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Apple Pay vs. Paypal - Kampf der Bezahlsysteme

Zahlen per Smartphone : Apple Pay vs. Paypal - Kampf der Bezahlsysteme

Ideen, Pläne und Visionen zu mobilen Bezahlsystemen gab es in diesem Jahrtausend schon einige. Durchsetzen konnte sich keins. Jetzt kommt Apple Pay und plötzlich sind alle aus dem Häuschen. Wieder einmal könne es dem Apfel-Konzern gelingen, eine Technik zu etablieren. Konkurrent Paypal bläst zu Gegenangriff. In Deutschland.

Mit dem Update seines mobilen Betriebssystems iOS auf Version 8.1 hat Apple sein Bezahlsystem scharf gestellt, zumindest in den USA. Paypal will dem nicht tatenlos zuschauen und startet eine Offensive. Direkt aufeinander treffen werden die Dienste erst einmal nicht, da Paypal sich Deutschland als Testgebiet ausgesucht hat.

Das ist erstaunlich, gelten doch gerade hierzulande alternative Zahlungsformen als sehr schwierig zu etablieren. Die Deutschen vertrauen noch immer dem Bargeld oder ihrer EC-Karte.

Wie dem auch sei, ab sofort können Paypal-User - zunächst nur in Berlin - mit ihrem Smartphone in Geschäften, Restaurants und an Snackautomaten bezahlen. Bislang machen erst rund einhundert Geschäfte mit bei dem neuen Bezahldienst. Das ist natürlich viel zu wenig, um einem solchen System zum Durchbruch zu verhelfen.

 PayPal hat ein System entwickelt, mit dem Kunden über ihr Smartphone automatisch in Läden erkannt werden können und dann über ihr Telefon auch bezahlen können.
PayPal hat ein System entwickelt, mit dem Kunden über ihr Smartphone automatisch in Läden erkannt werden können und dann über ihr Telefon auch bezahlen können. Foto: dpa, tba pil kde

An zu wenig Teilnehmern auf Seiten der Geschäfte sind schon andere Bezahldienste gescheitert, sogar Google musst mit seinem Dienst Wallet de facto die Segel streichen. Weil man das Problem bei Paypal natürlich kennt, will man den Händlerstamm so schnell wie möglich ausbauen, möglichst die großen Ketten davon überzeugen.

An der neuen Paypal-App dürfte das Konzept nicht scheitern, die scheint sehr einfach gehalten zu sein. Der Kunde loggt sich ein, sieht dann Geschäfte in seinem Umkreis, in denen er mit Paypal bezahlen kann. Hat er ein Geschäft gewählt ("Check-In"), verbindet sich das Smartphone mit der Kasse des Händlers. Der kann ihm die Rechnung stellen, der Kunde bestätigt die Zahlung, fertig.

Allerdings hat die App bereits seit Jahren eine Schwachstelle: Hat man bei Paypal das Sicherheitsfeature doppelte Authentifizierung aktiviert (zusätzlich zum Passwort muss noch ein per SMS zugeschickter Code eingegeben werden), ist die Nutzung der App nicht möglich.

Die Unterschiede zwischen Apple Pay und Paypal liegen vor allem auf Händlerseite: Bei Papypal müssen sie 1,9 Prozent der Rechnungssumme plus eine Transaktionsgebühr von 35 Cent zahlen. Zusätzlich können für den Händler monatliche Fixkosten für die genutzte Kassensoftware entstehen.

Apple Pay dagegen basiert auf von Banken ausgegeben Kreditkarten (die sich in den USA einer extrem Verbreitung erfreuen).

Zahlt ein Kunde mit Apple Pay, so überweist der Händler wie bisher einen festen Prozentsatz (meist zwischen drei und fünf Prozent) des Rechnungsbetrages an die ausgebende Bank. Und hier kommt Apple ins Spiel, zwackt 0,15 Prozent Umsatzbeteiligung ab. Unterm Strich dürfte also das Paypal-System für den Händler die günstigere Variante sein.

Zwei weitere Pluspunkte kann die die Ebay-Tochter verbuchen, die bald an die Börse gebracht werden soll: Man ist seit dem Jahr 2000 am Markt, hat bereits über 150 Millionen Nutzerkonten. Außerdem ist die notwendige App für sämtlich Smartphones verfügbar, egal, ob diese mit Android, Windows oder auch Apples iOS laufen.

Für Apple spricht, dass man in den USA bereits große Händler wie McDonald's, Subway, die Kaufhauskette Macy's, Texaco, Nike, Toys 'r' Us, Disney oder Bloomingdale's an Bord hat, dazu rund 500 Banken.

Welches System sich am Ende durchsetzt, bleibt abzuwarten, vielleicht werden auch mehrere nebeneinander existieren können. Immerhin stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich das Bezahlen per Smartphone nun endlich am Markt etabliert. Und das dürfte sich Apple als Erfolg auf die Fahne schreiben.

(csr)