Kolumne Total digital Ketchup-Momente beim Taxifahren

Meinung · Technologische Revolutionen haben oft einen langen Vorlauf, bevor sie sich dann scheinbar über Nacht ereignen. In den USA sind fahrerlose Wagen unterwegs. Bald wird das auch bei uns so sein.

 Das Robotaxi von Waymo und Zeekr fährt autonom (Symbolbild).

Das Robotaxi von Waymo und Zeekr fährt autonom (Symbolbild).

Foto: dpa-tmn/Geely Auto Group

Technologische Revolutionen haben oft einen langen Vorlauf, bevor sie sich dann scheinbar über Nacht ereignen. „Ketchup-Momente“ nennt das John Maeda, Chefdesigner und KI-Experte von Microsoft: Vergeblich schüttelt man die Flasche, nichts passiert. Und plötzlich kommt alles auf einmal. Ein solcher Moment blüht uns bald auf der Straße. Wie lange wurde schon angekündigt, dass unsere Autos bald allein fahren, ohne dass ein Mensch hinter dem Steuerrad sitzen muss! In den USA ist diese Vision jetzt – über Nacht – Realität geworden. Kalifornien hat den beiden Ride-Sharing-Unternehmen Waymo (Google) und Cruise (General Motors) grünes Licht gegeben, ab sofort zahlende Fahrgäste in fahrerlosen Taxis zu befördern.

Zunächst nur in San Francisco. Dort war der Start problematisch; unter anderem stieß ein Taxi mit einem Feuerwehrfahrzeug zusammen. Bald sollen dennoch weitere US-Großstädte folgen. Weltweit haben Dutzende Anbieter auf diesen Tag gewartet. Allein die Google-Tochter Waymo möchte in den nächsten Jahren rund 100.000 Fahrzeuge auf die Straße bringen – nicht nur in den USA. Auch bei uns in Deutschland wird es nicht mehr lange dauern, bis die ersten Robotaxis den Betrieb aufnehmen. Die Intel-Tochter Mobileye hat vor Kurzem die Tüv-Zulassung erhalten. Wie in San Francisco sollen in einer Pilotphase zunächst noch Sicherheitsfahrer mit an Bord sein, bevor die Fahrzeuge im Regelbetrieb dann irgendwann völlig autonom fahren dürfen.

Schlechte Nachrichten für die aktuell rund 250.000 Taxifahrer in Deutschland. Sie werden sich schon bald einen neuen Job suchen müssen. Denn die Daten lügen nicht: Die computergesteuerte Konkurrenz fährt nicht nur günstiger, sondern inzwischen auch zuverlässiger als der Mensch. Ein weiterer Grund, weshalb ich den beigen Taxis keine Träne nachweine: keine unhöflichen und rüpelhaften Fahrer mehr! Auch ohne Roboter war das Taxigewerbe in Deutschland schon lange kaputt. Genauso wie die EC-Kartenleser, jedes Mal wenn ich bei der „Servicegesellschaft Taxi Deutschland“ ohne Bargeld zahlen möchte.

Unser Autor ist Blogger und Digitalexperte. Er wechselt sich hier mit der Start-up-Gründerin Felicia Kufferath ab.

(gjr)
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