Fernsehen: Sex & Crime im Kirchenstaat

Fernsehen : Sex & Crime im Kirchenstaat

Düsseldorf (RPO). Es fließt viel Blut, es fließt viel Wein. Schauplätze des Sechsteilers "Borgia", der an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit spielt, sind nicht nur Kirchenschiffe und Kapellen, sondern auch vielerlei Betten. Am Montag um 20.15 Uhr läuft die erste Folge der aufwändigen Produktion. Etwas später am Abend wäre sie besser im Programm aufgehoben.

Es gibt auch lustige Szenen in diesem langen, meist finsteren Werk. Eine versteckt sich am Ende des ersten der sechs Teile. Federnden Schrittes kommt ein junger, fest zur Heirat entschlossener junger Edelmann die Treppenstufen eines römischen Palastes herab. Er trägt eine dunkle Playmobilmännchen-Frisur. Ist das nicht Jogi Löw? Tritt der Fußball-Bundestrainer etwa in die Fußstapfen des großen Tatort-Darstellers Berti Vogts ("Gib dem Kaninchen eine Möhre extra")? Erst beim zweiten Hinsehen erkennt man: Nein, schade, es ist doch nicht der Jogi. Ein Schauspieler namens Maetj Strapnicky und nicht der Bundestrainer verkörpert Don Gaspar von Procida. Aber den muss man sich angesichts des ständigen Kommens und Gehens junger Männer gar nicht merken.

Die Serie um den Aufstieg der Familie Borgia im Rom des späten 15. Jahrhunderts ist mit rund 25 Millionen Euro eine der teuersten europäischen Fernsehproduktionen, das ZDF hat sich mit vier Millionen beteiligt. Gewalt und sexuelle Ausschweifungen, die damals zum Alltag gehört haben soll, werden in "Borgia" nicht ausgespart.

Ganz im Gegenteil. Sie werden genüsslich inszeniert und haben wohl auch dafür gesorgt, dass das Werk in Italien und Frankreich auf stolze Zuschauerzahlen kam. Regelmäßig gibt's nackte Haut zu sehen. Der sterbende Papst Innozenz VIII. wird von einer Amme gesäugt. Cesare Borgio, einer der Hauptdarsteller, geißelt sich mit einer neunschwänzigen Katze. Es fließt viel Blut. Es fließt viel Wein. So hat man den Vatikan noch nicht gesehen.

Um 20.15 Uhr laufen die sechs Folgen im ZDF. In dieser und der kommenden Woche jeweils montags, mittwochs und freitags. Ganz jugendfrei ist der Sechsteiler trotz angeblicher Entschärfungen bei der Schlussbearbeitung immer noch nicht. Und es hat schon seinen guten Grund, warum "Borgia" im Österreichischen Fernsehen erst nach 22 Uhr lief.

"Es gibt Neid und Ehrgeiz und Mordlust"

Dem Zuschauer "eröffnet sich ein riesiges Spektakel", kündigt Andrea Sawatzki an, die in der Rolle einer Hausdame zu erleben ist, "es gibt wahnsinnige Liebesgeschichten, es gibt Neid und Ehrgeiz und Mordlust, Hass, Geiz, Verschwendungssucht, Krankheiten, Verfall, Tod, Geburt."

Der an historische Begebenheiten angelehnte Plot des Historienspektakels zeigt das Rom des späten 15.Jahrhunderts als Sündenpfuhl: der aus Spanien stammende Kardinal Rodrigo Borgia — verkörpert vom britischen Schauspieler-Spätstarter John Doman — hat sich zum Ziel gesetzt, mittels geschickter politischer Winkelzüge die Spitze der katholischen Kirche zu erklimmen. Nachdem sein ältester Sohn unerwartet stirbt, sammelt Rodrigo seine illegitimen Kinder Juan (Stanley Weber), Cesare (Mark Ryder) und Lucrezia (Isolda Dychauk) um sich, um gemeinsam mit ihnen seine Pläne zu verwirklichen. Dazu ist notwendig, das Vertrauen der einflussreichen römischen Familien Colonna und Orsini zu gewinnen. Auf Rodrigos Geheiß hin nehmen sich Juan und Cesare der Aufgabe an — und buhlen gleichzeitig um die Gunst des Vaters, der als Alexander VI. den Heiligen Stuhl besteigt.

Es heißt, Mario Puzo habe sich die Borgias als Vorbild für seinen Mafia-Roman "Der Pate" genommen. Im Fernsehen hat diese schreckliche und ganz und gar nicht nette spanisch-italienische Familie gerade Hochkonjunktur. Die US-Serie "The Borgias — Sex. Macht. Mord. Amen." mit Jeremy Irons in der Hauptrolle ist in Deutschland ab 9. November auf ProSieben zu sehen.

In den ersten beiden Teilen der europäischen Produktion führte der Deutsche Oliver Hirschbiegel Regie. Gedreht wurde vor allem in Prager Studios, in denen unter anderem die Sixtinische Kapelle und der Petersplatz nachgebaut wurde.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Szenen aus dem Sechsteiler "Borgia"

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