Gerät im Test Pixel Tablet - liefert Google ein gutes Tablet-Comeback?

Düsseldorf · Die Älteren unter den Lesern werden sich erinnern, Google hatte bereits einmal Tablets im Angebot. Doch bei Nexus 7 und dem Slate ging Google schnell die Luft aus. Nun nimmt man mit dem Pixel Tablet einen neuen Anlauf. Wird der von Erfolg gekrönt sein?

 Bunte Welt: Die standardmäßig eingestellten Farben erscheinen kräftig. Wer das nicht mag, kann es aber in den Einstellungen abändern.

Bunte Welt: Die standardmäßig eingestellten Farben erscheinen kräftig. Wer das nicht mag, kann es aber in den Einstellungen abändern.

Foto: Bernd Diekjobst/dpa-tmn/Bernd Diekjobst

Google hatte in der Vergangenheit keine glückliche Hand mit Tablets. Dabei fing vor elf Jahren alles sehr vielversprechend an. Das Tablet Nexus 7 erzielte als preiswerte Alternative zum iPad von Apple zumindest einen Achtungserfolg. Der Nexus-Nachfolger Pixel Slate fiel jedoch bei den Kunden durch. Danach zog sich Google aus dem Tablet-Markt zurück - vorerst.

Denn nun hat sich der US-Konzern mit einem Tablet namens - wie könnte es anders ein - Pixel zurückgemeldet. Es handelt sich um ein Android-Gerät, das mit einer magnetischen Ladestation ausgeliefert wird. Das Dock versorgt das Tablet nicht nur mit Strom, sondern verwandelt es auf Wunsch auch in ein smartes Display. Mit dem Dock kann man dem Tablet in der Wohnung einen festen Platz zuordnen und es von dort immer frisch geladen an sich nehmen.

Ohne das mitgelieferte Dock sieht das Pixel wie ein ganz normales Tablet aus. Es wird in den Farben Porcelain (Weiß) und Hazel (Grüngrau) angeboten. Die Namen der Farben klingen zierlich, dabei ist das Gehäuse sehr robust. Es besteht vollständig aus Aluminium und ist mit einer Nano-Keramik überzogen, die dem Gerät eine leicht strukturierte Haptik verleiht. Damit ist es sehr kratzunempfindlich. Und man sieht auf der Oberfläche auch keine Fingerabdrücke.

Gewöhnungsbedürftig: ein Schalter in der Versenkung

Entsperrt wird das Pixel Tablet mit einem leicht versenkten Fingerabdrucksensor, der an der Längsseite angebracht ist und auch als Ein-Aus-Schalter dient. Diese Anordnung hat den Vorteil, dass man ihn nicht mit dem benachbarten Wippschalter für die Lautstärke verwechselt. Der Nachteil: Er ist erst nach einer Gewöhnungsphase zu finden und vor allem auf Anhieb richtig zu treffen. Immerhin blendet Google am Displayrand einen blinken Pfeil ein, der einem den Weg weist.

An der unteren Längsseite befinden sich zwei schmale Silikonpuffer, die das Tablet wohl vor Kratzern und Dellen schützen sollen, wenn man das Tablet aus Versehen mit zu viel Schwung aus dem Dock zieht

 Angedockt: Das Google Pixel kommt mit einer magnetischen Ladestation.

Angedockt: Das Google Pixel kommt mit einer magnetischen Ladestation.

Foto: dpa-tmn/Google

An den Querseiten des Tablets befinden sich jeweils zwei Lautsprecher, die sowohl im Hoch- als auch im Querformat für Stereoklang sorgen. Befindet sich das Pixel im Dock, dann wird sofort auf die Lautsprecher in der Ladestation umgeschaltet. Die haben deutlich mehr Wumms und bringen auch Bässe im Rahmen der Möglichkeiten zur Geltung.

Schade ist, dass die Google-Entwickler sich dafür entschieden haben, beim angedockten Pixel die Lautsprecher des Tablets selbst zu deaktivieren, denn diese klingen in den Höhen etwas klarer als die Lautsprecher im Dock.

Aus Gründen wurde kein OLED-Display verbaut

Das Display des Pixel Tablet Display ist elf Zoll groß und kann nicht mit Spitzenwerten aufwarten. Weil das Tablet bei vielen Anwendern vermutlich die Zeit, in der es nicht im Einsatz ist, auf dem Dock sitzt und Fotos inklusive Wetter und Uhrzeit anzeigt, konnte Google kein OLED-Panel verbauen. Das wäre zwar insbesondere beim Videoschauen wegen der satteren Schwarztöne von Vorteil gewesen, hätte aber auch einen unschönen Nachteil: OLEDs brennen leicht ein, wenn stundenlang dasselbe Motiv angezeigt wird. Daher hat sich Google für ein herkömmliches LCD-Panel mit einer Auflösung von 1600 mal 2560 Pixel entschieden.

Mit einer Bildwiederholfrequenz von nur 60 Hertz liegt das Pixel im Vergleich mit der Konkurrenz auch nicht besonders weit vorn. Manche Spitzen-Tablets aus der Android-Welt, aber auch die aktuellen Pixel-Smartphones bieten hier das Doppelte. Jedoch: Im Test hat sich dies als wenig störend herausgestellt.

Flüssiges Scrollen und kräftige Farben

Länger nicht mehr gesehen: Nach einer Pause vom Tablet-Markt will Google nun mit dem Pixel ein Comeback feiern.

Länger nicht mehr gesehen: Nach einer Pause vom Tablet-Markt will Google nun mit dem Pixel ein Comeback feiern.

Foto: Google/dpa-tmn/Google

Webseiten scrollen flüssig und auch bei Spielen gab es keine nennenswerten Ruckler. Die Farben erscheinen kräftig. Wem die Anzeige zu bunt erscheint, kann in den Farbeinstellungen vom Standardwert „Adaptiv“ zur gedämpfteren Option „Natürlich“ wechseln.

Anwender, die sonst mit einem iPad unterwegs sind, müssen sich an das ungewohnte Seitenverhältnis gewöhnen. Bei Apple-Tablets liegt das bei 4:3, Google hat sich für das Breitformat 16:10 entschieden, das besonders gut für das Anschauen von Videos geeignet ist. Apps wie Netflix und Youtube sind auch schon für dieses Format optimiert, viele andere Anwendungen aber noch nicht. Auch beim Lesen und Schreiben ist man mit 4:3 besser bedient.

Apropos Schreiben: Für das Pixel Tablet gibt es auch Anfang September von Google noch immer keine passende Hülle mit eingebauter Tastatur. Wer also längere Texte auf dem Gerät tippen möchte, muss entweder eine separate Bluetooth-Tastatur andocken, die aber eigentlich nicht für das Tablet gedacht ist. Oder die Bildschirmtastatur muss eben genügen. Eines ist klar: Als Laptop-Ersatz hat Google das Pixel jedenfalls nicht ins Rennen geschickt.

KI-mäßig gut aufgestellt

 Das Pixel Tablet gibt sich mit den Optionen Altweiß (Bild) und Grau farblich zugeknöpft.

Das Pixel Tablet gibt sich mit den Optionen Altweiß (Bild) und Grau farblich zugeknöpft.

Foto: Grace Rivera/Google/dpa-tmn/Grace Rivera

Das kennt man ja abereits von den Pixel-Smartphone: Google bietet die beste Diktierfunktion auf dem Markt, obwohl sich in diesem Bereich mit dem Höhenflug der Künstlichen Intelligenz eine Menge tut und KI-Apps wie Whisperboard und Aiko zum Teil beeindruckende Ergebnisse (auch auf dem iPad) liefern. Das Pixel ist in Sachen KI aber auch ohne Hilfe von Drittanbietern mit dem Prozessor dem Tensor G2 gut aufgestellt und ermöglicht zum Beispiel auch offline die Erkennung von Musikstücken.

Ebenso wie bei den Tensor-getriebenen Pixel-Smartphones kann man dank der KI-Power des Tensor G2 in Fotos mit dem „magischen Radierer“ Menschen oder störende Objekte aus den Bildern entfernen oder tarnen. Die Leistung des Pixel Tablet reicht auch locker dazu aus, um problemlos zwei Apps im Multitasking nebeneinander auszuführen. Und wenn die verwendeten Apps diese Funktion richtig unterstützen, funktioniert das auch gut.

Der integrierte 27-Wattstunden-Akku ermöglicht bis zu zwölf Stunden Videostreaming. Bei 3-D-Spielen ging dem Pixel Tablet nach gut neun Stunden die Puste aus. Damit schlägt sich das Google-Gerät im Vergleich zu aktuellen Tablets von Apple, Samsung und Lenovo sehr ordentlich.

Nicht so toll: das Update-Versprechen

Etwas schlechter sieht die Bilanz in Sachen Software-Updates aus: Google verspricht die Unterstützung von neuen Android-Versionen für die nächsten drei Jahre und fünf Jahre Sicherheitsupdates. Das ist für ein Tablet zu wenig. Diese Geräte sind ja häufig deutlich länger im Einsatz, als etwa ein Smartphone. Bei Pixel 8 und Pixel 8 Pro, die Anfang Oktober vorgestellt werden, soll Google deutlich längere Update-Zeiträume liefern. Bleibt zu hoffen, dass der Konzern aus dem kalifornsichen Mountain View beim Tablet nachträglich nachlegt.

Google sollte sich hier ein Beispiel an Apple nehmen: So läuft das neue iPadOS 17 auch noch auf dem iPad (6. Generation), das 2018 auf den Markt kam.

 Lautsprecher in der Ladestation: Das Google Pixel schaltet auf die Lautsprecher in der Dockingstation um, wenn es gekoppelt wird.

Lautsprecher in der Ladestation: Das Google Pixel schaltet auf die Lautsprecher in der Dockingstation um, wenn es gekoppelt wird.

Foto: Google/dpa-tmn/Google

Schade ist, dass das Pixel Tablet nicht auch wie ein Nest Hub von Google einen Platz auf dem Nachttisch im Schlafzimmer finden kann, denn das Display schaltet sich nicht automatisch aus, sobald es im Zimmer dunkel ist. Im Dock regelt das Tablet zwar im Dunkeln die Displayhelligkeit herunter, bleibt aber für manch einen sicherlich zu hell, um ungestört einschlafen zu können. Daher wird das Pixel seinen Platz in Wohnzimmer, Küche oder Bad finden, wo das Always-on-Display nicht stört.

Fazit

Die Rückkehr von Google in dem Tablet-Markt ist mit dem Pixel durchaus gelungen. Allerdings ist das Gerät vergleichsweise teuer, gemessen daran, dass es noch keine optimierte Tastaturunterstützung und kein Spitzendisplay gibt. Das Pixel Tablet kostet knapp 680 Euro (128 Gigabyte Speicher). Für den doppelten Speicherplatz wird ein Aufpreis von 120 Euro fällig.

Zum Vergleich: Ein aktuelles iPad (10,9 Zoll) ist ab 580 Euro zu haben. Dafür bekommt man bei Google aber auch ein Dock mitgeliefert, das die Konkurrenz nicht bieten kann. Das Dock ist dann auch ein großes Plus: Das Pixel Tablet ist immer (zu 90 Prozent) geladen und man weiß vor allem, wo es sich befindet.

Von dem wiedererwachten Interesse am Tablet-Markt werden perspektivisch aber auch andere Tablets mit dem Android-System profitieren, sollte es Google gelingen, der bislang stiefmütterlichen Anpassung von Android-Apps an den Tablet-Formfaktor ein Ende zu setzen.

(csr)
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