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Smartwatch im Test: Withings Scanwatch - Gesundheitsuhr in klassischem Design

Smartwatch im Test : Withings Scanwatch - Gesundheitsuhr in klassischem Design

Wer gerne eine Smartwatch am Handgelenk tragen möchte, die aber nicht wie ein kleiner Computer aussieht, für diejeningen hat Withings jetzt die Scantwatch auf den Markt gebracht. Was die Uhr leistet, besonders in Sachen Gesundheitsdaten, das klärt unser Test.

Eine klassische Smartwatch hat oft das Problem, dass sie als schwarzes Etwas am Handgelenk hängt und erst nach einer schwungvollen Bewegung zum Leben erwacht und etwas auf dem Display anzeigt. Apple hat das immerhin seit der Watch Series 5 geändert und bietet ein Always-on-Display (>>>Hier unser Test der Apple Watch Series 6).

Viele wünschen sich jedoch eine Uhr im eher klassischen Design, die trotzdem mit Smartwatchfunktionen aufwarten kann. Solch eine Uhr hat nun der französische Hersteller Withings auf den Markt gebracht, die Scanwatch. Das Design ist sehr zurückhaltend, die Materialien hochwertig. So besteht das Gehäuse aus Edelstahl, das Zifferblatt hat aufgesetzte Chromindexe, darüber wölbt sich sehr widerstandsfähiges Saphirglas.

Das Zifferblatt besteht aus drei Teilen. Zum einen für die Uhrzeit, auf der 6-Uhr-Position sitzt eine Anzeige, auf der sich der Fortschritt des täglichen Aktivitätsziels in Prozent ablesen lässt und auf der 12-Uhr-Position wurde ein kleiner OLED-Bildschirm verbaut, der unter anderem EKG, Sauerstoffsättigung, mögliches Vorhofflimmern, Smartphone-Benachrichtigungen und die Herzfrequenz anzeigt.

Verblüffend ist die Akkulaufzeit, die der Hersteller verspricht: 30 Tage. Das liegt natürlich an dem recht kleinen Monochrom-Display, das sich per Tastendruck oder Armbewegung aktiviert, und etwa auch am Verzicht auf ein eingebautes GPS. Die Ortsdaten kann die Uhr jedoch bei Bedarf vom gekoppelten Handy beziehen. Auf 30 Tage sind wir im Test zwar nicht gekommen, aber bei normaler Nutzung waren 15 bis 20 Tage problemlos drin. Das erlaubt, auch ohne Ladekabel in den Urlaub zu fahren.

Ausgepackt und am Handgelenk, ist für die Inbetriebnahme der Scanwatch ein iPhone oder Android-Smartphone notwendig sowie die herstellereigene App Health Mate. Sind Uhr und App per Bluetooth gekoppelt, können in der App die gewünschten Einstellungen vorgenommen werden.

Über die Krone der Uhr können einige Einstellungen ebenfalls aufgerufen und verschiedene Messwerte angezeigt werden, darunter zurückgelegte Schritte, Herzfrequenz, verbrauchte Kalorien oder überwundene Stockwerke.

Die Scanwatch kann, wie etwa auch die Apple Watch, ein einfaches Ein-Kanal-EKG erstellen. Damit lassen sich zwar keine Herzinfarkte erkennen, wohl aber ein Vorhofflimmern, das Vorbote eines Herzinfarkts sein kann. Auf Wunsch überwacht die Uhr das Herz des Trägers permanent auf Vorhofflimmern und meldet sich im Falle eines Falles mit einer Benachrichtigung. Diese Funktion hat sich Withings klinisch validieren lassen. Im Laufe des Jahres wird noch eine Warnung bei zu niedriger oder zu hoher Herzfrequenz per Softwareupdate hinzukommen.

Ebenfalls nachgereicht - laut Withings bis Ende des Jahres - wird eine Überwachung während der Nacht, die auf Atemstillstände, also die gefährliche Schlafapnoe, hinweisen soll. Hier kam die klinische Validierung wegen der Corona-Pandemie in Verzug. Immerhin weist die Uhr jetzt schon auf Atemstörungen während der Nacht hin. Das macht sie einmal im Quartal oder auf Wunsch - dann aber deutlich Akku-zehrender - jede Nacht.

Eine neue Funktion, die Anfang November auf der Uhr freigeschaltet worden ist, ist der Atem-Modus. Damit soll sich der sich Nutzer eine Minute lang ganz auf die Atmung konzentrieren. Viele Ärzte empfehlen sechs Atemzüge pro Minute, fünf Minuten lang, dreimal täglich. Diese Methode nennt sich Herzkohärenz. Schade ist nur, dass man diese Funktion immer von Hand anstoßen muss - und somit vermutlich vergessen wird. Auf der Apple Watch gibt es eine ähnliche Funktion, die aber einmal täglich automatisch aufpoppt.

Die Sauerstoffsättigung (SPO2) misst die Scanwatch mit einem Multi-Wellenlängen-Sensor. Dieser sendet Infrarot-Lichtsignale aus und durchleuchtet damit die Blutbahnen. Dieses Feature wurde nach einer klinischen Studie im Hypoxia-Labor der Universität von Kalifornien in San Francisco (UCSF) geprüft und validiert.

Deutlich ausführlicher als auf der Uhr bekommt man die Messergebnisse in der Health-Mate-App präsentiert. Dazu gibt es ausführliche Erklärungen, etwa was Vorhofflimmern genau ist und warum es so gefährlich sein kann. Für einen medizinischen Laien wie den Tester der Uhr war das durchaus lehrreich. Plant man einen Besuch beim Arzt, kann man in der App einen Gesundheitsbericht erstellen und diesen entweder als PDF direkt teilen oder ausdrucken.

Darüber hinaus lässt sich die Scanwatch auch als Fitnesstracker nutzen. Bis zu 30 verschiedene Aktivitäten kann die Uhr überwachen, einige davon werden automatisch erkannt. Jedoch bekommt man eine ausführliche Auswertung nur dann, wenn vor Beginn an der Uhr die entsprechende Aktivität auswählt wurde und das Smartphone für Connected GPS in der Nähe ist. Dann werden Herzfrequenz, die zurückgelegte Strecke auf einer Karte, Höhenunterschiede, Pace und die Bewertung des Fitnessniveaus laut VO2 Max angezeigt. Gerade Letzteres hat sich im Test durchaus als motivierend herausgestellt.

Die Scanwatch von Withings gibt es in zwei Größen (38 und 42 Millimeter) und jeweils in Schwarz und Weiß. Die Modelle kosten 280 bzw. 300 Euro. Geliefert wird die Uhr mit einem speziellen Ladekabel, einem Silikon-Armband - das mit der Zeit übrigens etwas ausleiert - und einer Filz-Aufbewahrungstasche.

Fazit

Verglichen etwa mit der Apple Watch kommt Withings Scanwatch recht günstig daher. Trotzdem ist sie vollgepackt mit nützlichen Funktionen und sieht - das sagt jedenfalls der Tester - mit ihrem nüchtern-klassischem Design toll aus. Die Verarbeitung ist top, die Materialien sind hochwertig.

Sehr löblich: An die Uhren passen herkömmliche Armbänder, die man überall kaufen kann. Man ist also nicht, wie sonst durchaus üblich, am überteuerte Modelle des Herstellers gebunden.

Absolut überragend ist die Akkulaufzeit der Uhr. Auch wenn die 30 Tage, die der Hersteller verspricht, wie erwähnt im Test nicht erreicht wurden, muss man sich nicht ständig Gedanken um das Aufladen der Uhr machen.