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iOS8 und Mac OS Yosemite: Apple macht wenig neu, aber alles schöner

Mit iOS und Mac OS ins Smart Home : Apple macht nichts wirklich neu, aber alles schöner

Einige Klagen waren zu hören. Kein iPhone 6, keine iWatch, kein Irgendwas - nicht ein Gerät hat Apple neu vorgestellt. Aber mal ehrlich, damit war auch nicht zu rechnen. Bei der Entwicklerkonferenz WWDC geht es traditionell mehr um Software. Und da hatte Apple einiges im Köcher. Nichts war wirklich revolutionär neu, aber alles irgendwie schöner als bei der Konkurrenz.

Klar, Apple steht für Innovationen und Apple steht unter Druck. Denn seit dem iPad hat es aus Cupertino keine richtige Innovation mehr gegeben. Es ist auch schwierig. Das Smartphone ist weitgehend ausgereizt, das Tablet auch, etwas wirklich Revolutionäres ist da wohl nicht mehr zu erwarten.

Und beim Thema Wearables sind andere schon vorgeprescht. Sei es Googles umstrittene - und nicht hundertprozentig funktionierende - Brille Glass oder die Schwemme an smarten Uhren fürs Handgelenk. Irgendwann muss die Entwicklungsabteilung der Apfelfirma mal wieder einen Knaller landen.

Zum Glück hat der liebe Gott neben der Hardware auch noch die Software erfunden. Und in dem Bereich hatte Apple dann doch ein paar interessante Neuigkeiten zu bieten.

Bevor Tim Cook sein erstes Wort auf der Bühne sagte, war bereits klar, iOS 8 kommt und auch Mac OS bekommt sei lang ersehntes Update.

Mit iOS 8 für iPhone,iPad und iPod touch macht Apple seine Plattform offener denn je. Apps können künftig untereinander kommunizieren - bislang war das undenkbar. Das dürfte den Nutzern in einigen Monaten verknüpfte Anwendungen mit deutlichem Mehrwert bringen.

Zudem dürfen Apps nach dem Update auf den bislang streng gehüteten Fingerabdruck-Sensor "TouchID" zugreifen, der zuvor nur für das Freischalten des Sperrbildschirms und beim Bezahlen in Apples Online-Store iTunes verwendet wurde. Ob das eine neue Debatte zum Thema Datenschutz auslösen wird?

iOS und Mac OS wachsen künftig nicht nur optisch immer weiter zusammen, sie werden auch in ihrer Bedienung untereinander verknüpft - zwei von Usern lang ersehnte und geforderte Schritte.

So werden Anrufe auf dem iPhone zugleich auf dem Mac-Bildschirm angezeigt und können dort auch entgegen genommen werden. Ein Mausklick auf eine Telefonnummer auf dem Mac-Bildschirm kann einen Anruf auslösen. Eine E-Mail, die unterwegs auf dem iPhone begonnen wurde, kann auf dem Mac fertiggeschrieben werden. Fotos tauchen auf allen Geräten auf.

"Das funktioniert sogar, wenn das iPhone am anderen Ende der Wohnung am Ladegerät ist", sagte Apples Software-Chef Craig Federighi. Die Verknüpfung der beiden Welten ist wichtig: Apple hat rund 80 Millionen Mac-Kunden - dagegen wurden bisher über 800 Millionen mobile Geräte mit iOS verkauft.

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So verschmelzen iPhone, iPad und Mac zu einer Einheit. Dieser Ansatz ist nicht wirklich neu, aber vermutlich nirgendwo so elegant umgesetzt.

Zwei wichtige Themen für die Zukunft sind Gesundheit und Smart Home, das vernetztes Zuhause. Hier leistet Apple mühsame Grundsatzarbeit. In den vergangenen Jahren sind zahllose Fitness-Gadgets und Medizin-Sensoren auf den Markt gekommen. Das Problem: Untereinander sind die Geräte meist nicht kompatibel.

Der Pulssensor von Hersteller A spricht nicht direkt mit der Personenwaage von Hersteller B. Hier könnte Apple mit der neuen App Health künftig eine Art Sammelstelle für Medizin- und Fitness-Werte bieten. In dieses Szenario würde sich natürlich die von Gerüchteköchen schon lange kolportierte Apple-Smartwatch hervorragend einfügen.

Deutlich komplizierter wird die Sache im Bereich Smart Home. Zu Steuerung von Licht, Temperatur und Haustür gibt es nicht nur viele nicht-kompatible Protokolle. Zum Teil funken die eigentlich so smarten Gegenstände im Heim auch auf so unterschiedlichen Wellen, dass sie nicht zueinander finden können. Apples Plattform HomeKit könnte in diesem To­hu­wa­bo­hu zumindest die Protokoll-Frage lösen.

Über den Apple-Sprachassistenten Siri soll der Nutzer dann dem System zum Beispiel einfach sagen, dass er ins Bett gehen will, erklärte Apple-Softwarechef Federighi. HomeKit würde dann die Systeme im Haus etwa anweisen, die Lichter zu dimmen, die Haustür abzuschließen und das Garagentor herunterzufahren.

Und vielleicht steigt Apple ja auch wie Google mit dem Kauf von Nest hier ins Geräte-Business ein, um ein weiteres Geschäftsfeld aufzubauen.

Eine weitere Neuerung betrifft die Online-Festplatte iCloud Drive. Sie steht auch Windows-Nutzern offen, betonte Federighi. Das ist eine klare Ansage, dass Apple sich mit voller Kraft ins Geschäft mit Cloud-Diensten stürzt, in denen Google, Amazon und Microsoft sehr aktiv sind.

iCloud wurde nun nicht nur deutlich preiswerter, wenn man über die kostenlosen fünf Gigabyte hinaus Speicherplatz mieten will. In iCloud tauchen nun auch die besten Ideen auf, die man beispielsweise vom Speicherdienst Dropbox oder dem Chatdienst WhatsApp her kennt - alles aber wieder einen Tick schöner und angeblich auch sicherer.

Zum Ende der rund zweistündigen Präsentation kündigte Apple eine eigene Programmiersprache mit dem Namen Swift an, die neue Arten von Anwendungen ermöglichen soll und einfacher zu handhaben sei.

Apple-Chef Cook erlaubte sich schließlich noch eine bissige Bemerkung gegenüber dem großen Rivalen im Smartphone-Markt. Viele iOS-Nutzer kämen von Android, sagte er. "Sie haben ein Telefon aus Versehen gekauft. Und dann eine bessere Welt gesehen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Apple-Neuerungen: Tim Cook präsentiert "Yosemite" und iOS 8

(csr)