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Düsseldorfer Facebook-Seite gesperrt: Wie Schüler im Internet gemobbt werden

Düsseldorfer Facebook-Seite gesperrt : Wie Schüler im Internet gemobbt werden

Düsseldorf (RPO). Für tausende Schüler ist Cybermobbing Alltag. Die Jugendlichen werden über das Internet systematisch beleidigt, angefeindet und gemobbt. Über soziale Netzwerke wie Facebook verbreiten sich böse Gerüchte besonders schnell. Am Donnerstag wurde eine Facebook-Seite gesperrt, auf der erfundene intime Details über Düsseldorfer Schüler verbreitet wurden.

"Heinrich Heine Gerücht" hieß die Facebook-Seite, auf der Jugendliche bis zu dieser Woche übelste Gerüchte übereinander verbreiteten. Der Ersteller der Seite hatte es sich nach eigenen Angaben zur Aufgabe gemacht, Nachrichten von Schülern zu empfangen und anonym auf seinem Profil zu veröffentlichen. Nicht anonym blieben die Opfer: Sie wurden mit vollem Namen genannt und mussten im Internet beispielsweise lesen, welche sexuellen Praktiken sie angeblich bevorzugen. Erst als die Seite beim Betreiber gemeldet wurde, wurde das Profil gelöscht.

Betroffene Schüler stehen den Anfeindungen, Beleidigungen, Unterstellungen und Lügen im Netz meist vollkommen hilflos gegenüber. "Anders als im Klassenzimmer wissen Jugendliche bei Facebook nicht, wer hinter den Beleidigungen steckt", sagt Eda Knaber vom Kinderschutzbund. "Gegen die anonymen Gerüchte im Internet, die sich besonders schnell verbreiten, kann man sich kaum wehren."

Allein in Nordrhein-Westfalen war bereits mehr als jeder dritte Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren schon einmal einer sogenannten Cybermobbing-Attacke ausgesetzt, geht aus einer Forsa-Umfrage für die Techniker Krankenkasse hervor.

Cybermobbing ist "weit verbreitete Realität"

Jeder fünfte betroffene Schüler wurde laut der repräsentativen Umfrage im Internet oder per Handy direkt bedroht oder beleidigt. Jeder Sechste litt demnach unter Verleumdungen. Bei elf Prozent kam es zu einem Missbrauch der Internet-Identität. Die Studie bestätige, dass Cybermobbing kein Randphänomen sei, "sondern weit verbreitete Realität", erklärte die Psychologin Stephanie Pieschl von der Universität Münster.

Gegen das Verbreiten von Gerüchten, Fotos und Filmen im Internet gibt es kaum rechtliche Handhabe - Mobbing ist nicht als Straftatbestand anerkannt. "Allerdings sind Inhalte des Mobbings wie Beleidigung, Bedrohung und üble Nachrede strafbar", erklärt Sebastian Gutknecht vom Kinder- und Jugendschutzbund.

Doch im Internet ist es besonders schwer, die Schuldigen ausfindig zu machen. Laut Gutknecht reicht dazu noch nicht einmal eine IP-Adresse: "Schließlich könnte jeder vor dem betreffenden PC gesessen haben. Opfer können dann nur noch auf die Aussagen von Zeugen hoffen." Besonders schwierig wird es, wenn der Täter einen öffentlichen Computer, beispielsweise im PC-Raum der Schule oder in einem Internetcafé, genutzt hat.

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Für die Inhalte auf ihren Seiten sind die Betreiber, so auch Facebook, verantwortlich. "In der Realität ist es aber nicht möglich alle Inhalte zu prüfen", so Sebastian Gutknecht. Der Jurist rät deswegen den Betroffenen, das Profil, auf der die Gerüchte verbreitet werden, beim Betreiber zu melden. Im Fall der Seite "Heinrich Heine Gerücht" war das erfolgreich, die Seite verschwand aus dem sozialen Netzwerk. Nachahmer gibt es jedoch viele.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Knigge fürs Internet