Cebit 2017: Das wurde aus den Cebit-Ideen der Vergangenheit

Computermesse in Hannover : Was aus den Cebit-Ideen wurde

Die Technik-Messe Cebit galt lange als wichtigste der Welt. Viele Innovationen wurden hier vorgestellt - doch der Erfolg war nicht jeder beschieden.

Als Ralf Flickinger die Vergangenheit einholt, fängt er an zu lachen. Es geht um einen Satz, den er in Hannover auf der ehemals weltgrößten Computermesse Cebit gesagt hat.

Es geht um virtuelle Realität: Schon bald würden Medizinstudenten durch menschliche Körper wandeln, und Ärzte würden Kollegen über Datennetze ihre neuesten Operationsmethoden an virtuellen Patienten demonstrieren, sagte Flickinger 1994.

Damals wurden "Datenhelme" auf der Cebit präsentiert, mit denen sich dreidimensionale Bilder anzeigen ließen. Das Problem ist: Die Technologie wartet bis heute auf ihren Durchbruch.

"Das war damals wohl eher der Zukunftsoptimismus eines Vertriebschefs", sagt Flickinger heute lachend. Damals war er für eine Handelsfirma aus Karlsruhe tätig, heute arbeitet er als Berater in Saarbrücken. "Rückblickend muss man sagen, dass die Technik einfach noch nicht so weit war."

Auf der Cebit wurden zwar viele Innovationen präsentiert und beworben - doch nicht jede wurde am Ende auch zum Erfolgsschlager.

1987: Adé, CD? Die Frage, was nach der CD kommt, wollten Hersteller auf der Cebit beantworten: eine größere CD. Laser-CD nannte sich die glänzende Scheibe, mit der man nicht nur Musik hören, sondern sogar ganze Opern als Video anschauen konnte.

Das Format ereilte jedoch das gleiche Schicksal wie Jahre später Produkte wie die Minidisk oder die HD-DVD, die sich nicht gegen ihre Konkurrenten durchsetzen konnten. Die Minidisk hatte gegen MP3s keine Chance, die HD-DVD unterlag der Blueray-Disk.

MP3-Player wurden übrigens auch auf der Cebit vorgestellt - 1999. Samsung zeigte damals das Modell "Yepp", auf dem sich umgerechnet etwa 30 Minuten Musik speichern ließen.

1990: Die Revolution des Telefons

Was für eine Entwicklung! Die Hersteller auf der Cebit feierten den endgültigen Durchbruch von schnurlosen Telefonen. Sogar die Nachrichtenagentur dpa notiert fasziniert: "Mit dem ,Schnurlosen' können sie sich bis zu 300 Meter vom Telefonanschluss entfernen und sind trotzdem jederzeit präsent."

Kein Wunder, dass auch das Interesse bei Privatleuten wuchs. Einher ging die steigende Nachfrage mit deutlichen Preissenkungen: Kostete ein schnurloses Telefon 1986 noch rund 2000 DM, war es vier Jahre später knapp die Hälfte. In den folgenden Jahren zeigten verschiedene Hersteller - unter anderem sogar der Uhrenhersteller Swatch - verschiedene Telefonvarianten.

Heute ist das schnurlose Telefon selbst zur bedrohten Art geworden. Dem Siegeszug der Smartphones fallen immer mehr klassische Telefonanschlüsse zum Opfer.

1995: Das Heim-Betriebssystem

In den USA hatte der Verkauf von PCs an Privatleute bereits den an Firmenkunden überflügelt - Ähnliches prophezeiten Experten nun auch für den deutschen Markt. "Windows 95" wird das Betriebssystem, mit dem der PC endgültig in die heimischen Wohn- und Arbeitszimmer einzieht.

"Windows 95 kommt!" heißt es 1995 auf großen Plakaten auf der Cebit - nur wann, ist die Frage. Der Software-Hersteller musste die Einführung mehrfach verschieben. Dafür kam erst mal Bill Gates. Der Microsoft-Chef stellte das System in Hannover vor. Seine Mission: zeigen, dass sich Technik "natürlich in unser Leben einfügt".

Viele Jahre lang hatte Microsoft damit Erfolg - den Trend zu den Mobilgeräten wie Smartphones oder Tablets hat das Unternehmen jedoch verschlafen. Dort fügen sich nun überwiegend Betriebssysteme von Apple und Google "natürlich" in die Leben der Menschen ein.

1996: Bargeldloses Bezahlen Als die deutschen Sparkassen in Hannover ihre neuen EC-Karten mit einem Chip zum bargeldlosen Bezahlen für Verbraucher vorstellten, gab man sich selbstbewusst: Innerhalb der nächsten vier Jahre werde die Chipkarte zum Bezahlen ebenso selbstverständlich wie Bargeld werden, prophezeite Hans Michael Heitmüller, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, auf der Cebit Home, die einige Jahre als kleine Schwester der Cebit mit dem Schwerpunkt Unterhaltungselektronik betrieben wurde.

Um es kurz zu machen: Heitmüller irrte sich. Bargeldloses Bezahlen mit dem Chip blieb ein Nischenangebot. Bis heute tüfteln Unternehmen an Konzepten für das mobile Bezahlen, etwa per Smartphone. Allein: Bislang bezahlen die Deutschen unterwegs am liebsten weiterhin mit Bargeld.

2000: Millennium-Magie Deutschland war fasziniert von den Möglichkeiten, die das Internet bietet - und auch die Politik nutzte die Cebit, um sich zumindest verbal an die Spitze des Fortschritts zu setzen. Während Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in seiner Eröffnungsrede erleichterte Visa-Verfahren für ausländische Computerexperten per "Green Card" ankündigte und damit eine Debatte über "Computer-Inder" lostrat.

Auch Wirtschaftsminister Werner Müller wählte markige Worte - und forderte, dass sich Deutschland beim Thema E-Commerce europaweit an die Spitze setzen müsse. Passend dazu kündigten drei Großkonzerne an, in Zukunft kräftig im elektronischen Handel mitmischen zu wollen: Siemens, Telekom und Deutsche Post. Letztere präsentierte einen Service, mit dem Unternehmen und Händler Shops im Internet einrichten können.

Die Träume der Unternehmen platzten später ebenso wie die Aktien-Blase am Neuen Markt. Den Online-Handel dominieren heute Anbieter wie das US-Unternehmen Amazon und der chinesische Konzern Alibaba.

2017: Mr. Robot Sushi-Roboter aus Japan, selbstfahrende Autos und fliegende Drohnen - die Cebit zeigt in diesem Jahr, wie Technik immer intelligenter wird. Auch2017 wird wieder am Bild der Zukunft gemalt. Auch die virtuelle Realität, die Ralf Flickinger bei seinem Besuch 1994 so fasziniert hat, spielt dabei eine Rolle.

Vieles hat sich seitdem verbessert: "Damals brauchte man kühlschrankgroße Server, um die Datenmengen zu verarbeiten. Heute reicht schon das Smartphone", sagt Flickinger. Und aus den Datenhelmen sind Datenbrillen geworden. Flickinger sagt daher: "Bei meiner grundsätzlichen Einschätzung bleibe ich aber: Virtuelle Realität wird uns großen Nutzen bringen."

(frin)