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Apple Keynote 2020: iPhone 12 ist nicht das spannendste Produkt

Apple stellt neue Produkte vor : Das Spannendste an der iPhone-Präsentation war nicht das iPhone

Apple hat am Dienstagabend sein neues Smartphone vorgestellt. Erstmals kann man mit dem iPhone im superschnellen 5G-Netz surfen. Doch mindestens genauso wichtig dürfte für das Unternehmen eine andere Entscheidung gewesen sein.

Im Zeitalter der Digitalisierung werden sich Smartphone und Auto immer ähnlicher – zumindest in Bezug auf die Verkaufsstrategie. Beim Autokauf gilt schon seit Jahren, dass zwischen Wunsch und Wirklichkeit in der Regel zwei Buchstaben liegen: ab. Ein Neuwagen ist in der Regel ab einem gewissen Preis erhältlich, wird dann aber am Ende meistens teurer, weil immer mehr Sonderausstattung eingeplant wird, vom teuren Entertainment-System bis zu neuen Fußmatten. Der hohe Gesamtpreis lenkt dabei von den teilweise ebenfalls horrenden anderen Preisen ab.

Genau wie bei Apple. Wer häufig mehr als 1000 Euro für ein Smartphone ausgibt (wenn er ein Modell mit ausreichend Speicherplatz haben möchte), der kauft dann auch noch schnell ein paar kabellose Airpod-Kopfhörer hinzu, eine Hülle für das Smartphone oder einen Adapter, weil die iPhone-Anschlüsse leider doch nicht so gut zum Windows-PC passen.

Insofern war bei der Vorstellung der neuen Apple-Produkte am Dienstagabend in Cupertino weniger interessant, was Apple alles zum neuen iPhone zu berichten hatte – sondern wie es die Welt um das Gerät herum anreichern würde.

Denn das Geschäft mit Kopfhörern, Apple Watch und Co. gehörte in den vergangenen Jahren zu den größten Wachstumstreibern. Allein mit den Produkten in dieser Kategorie macht Apple mehr Umsatz als der gesamte Düsseldorfer Henkel-Konzern mit seiner gesamten Produktpalette. In diesem Jahr dürfte das Geschäftsfeld erstmals wichtiger sein als das Geschäft mit den iPads und den Mac-Notebooks und -Computern.

Kein Wunder, bei der Präsentation am Dienstag stellte Apple Handyhüllen mit einem Magnetsystem vor, die mehr als 50 Euro kosten sollten. Das magnetische Ladegerät, mit dem das Laden des Smartphones deutlich schneller und komfortabler gehen soll, kostet mehr als 40 Euro, ein kleines anheftbares Lederetui für Kreditkarten und Co. sogar mehr als 60 Euro. Die Kopfhörer Airpods kosten mit kabellosem Ladekästchen bereits mehr als 200 Euro. Kurzum: Neben dem Kauf eines iPhones dürften in Zukunft noch mehr Zusatzkosten für Ausrüstung anfallen.

Für Kunden heißt das: Sie sollten sich genau überlegen, ob sie jedes dieser Produkte wirklich brauchen – oder ob es nicht auch eine günstigere Variante von einem Drittanbieter wie Belkin gibt.

Im Fokus der Präsentation stand natürlich das neue iPhone 12. Mit diesem leitet Apple das 5G-Zeitalter ein – zumindest schon mal rhetorisch. Denn für viele Nutzer dürfte sich erstmal gar nicht so viel ändern. In Deutschland bauen speziell Telekom und Vodafone mit selten gekannter Geschwindigkeit ein 5G-Netz auf, doch Apple selbst wies mehrmals in seiner Präsentation darauf hin, dass sie superschnellen Geschwindigkeiten nur bei idealen Bedingungen erreicht werden. Und die gibt es eben nicht nur in den USA, sondern auch hier bislang nicht überall. Gleichzeitig ist auch das Angebot an Anwendungen, für die 5G benötigt wird, noch überschaubar.

Viel praktischer im Alltag dürfte daher für Apple-Kunden zunächst eine andere Neuerung sein: das iPhone bekommt ein noch stabileres Display, das bei Stürzen deutlich bruchsicherer sein soll als bei seinen Vorgängern. Für viele dürfte das am Ende deutlich wichtiger sein als manch anderer technischer Schnickschnack.