Mobilfunkmesse in Barcelona Das Smartphone befreit sich von den Apps

Düsseldorf/Barcelona · Zwei Trends im Handymarkt: Smartphones werden günstiger. Und KI revolutioniert die Geräte. Die Telekom stellt ein Smartphone als Prototyp vor, bei dem die KI alle wichtigen Infos zusammenstellt. Ein Edelgerät von Sonor zeigt, was möglich ist.

Barcelona​: Ein kleiner Rundgang auf der Handymesse MWC
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Die spannendsten Neuheiten auf dem MWC

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Foto: AFP/PAU BARRENA

Wohin entwickelt sich der Handymarkt? Zur aktuellen Mobilfunkmesse in Barcelona hat der deutsche Branchenverband Bitkom eine Prognose erstellt: Dieses Jahr werden in Deutschland knapp 22 Millionen Smartphones abgesetzt, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Weil gute Geräte günstiger werden, sinkt der durchschnittliche Preis laut Voraussage von 567 Euro pro Stück auf 523 Euro. Darunter sind zwar viele iPhones für mehr als 1000 Euro, aber auch immer mehr Geräte für nur 250 oder 300 Euro wie vom chinesischen Anbieter Xiaomi, die ebenfalls Top-Qualität liefern.

„Günstige Einsteigermodelle gewinnen Marktanteile hinzu“, sagt Markus Haas, Vorstandschef von Telefonica Deutschland, dem nach Kundenzahl wichtigsten Mobilfunker der Republik. Insgesamt würden die Verbraucher aber weiterhin oft viele hundert Euro für ein Smartphone ausgeben, „um sicherzugehen, dass sie länger etwas von ihren Geräten haben“.

Wohin die Reise bei den Endgeräten geht, zeigt sich in den Messehallen der katalanischen Hauptstadt. Die Künstliche Intelligenz (KI) macht die Nutzung vieler Smartphones noch einfacher. Beim neuen Topmodell des chinesischen Anbieters Honors Magic 6 Pro können die Nutzer auf dem Bildschirm ein Foto oder einen Textausschnitt markieren, danach macht das Betriebssystem automatisch Vorschläge, welche installierte App weitere Infos geben kann. Google-Maps könnte so direkt die Route zu einer Adresse zeigen, Ebay den Preis für ein Produkt. Billig ist der Spaß nicht: Das Gerät kostet rund 1300 Euro.

 Jerry Yue, Chef des KI-Firma Brain.ai entwickelte das neue Telekom-Handy gemeinsam mit dem Konzern.

Jerry Yue, Chef des KI-Firma Brain.ai entwickelte das neue Telekom-Handy gemeinsam mit dem Konzern.

Foto: dpa/Wolf von Dewitz

Einen Schritt weiter will die Telekom gehen. Sie präsentierte mit Partnern ein weiterentwickeltes Modell der relativ günstigen T-Phone-Smartphones, bei dem per Sprachsteuerung praktisch alle relevanten Befehle eingegeben werden. Die Nutzer der maximal 250 Euro teuren Geräte sollen gar nicht mehr mitbekommen, welche App konkret genutzt wird oder ob ein digitaler Assistent alle Aufgaben übernimmt.

Zwei Wege sind denkbar: Bei einem Modell soll die KI-Rechenleistung aus der Cloud mobil aufgerufen werden – das würde das Gerät günstiger machen und den Akku schonen. Bei einem anderen Modell würde ein so hochwertiger Qualcomm-Chip eingebaut, dass die entscheidenden Infos innerhalb des Gerätes verarbeitet würden.

Claudia Nemat, Technikvorstand der Telekom, geht davon aus, dass Smartphones auf breiter Front mit KI aufgerüstet werden: „Kommende Spitzenmodelle werden selbstredend Funktionen bieten, die auf Künstlicher Intelligenz basieren.“ Bei der Eigenentwicklung gehe es aber darum, den Massenmarkt zu erschließen: „Jeder und jede soll etwas davon haben. Ein Concierge für die Hosentasche auf unseren T-Phones zum Beispiel.“ Das Gerät könne dann auf einen Befehl hin, so erklärt die Telekom, „den Bus zum Flughafen heraussuchen, einen Anschlussflug finden, das Shuttle zum Hotel und ein Zimmer mit Meerblick buchen“.

Auch Vodafone sieht den Trend, dass die Nutzung von Apps dank KI stärker integriert wird in Smartphones. „Wir glauben, dass Smartphone-Hersteller und App-Anbieter ihre Anwendungen zunächst so anpassen werden, dass der Datenaustausch mit anderen Apps und Betriebssystemen über KI-Funktionen leichter und besser funktioniert“, sagte Marcel de Groot, für Privatkunden zuständiger Geschäftsführer von Vodafone. Eine komplette Steuerung von Apps durch KI sei aber noch Zukunftsmusik.

Vodafone stellte in Barcelona eine neue Virtual-Reality-Brillle als Prototyp vor, die viel weniger klobig ist als bisherige Modelle. Der Clou: Die Rechen- und Übertragungstechnik wird in einen Mini-Computer ausgelagert, der per 5G-Technik mit dem Headset und mit dem Internet verbunden ist. Nutzer können die VR-Brille nutzen, um sich beispielsweise bei Fitness-Übungen zu Hause von einem virtuellen Trainer anleiten zu lassen.

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