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CES 2017: Die Stimme ist der neue Mausklick

CES in Las Vegas : Die Stimme ist der neue Mausklick

Sprachsteuerung von Elektrogeräten und Autos ist der Überraschungstrend auf der Technikmesse CES. Knöpfe und Touchscreens werden zur Nebensache.

"Reden Sie mit Ihrem Kühlschrank", fordert Samsung die Besucher der Technikmesse CES in Las Vegas auf. Die bleiben häufig mit irritiertem Gesicht stehen: "Zwar hat man beim Kochen die Hände selten frei, aber muss ich mit meiner Stimme die Temperatur im Kühlschrank steuern?", scheint es ihnen durch den Kopf zu gehen.

Dieser Spielerei zum Trotz: Hersteller wie Samsung bedienen einen überraschenden Trend, der die Konsumerelektronik zum Start in das neue Jahr prägt. Geräte lassen sich künftig mit der Stimme steuern. Darüber hinaus werden unzählige Kooperationen mit dem per Stimme steuerbaren Lautsprecher Amazon Echo, den es seit Dezember auch in Deutschland zu kaufen gibt, sowie den Sprachassistenten Siri von Apple, Google Assistant und Cortana von Microsoft bekanntgegeben.

Ganz neue Anwendungsmöglichkeiten

Die mit dem Internet vernetzten Haushaltsgeräte und die Verbesserung der Spracherkennung haben dazu geführt, dass es jetzt ganz neue Anwendungsmöglichkeiten gibt, die auch von den Nutzern schneller als erwartet angenommen werden.

Das führt zur einer kleinen Revolution in der Technik-Welt: Knöpfe und Touchdisplays werden nicht mehr zur Hauptsteuerung gebraucht. Entsprechend wird sich auch das Aussehen der Geräte verändern.

"Die Stimmerkennung hat sich in den letzten Jahren stark verbessert", erklärt Shawn DuBravac, leitender Ökonom der Consumer Technology Association auf der CES. "Wir brechen das Zeitalter des gesichtslosen Computings an."

1995 hatte die Spracherkennung noch eine Fehlerrate von 43 Prozent. Heute liegt die Fehlerrate nur noch bei 6,3 Prozent und liegt damit auf Augenhöhe der menschlichen Fehlerrate. "Wir haben in den letzten 30 Monaten mehr Fortschritte gesehen, als in den letzten 30 Jahren", stellt DuBravac fest.

700 neue Apps werden vorgestellt

1500 Apps gibt es alleine für den Amazon Echo - alleine auf der CES werden bis Sonntag 700 neue vorgestellt. So ist es beispielsweise in Deutschland möglich, über die App "MyTaxi" per Sprachbefehl ein Taxi zu sich nach Hause zu bestellen. Der Anruf bei der Taxizentrale und der damit verbundenen Telefonwarteschlange ist damit nicht mehr nötig.

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Diese unendlichen Möglichkeiten kommen bei den Konsumenten an: Bisher sind in den USA fünf Millionen Geräte aus der Kategorie Amazon Echo verkauft worden. Alleine in diesem Jahr sollen noch einmal weitere fünf Millionen Geräte hinzukommen. Kaum eine Produktkategorie kommt um eine Alexa-Integration herum. So wird auf der CES ein Fernseher gezeigt, der sich mit der Stimmsteuerung von Amazon bedienen lässt.

Doch trotz der bisherigen Verkaufserfolge und schnellen Adaption in den unterschiedlichsten Produkten steht die Entwicklung der Spracherkennung noch ganz am Anfang. "Bisher verstehen die Assistenten nur rudimentäre Sprachbefehle", fasst Analyst Shawn DuBravac zusammen. "Es ist aber nötig, dass die Systeme künftig auch komplexere Sprachbefehle verstehen."

Zu oft wird der Kontext des vorangehenden Sprachbefehls vergessen. Mercedes-Benz Zukunftsforscher Alexander Mankowsky sieht in den Sprachassistenten eine Renaissance der künstlichen Intelligenz. "In der direkten Kommunikation gehen Menschen automatisch von einem Bewusstsein des Gegenübers aus", analyisiert Mankowsky. "Doch das ist bei den Geräten heute natürlich nicht gegeben."

Viel Aufmerksamkeit für Sensory

Viel Aufmerksamkeit bekommt der Hersteller Sensory für sein Programm VoiceGenie. Produzenten von Bluetooth-Kopfhörern können ihre Geräte mit VoiceGenie ausstatten und so den bervorzugten Sprachassistenten des Nutzers direkt in das Ohr des Nutzers bringen - neben Apples Siri, Microsofts Cortana, Google Assistant kann der Nutzer auch Alexa auswählen.

Lenovo hat den Erfolg von Amazons Lautsprecherbox schnell erkannt und zeigt in Las Vegas einen günstigeren Lautsprecher-Klon. Der "Smart Assistant" sieht ähnlich aus, ist aber schon für 130 US-Dollar zu haben und nutzt auch Alexa als Betriebssystem.

Auch die Autohersteller schwören auf Sprachsteuerung, wie es schon in der 80er-Jahre Fernsehserie "Knight Rider" zu sehen war. Toyotas Konzeptauto Concept-I hört allerdings nicht auf den Namen Kitt, sondern auf Yui. Autos die mit dem OpenCar-System ausgestattet sind, können ab der zweiten Jahreshälfte auf Alexa zugreifen.

Nissan und BMW haben auf der CES eine Kooperation mit Cortana bekanntgegeben. Doch nicht alle setzen nur auf die Stimme: BMW setzt auch auf Gesten und verabschiedet sich vom Touchdisplay. Der Autohersteller zeigt auf der CES eine Konzept, in dem Fahrer ihren Wagen über Hologramme bedienen.

(dafi)