Warum Likes bei Instagram nicht mehr öffentlich angezeigt werden

Soziales Netzwerk testet Neuerung : Warum Likes bei Instagram nicht mehr öffentlich angezeigt werden

Das soziale Netzwerk Instagram geht neue Wege und zeigt in sieben Ländern derzeit Likes zu Postings nur noch privat an. Was dahinter steckt.

Pilotprojekt bei Instagram: Der Onlinedienst führt in sieben Ländern einen Test durch, der für eine Menge Aufsehen sorgt. Ab sofort werden in Australien, Brasilien, Kanada, Irland, Italien und Neuseeland die Likes bei Postings nur noch dem jeweiligen Nutzer angezeigt, der es gepostet hat. Damit will Instagram eigenen Angaben zufolge den „Druck von den Usern nehmen", wie das Unternehmen, das im Silicon Valley in Kalifornien seinen Sitz hat, via Twitter mitteilte.

Statt um tausende Likes sollte es den Nutzern nur darum gehen, Inhalte zu teilen, die wichtig seien. Und eben nicht auf den schnellen Ruhm durch tausende oder gar millionenfache Likes abzielen. Ein weiterer Grund, die Likes zu verstecken, ist laut Instagram die Tatsache, dass eine geringe Zahl von Likes durchaus zu Mobbing führen könnte. Dies wolle man vermeiden, genauso wolle man verhindern, dass sich immer mehr Menschen virtuelle Likes durch reales Geld kaufen und so die Statistik aufhübschen und der Öffentlichkeit vorgaukeln können, dass ein Posting erfolgreich war oder eben nicht.

Ob das Verstecken der Likes auch in Deutschland getestet wird und wie lange der Test überhaupt dauert, ist noch nicht klar.

Über die sozialen Netzwerke wurde schnell ein Urteil gefällt. „Ehrlich gesagt hat niemand danach gefragt“, schreibt ein User im Netz. Auch von anderen Nutzern hagelte es Kritik.

Instagram-Chef Adam Mosseri hatte Anfang Juli im Interview mit der Zeitung „Frankfurter Allgemeine“ bereits Spekulationen befeuert. Damals sagte er: „Wir testen, die Anzahl der Likes zu privatisieren.“ Dass diese Tests schon früher vereinzelt stattfanden, zeigen Twitter- und Instagrambeiträge. In Kanada berichteten schon im April Nutzer über eine derartige Testphase. Die jetzige offizielle Ausweitung auf weitere Länder ist also nur der nächste Schritt, der allerdings zu einem interessanten Zeitpunkt kommt.

Einer Studie von InfluencerDB zufolge sinkt die Zahl der Intaktionen in den sozialen Netzwerken. Waren es 2016 noch über vier Prozent der Nutzer, die einem nicht gesponserten Instagram-Beitrag eine Reaktion spendierten, sind es im ersten Quartal 2019 nur noch 1,9 Prozent (2,4 Prozent bei gesponserten Beiträgen). Noch spannender wird es aber bei besonders kleinen und sehr großen Instagram-Konten: Kleine Konten mit 1000 bis 5000 Follower kommen auf überdurchschnittliche 8,8 Prozent Likes pro Follower. In der Gruppe bis 10.000 Follower sind es immerhin noch 6,3 Prozent. Ab 10.000 Follower sinkt die Anzahl der Likes auf 3,8 Prozent und selbst die ganz großen Instagram-Stars mit mehr als einer Million Follower können nur noch 3,5 Prozent vorweisen. Können Follower die Likes, die ein Beitrag bekommt, jedoch nicht mehr sehen, macht das keinen Unterschied mehr. Dann sieht jeder Beitrag gleich aus, egal wie viele Likes er bekommen hat.

Instagram hat rund 500 Millionen Nutzer weltweit und gehört zu den erfolgreichsten Sozialen Netzwerken im Internet. 2012 wurde es von Facebook gekauft und ist seitdem auch mit dem „großen Bruder“ verknüpft.

Interessant dürfte in jedem Fall die Tatsache sein, wie das Projekt bei den zahlreichen Influencern ankommt. Denn für die Werbetreibenden auf Instagram kommt es auf jeden Like an. Denn mit der hohen Reichweite werden immer mehr Unternehmen angelockt.

(mja/chal)
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