Smarte Uhr im Test Google Pixel Watch - ist die Smartwatch ihr Geld wert?

Düsseldorf · Mit Wear OS hat Google seit Jahren ein Betriebssystem für Smartwatches. Das Feld für die Uhren hat man bislang anderen überlassen, Samsung oder Fossil etwa. Mit der Pixel Watch ist jetzt endlich die erste Google-Uhr auf dem Markt. Was sie leistet, zeigt unser Test.

  Anprobe sinnvoll: Im Vergleich zu anderen Smartwatches kann die Pixel Watch je nach Handgelenk relativ zierlich erscheinen.

Anprobe sinnvoll: Im Vergleich zu anderen Smartwatches kann die Pixel Watch je nach Handgelenk relativ zierlich erscheinen.

Foto: Bernd Diekjobst/dpa-tmn/Bernd Diekjobst

Die Geschichte beginnt 2014. Damals brachte nicht nur Apple seine erste Watch auf den Markt, Google stellte eine erste Version seines Betriebssystems für Smartwatches vor. Was heute Wear OS heißt, erblickte damals unter dem Namen Android Wear das Licht der Welt.

Mit einer eigenen Uhr hat sich Google seitdem zurückgehalten, obwohl Fans in all den Jahren immer wieder darauf gehofft haben. Andere Hersteller versuchten ihr Glück: von Asus über Fossil und HTC bis hin zu Samsung oder Huawei. Den Siegeszug der Apple Watch konnte aber niemand stoppen.

Jetzt ist es endlich so weit. Seit Anfang Oktober ist die allererste Google Pixel Watch zu haben. Wir haben sie im Alltag getestet.

Aussehen Schon als die ersten konkreten Bilder im Netz auftauchten, bildeten sich zwei Lager. Bei der klassisch runden Form der Pixel Watch mit ihrem gewölbten Uhrenglas denken die einen an die elegante Bauhaus-Armbanduhr, die der Schweizer Designer Max Bill ab 1961 für Junghans entworfen hat. Die anderen bezeichen die Pixel Watch als langweilig, gerade weil sie so sehr nach herkömmlicher Armbanduhr aussieht.

Die Einrichtung der Pixel Watch funktioniert problemlos - besondern mit einem Google Pixel.

Die Einrichtung der Pixel Watch funktioniert problemlos - besondern mit einem Google Pixel.

Foto: dpa-tmn/Google

Für ein eigenes Urteil ist es ratsam, sich nicht allein auf Fotos zu verlassen, sondern die Pixel Watch beim Händler einmal in die Hand zu nehmen. Denn tatsächlich hinterlässt sie dann einen recht eleganten und hochwertigen Eindruck.

Ein durchaus berechtigter Kritikpunkt ist die Größe der Uhr, denn sie kommt ziemlich zierlich daher und ist nur in einer Version mit 41 Millimetern Durchmesser zu haben. Beim mit eher dünnen Armen ausgestatteten Tester sieht das okay aus, hat man aber ein kräftiges Handgelenk, ist das Format schnell zu klein.

Der runde Bildschirm hat einen Nachteil gegenüber einem rechteckigen Display wie bei der Apple Watch. Längere Nachrichten lassen sich deutlich schlechter lesen. Und eine virtuelle Tastatur hat auf dem Rund so wenig Platz, dass man Schwierigkeiten hat, mit dem Finger den richtigen Buchstaben zu treffen. Die hervorragende Sprachbedienung der Uhr kann das gut kaschieren.

Viel Kritik musste die Pixel Watch auch einstecken, weil sie über einen verhältnismäßig dicken schwarzen Rand verfügt. Das lässt für das nutzbare Display nur noch 1,6 Zoll übrig. Tatsächlich fällt der Rand im alltäglichen Gebrauch jedoch kaum auf, ganz einfach, weil die von Google zur Verfügung gestellten digitalen Zifferblätter fast alle einen dunklen Hintergrund haben. Zudem spart dieser auch noch Akku-Power.

 Fit werden und bleiben: Die Uhr bietet zahlreiche Fitnessoptionen. Manche zusätzlichen Programme sind kostenpflichtig.

Fit werden und bleiben: Die Uhr bietet zahlreiche Fitnessoptionen. Manche zusätzlichen Programme sind kostenpflichtig.

Foto: Bernd Diekjobst/dpa-tmn/Bernd Diekjobst

Das AMOLED-Display ist mit 1000 Nits zwar nicht ganz so hell, wie das der aktuellen Apple Watch, aber auch im Sonnenlicht lassen die Inhalte auf der Uhr gut erkennen. Das gewölbte Rund-um-Display ist leider gefährdet, bei einem Stoß leicht Schaden zu nehmen. Immerhin gibt es mittlerweile Kunststoffprotektoren, die sich dem Design der Uhr überraschend gut anpassen und gar nicht allzu störend wirken.

Zifferblätter Google bietet für die Pixel Watch Zifferblätter in 20 Kategorien an, innerhalb dieser gibt es nochmals verschiedene Varianten, die sich wiederum individuell anpassen lassen. Besonders gelungen fanden wir die Zifferblätter „Konzentrisch“, „Formen“ und „Pilot Bold“.

So lässt sich beispielsweise zwischen arabischen Ziffern, römischen Ziffern oder unbeschrifteten Strichen auswählen. Außerdem kann man festlegen, was jede der bis zu vier Komplikationen anzeigt, etwa das aktuelle Wetter, die absolvierte Schrittzahl oder den Batteriestand der Uhr. Außerdem kann man die Akzentfarbe jedes Zifferblatts den eigenen Vorlieben anpassen. Dabei gibt es jedoch noch den einen oder anderen Bug, so wird etwa eine bestimmte Komplikation für die Schrittzahl zwar in der Vorschau in der Handy-App, nicht aber auf der Uhr angezeigt.

Bedienung Die Metall-Krone der Uhr dient als Scrollrad und Home-Taste. Beim Durchrollen der Menüs gibt sie ein ganz leichtes, aber durchaus angenehmes haptisches Feedback. Außerdem kann mit einem doppelten Drücker Google Pay aufgerufen werden, um etwa an der Supermarktkasse bezahlen zu können. Unverständlich: Die Verwendung von Paypal wird in der Google Wallet auf Smartwatches nicht unterstützt, obwohl das auf Android-Smartphones gut funktioniert. Es muss also eine Kredit- oder Debitkarte hinterlegt sein.

Trainingspartner am Handgelenk: Die Uhr soll ihre Trägerinnen und Träger bei vielen Sportarten unterstützen.

Trainingspartner am Handgelenk: Die Uhr soll ihre Trägerinnen und Träger bei vielen Sportarten unterstützen.

Foto: Bernd Diekjobst/dpa-tmn/Bernd Diekjobst

Über der Krone befindet sich zusätzlich eine Hardware-Taste, mit der man sich die zuletzt verwendeten Apps aufs Display holen kann. Ein langes Drücken ruft den Google Assistant auf den Plan. Das Bedienkonzept ist stimmig und funktioniert im Alltag gut.

Antrieb Wie der breite Rand, sorgte auch der verbaute Systemchip im Innern der Pixel Watch im Vorfeld für Spott. Handelt es sich doch um einen ziemlich betagten Prozessor von Samsung, den Exynos 9110. Der wurde bereits vor vier Jahren vorgestellt und kam schon in der ersten Generation der Samsung Galaxy Watch 2018 zum Einsatz. Mit aktuellen Systemchips kann er nicht mithalten.

Doch hat Google hier in die Trickkiste gegriffen. Der Oldie bekam einen Coprozessor (Cortex M33) zur Seite gestellt, der ihm mächtig auf die Sprünge hilft. Das Ergebnis ist verblüffend. Alles läuft schnell und flüssig, nichts hakt oder stockt. Zur guten Performance dürften auch die zwei Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher beitragen. Üppige 32 GB Massenspeicher stehen für Apps, Musik und Daten bereit.

Akku „Bis zu 24 Stunden“ soll der Akku laut Google durchhalten. Eine solche Aussage bedeutet in der Regel, dass man diesen Wert vermutlich niemals erreichen wird. Im Test hielt der Kraftspender jedoch regelmäßig mehr als 24 Stunden durch - unter folgenden Voraussetzungen: zwei bis drei Fitnessmessungen, zahlreiche Benachrichtigungen (besonders während der WM!), ein bis zwei Bezahlvorgänge und mehrere Fragen an den Assistenten, die Funktion „Zum Aktivieren neigen“ war deaktiviert, nachts wurde der Schlafzeitmodus aktiviert. Insgesamt also keine Einschränkungen, die den Spaß an der Uhr deutlich mindern würden.

 Gewölbtes Glas und klassisch runde Form: Manche fühlen sich bei der Pixel Watch an den Junghans-Klassiker nach dem Design von Max Bill erinnert.

Gewölbtes Glas und klassisch runde Form: Manche fühlen sich bei der Pixel Watch an den Junghans-Klassiker nach dem Design von Max Bill erinnert.

Foto: Silas Stein/dpa/dpa-tmn/Silas Stein

Fitnessfunktionen In die Pixel Watch sind etliche Funktionen der Tracker und Smartwatches des Fitness-Spezialisten Fitbit - im vergangenem Jahr von Google gekauft - eingeflossen. Mit dem Fitbit-Know-how kann Google aus dem Stand 40 Trainingstypen und Sportarten unterstützen. Im Vergleichstest mit einer Fitbit-Smartwatch wurden allerdings nicht die gleichen Trainingsresultate angezeigt.

Die Pixel Watch wies den Kalorienverbrauch um rund 30 Prozent höher aus als die Sense 2 von Fitbit. Sportarten wie Aerobic, Crossfit oder Laufen müssen von Hand gestartet werden, damit das Tracking präzise erfolgt. Beim Joggen waren dann aber auch die Pixel Watch und die Sense 2 einer Meinung über die zurückgelegte Strecke.

Die Pixel Watch wird mit einem sechsmonatigen Fitbit-Premium-Abo geliefert, das kostet danach neun Euro im Monat oder 80 Euro im Jahr. Dafür erhält man zusätzlich unter anderen eine Schlafberatung und geführte Trainingsprogramme. Man kann sich aber auch einen Tagesform-Index berechnen und erweiterte Stressanalysen vornehmen lassen. Das ähnelt Apples Fitness-Plus-Programm, das ebenfalls 80 Euro im Jahr kostet. Allerdings versteckt Apple bei seinen Uhren nicht so viele Gesundheitsanalysen hinter einer Bezahlschranke wie Google.

Die wählbaren digitalen Zifferblätter haben fast alle einen dunklen Hintergrund. Das spart Strom und kaschiert den schwarzen Bildschirmrand.

Die wählbaren digitalen Zifferblätter haben fast alle einen dunklen Hintergrund. Das spart Strom und kaschiert den schwarzen Bildschirmrand.

Foto: Bernd Diekjobst/dpa-tmn/Bernd Diekjobst

Lästig und auch etwas verwirrend ist bei der Pixel Watch, dass Fitness-Freunde mit zwei Accounts hantieren müssen. Zum Einrichten der Uhr braucht man einen Google-Account. Um die Uhr auch umfangreich beim Sport nutzen zu können, ist dann noch der separate Fitbit-Account und die Installation einer weiteren App notwendig.

Fazit Für ein sogenanntes First-Generation-Produkt hinterlässt die Pixel Watch einen wirklich guten Eindruck. Das Display ist hell und reagiert flott, Gesundheitsdaten wie die Herzfrequenzmessung werden präzise erfasst. Mit den Fitbit-Funktionen werden viele Sportarten unterstützt und eine präzise Schlafanalyse ermöglicht, auch wenn hier das Ergebnis vorhersehbar ist: Früh ins Bett gehen und lange schlafen ist gut.

Beim Design gehen die Geschmäcker auseinander: Wer eine Smartwatch sucht, die nicht auf den ersten Blick nach Smartwatch aussieht, erhält mit der Pixel Watch einen eleganten Zeitmesser. Für die zweite Generation der Pixel Watch sollte Google zusätzlich eine XL-Version ins Angebot aufnehmen.

Die Art und Weise wie die Armbänder an der Uhr befestigt werden, ist etwas fummelig, besonders wenn man nicht durch täglichen Wechsel etwas Übung bekommt. Dafür bilden Armband und Uhr aber eine sehr schöne, nahtlose Einheit.

Beim Preis ist Google nicht zimperlich. Die Version mit Bluetooth und WLAN kostet 379 Euro, mit zusätzlicher Mobilfunk-Option landet man bei 429 Euro, Kampfpreise sind das nicht. Während Smartwatches von Fitbit auch mit Apples iPhones zusammenspielen, bedient die Pixel Watch ausschließlich das Android-Lager (ab Version 8).

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort