Was weiß Facebook wirklich über mich?

Selbstversuch: Was weiß Facebook wirklich über mich?

Im Zuge des Skandals um geklaute Daten bietet Facebook Nutzern die Möglichkeit, ihr persönliches Archiv herunterzuladen. Unser Autor hat das ausprobiert – und einige Überraschungen erlebt.

Im Zuge des Skandals um geklaute Daten bietet Facebook Nutzern die Möglichkeit, ihr persönliches Archiv herunterzuladen. Unser Autor hat das ausprobiert — und einige Überraschungen erlebt.

Eine gewisse Öffentlichkeit gehört dazu, wenn man als Redakteur über Internetthemen berichtet und Social Media für die Arbeit nutzt. Die pure Masse an Daten hat dann aber doch überrascht, als ich das gespeicherte Material über mich herunterlud. Eine Zip-Datei von 276 Megabyte stellte das soziale Netzwerk Facebook bereit - zehn Minuten, nachdem ich in den Einstellungen meines Accounts das Archiv angefordert hatte. (zur Downloadseite bei Facebook gelangen Sie über diesen Link)

Die ausgepackte Fassung enthielt dann erwartungsgemäß sämtliche Informationen, die ich im vollen Bewusstsein auf meinem Facebook-Profil veröffentlicht hatte, etwa die eigene Mail-Adresse, die Telefonnummer, berufliche Stationen und natürlich die Facebook-Beiträge, die ich gelegentlich verbreite.

Foto: schnettler

Warum noch mal Björn Engholm?

Unerwartet lang war dann aber die Liste aller jemals gelikten Seiten, Seiten also, die ich mit einem "Gefällt mir"-Daumen markiert habe. "Juskis Erdbebennews" taucht da neben dem ZDF auf, die Seite von Björn Engholm (wann und warum war das bloß?) neben dem "Generalanzeiger Bonn", die Seite der von Apple gekauften Münchner Firma Metaio neben der befreundeten Bloggerin, über die ich irgendwann einmal beruflich berichtet hatte. Das alles sind Daten, die seit 2015 zusammengekommen sind, als ich ein neues Facebook-Profil startete.

Insgesamt haben sich über die Jahre ein paar hundert Seiten angesammelt. Von außen kann das jedermann auf meinem Facebook-Profil einsehen, da ich diese Sichtbarkeit nicht ausgeschaltet habe. So weit, so harmlos - wäre da nicht auch die Seite eines AfD-Verbands, über den ich mal journalistisch berichtete, für den ich mich allerdings rein dienstlich interessierte. Fremde könnten über die Facebook-Suche durchaus all jene Journalisten aus einer bestimmten Stadt aufrufen, die einer bestimmten Partei folgen.

Echte Datensammelwut

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Jeder Kontakt aus dem Handy-Adressbuch ist kopiert. Ein Quell schierer Datensammelwut ist, was Facebook über meine Bekannten, Kollegen, Informanten und Freunde gesammelt hat. Es taucht jeder Mensch auf, den ich jemals im Adressbuch auf dem Mobiltelefon hatte, samt seiner Handynummer und gelegentlich auch Mail-Adresse - und zwar seit dem allerersten Handy, das ich jemals besaß. Teilweise finden sich acht oder neun Telefonnummern und Mail-Adressen zu den Einträgen von Bekannten. Unklar ist, ob ich der Facebook-App den Zugriff aktiv gestattet habe oder dies die Voreinstellung war. Deaktivieren lässt sich das fortlaufende Hochladen meiner Kontakte nur in der App, nicht im Desktop-Browser auf der Facebook-Seite. In der App findet sich in den Einstellungen auch ein "Privatsphäre-Check", der allerdings nur rudimentäre Einstellungen erlaubt. Gezieltes Löschen einzelner Informationen ist offenbar nicht möglich. Natürlich könnte ich den Account einfach komplett löschen.

Zu der Datensammlung gehören auch eine Reihe von Fotos und ein paar Videos, die ich auf Facebook eingestellt habe. Und es sind alle Chats bis zum ersten Tag zurück wiederfindbar, jedes Hin und Her via Facebook auf dem Smartphone mit jedem einzelnen Kontakt, den ich je hatte. Telefonate und deren Metadaten finden sich in der Facebook-Sammlung aber nicht.

Auch interessant: Facebook listet für jeden Einloggversuch die genutzte IP-Adresse und den ungefähr ermittelten Ort auf. Unter "Kontoaktivitäten" wird auf die Minute genau hinterlegt, wann ich über welches Gerät eine Sitzung wiederbelebte. Gespeichert sind die Daten in diesem Fall bis ins Jahr 2016 zurück.

Warum Langeweile?

Schließlich entdecke ich in den vielen Daten bei Facebook "Werbethemen", Begriffe also, für die ich mich wohl wegen meines Surfverhaltens interessierte, und die das US-Unternehmen Anzeigenkunden zur Verfügung stellt. Längst vergangene Musiker wie Van Halen oder Mousse T. tauchen darin auf, etliche Medien und Orte, Restaurants, an denen ich eincheckte, viele uralte Suchbegriffe. Irgendwann stoße ich auf das Wort "Langeweile", und ich frage mich, was ein Werber damit anfangen könnte?

Wäre da bloß nicht die Werbung für ein Arzneimittel, das mir immer wieder passend zu einem persönlichen Wehwehchen beim Surfen im Internet angezeigt wird. Aber dahinter steckt vermutlich Google, nicht Facebook - wer weiß das schon. Der Plan für dieses Wochenende heißt jedenfalls: einmal alle Datenschutzeinstellungen bei Facebook durchgehen. Und dann Google.

(RP)