumgehäuse kommt nun auch in Rot und Blau daher.

Um eine weitere Neuerung sehen zu können, muss man die Uhr vom Handgelenk nehmen und umdrehen. Dort sitzen jetzt neue Sensoren und vier LED-Einheiten. Der sogenannte SpO2-Sensor kann den Anteil von roten Blutkörperchen erkennen, die für den Sauerstofftransport zuständig sind. Damit misst die Apple Watch die Sauerstoffsättigung im Blut des Nutzers. Der ermittelte Wert spielt etwa bei chronischen Lungenerkrankungen, Asthma oder beim Schlafapnoe-Syndrom eine Rolle, auch bei der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19.

Normale Pulsoxymeter ermitteln diesen SpO2-Wert an der Fingerkuppe oder am Ohrläppchen, die neue Apple Watch nimmt die Messung am Handgelenk vor - wie Smartwatches anderer Hersteller übrigens auch. Das Verfahren nutzt den Umstand, dass Blut je nach Zustand verschiedene Färbungen zeigt: Gesättigtes, mit Sauerstoff beladenes Hämoglobin ist hellrot und absorbiert vor allem rotes Licht. Ungesättigtes Hämoglobin erscheint dunkelrot bis bläulich und nimmt vor allem Licht im infraroten Bereich auf.

Die Stelle am Handgelenk scheint dafür zumindest nicht optimal zu sein. Im Test gab es immer mal wieder Fehlmessungen. Immerhin waren die bei uns gemessenen Werte mit realistischen Ergebnissen - zwischen 95 und 98 Prozent Sauerstoffsättigung - nahezu identisch mit denen einer anderen Smartwatch. Apple weist auch ausdrücklich daraufhin, dass es sich hierbei um ein reines Fitness- und Wellness-Feature handelt. Man solle vom Wert nicht auf seine Gesundheit schließen. Das hat gewiss auch damit zu tun, dass die Uhr unter viel strengere rechtliche Rahmenbedingungen fallen würde, wenn Apple sie als Medizingerät verkaufen würde.

Man muss für die Blutsauerstoffmessung nicht unbedingt eine eigene App starten - wie etwa für das Ein-Kanal-EKG -, sondern kann die Werte auch im Hintergrund erfassen lassen, etwa in der Nacht zur Schlafanalyse. Anders als etwa die Scanwatch von Withings, erkennt die Apple Watch bislang jedoch keine nächtlichen Atemaussetzer. Somit kann etwa keine Schlafapnoe diagnostiziert werden. Diese Funktion soll bei Withings noch in diesem Jahr nachgereicht werden.

Apple hat in die neue Watch einen verbesserten Höhenmesser eingebaut. Der läuft nun ständig im Hintergrund und ist deutlich präziser. Laut Apple können schon kleine Höhenänderungen in Echtzeit angezeigt werden. Das ließ sich im Test einfach überprüfen: Einfach in die Hocke gehen und danach hinstellen und die Arme nach oben strecken - klappt. Mit den so ermittelten Höhenmetern können nicht nur Berg- oder Radsportler ihr Training besser planen. Auch Alltagsaktivitäten etwa beim Treppensteigen lassen sich so besser vermessen.

Sogar die Corona-Pandemie hat eine Spur in Form eines durchaus nützlichen Gimmicks in der Uhr hinterlassen. So erkennt die Apple Watch an den Bewegungen und am Geräusch, wenn man sich die Hände wäscht und startet prompt einen 20-Sekunden-Countdown. Zudem kann man sich über den Ortungsdienst ans Händewaschen erinnern lassen, wenn man nach Hause kommt.

Natürlich hat die Apple Series 6 einen besseren Hauptprozessor als der Vorgänger. Nun werkelt der S6 in der Uhr und der soll 20 Prozent schneller sein. Wieder so eine Prozentangabe, die sich im Alltag nur schwer überprüfen lässt. Auch soll der neue Prozessor weniger stromhungrig sein, als der Vorgänger. Die Unterschiede zur Series 5 waren im Test jedoch allenfalls marginal. Sie könnten mit künftigen WatchOS-Versionen allerdings größer werden.

Im Zusammenspiel mit dem integrierten U1-Chip ermöglicht der Prozessor der Apple Watch, erstmals im 5-GHz-WLAN zu funken. Dafür fehlen zwar bislang noch passende Anwendungen, die Uhr ist aber für die Zukunft gewappnet.

Kleiner Tipp zum Schluss: Wer die Uhr nachts trägt und sich von ihr morgen wecken lässt, sollte den Alarm nicht in der Wecker-, sondern in der Schlaf-App stellen. Der ist nämlich deutlich cooler.

Fazit:

Mit der Watch Series 6 präsentiert Apple eine verbesserte Version eines schon zuvor ausgereiften Produktes. Das Display ist heller, die Uhr kann den Blutsauerstoff messen und hat einen besseren Höhenmesser.

Damit fallen die Unterschiede zur Series 5 jedoch nicht so gravierend aus, dass man jetzt umsteigen müsste. Selbst Besitzer einer Series 4 sollten sich einen Neukauf gut überlegen. Viele neue Funktionen und Verbesserungen kommen eben auch über die Software - und da werden die Vorgänger ja noch versorgt. Für iPhone-Besitzer, die bislang noch keine Apple Watch haben, ist die Serie 6 aber ein guter und vor allem zukunftssicherer Kauf.

Preise starten bei 418 und 291 Euro

Die Apple Watch Series 6 ist mit dem 40-Millimeter-Aluminiumgehäuse ab 418 Euro zu haben, die größere 44-Millimeter-Version kostet 447 Euro - etwas weniger als die Apple Watch 5 vor einem Jahr. Der Aufpreis für die Mobilfunk-Option (LTE) macht knapp 100 Euro aus. Teurer ist eine Apple Watch 6 mit gold- oder silberfarbenem Edelstahlgehäuse und einem aufwendigen Leder- oder Milanaisearmband für 759 beziehungsweise 808 Euro.

Wer weniger Geld ausgeben möchte, hat die Wahl zwischen der neuen Apple Watch SE und der älteren Apple Watch Series 3, die weiter im Angebot ist. Die SE ist ab 291 Euro zu haben. Es gibt sie aber nicht im Edelstahlgehäuse. Auch die Gesundheitssensoren (EKG und Blutsauerstoff) und das Always-on-Display fehlen. Immerhin hat sie den neuen U1-Chip und ist damit besser für die Zukunft gerüstet als die Series 3, die ab 213 Euro kostet.

Schnäppchenjäger können auch Ausschau nach dem Vorjahresmodell Series 5 halten, das zwar bei Apple selbst nicht mehr zu haben ist, aber noch von vielen Händlern zu ähnlichen Preisen wie die SE angeboten wird. Die Series 5 verfügt bereits über den Always-on-Modus, der für viele Anwender einen größeren Unterschied machen wird als eine Blutsauerstoff-Messung. Die Stunde der Apple Watch SE wird eher dann schlagen, wenn sich ihr Preis in Richtung 200 Euro bewegt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist die Apple Watch Series 6