Mord zum Sonntag: Schlechter Durchschnitt

Mord zum Sonntag : Schlechter Durchschnitt

Düsseldorf (RPO). Am Bodensee geht ein Serientäter um. "Von mir aus", denkt sich da der Zuschauer, "hoffentlich trifft er auf den Richtigen".

Ein bisschen erinnert der Bodensee-Tatort ja an Agatha Christie. Aber leider fehlt ihm dieses schrullige, liebenswerte der alten Miss-Marple-Verfilmungen. Außerdem ist er natürlich nicht witzig, und am schlimmsten wird es, wenn er vorgibt, witzig zu sein. Wie an diesem Sonntag. "Das schwarze Haus" ist ein vielversprechender Name für einen Krimi. Hat so was Geheimnisvolles, und wenn es zudem noch um einen Serienkiller geht, wünscht man sich schon ein bisschen Grusel. Nur ist diese Killer halt zu einfach gestrickt. Wie alles in diesem Tatort.

Es geht also um eine Künstlerkolonie am Bodensee, in der sich bizarre Morde ereignen. Jemand wird mit Strom getötet, ein anderer wiederum fliegt vom angesägten Hochsitz auf eine Egge. Immer aber tötet der Bösewicht nach der Vorlage eines heimischen Krimi-Autoren, wie die Kommissarin herausfindet. Ach, Eva Mattes! Wie sehr wünscht man sich bessere Drehbücher für diese wundervolle Schauspielerin, doch stattdessen stapft sie auch diesmal wieder von Ort zu Ort, fragt dies und das, und nach 90 Minuten zaubert sich beinahe von selbst ein Täter hervor. Aufhübschen sollen den Krimi ein paar biedere Kalauer und Running Gags, die selbst dem Tatort aus Münster wohl zu uncool gewesen wären. Doch ist es wirklich so schlimm?

Nein, "Das schwarze Haus" ist Durchschnittsware des Sonntagabends, man kann den Film sehen oder nicht, man vergisst ihn spätestens nach den Tagesthemen. Früher hätte man einen Haken dahinter gemacht, doch heute, wo ambitionierte neue Kommissare ermitteln, wo der Polizeiruf immer mal wieder dem großen Tatort vormacht, wie es auch geht, und Skandinavier zeigen, wie europäischer Krimi gehen kann, fällt ein solcher Film in die Kategorie "ärgerlich". Weil hier niemand nichts lernt. Und gleichzeitig so weit davon weg ist, ein Klassiker zu sein.

"Tatort — das schwarze Haus", Sonntag 20.15 Uhr, ARD