Wall Street Market: Was wir über die Betreiber der Darknet-Plattform wissen

Darknet-Plattform hochgenommen : Was über „Wall Street Market“ und seine Betreiber bekannt ist

Den Betreibern der weltweit zweitgrößten illegalen Darknet-Plattform „Wall Street Market“ drohen 15 Jahre Haft. Am Freitag wurde bekannt, dass drei Männer festgenommen wurden, darunter auch ein Verdächtiger aus Kleve. Was wir bisher wissen.

Nach aufwändigen verdeckten Ermittlungen haben deutsche Sicherheitsbehörden nach eigenen Angaben die weltweit zweitgrößte illegale Handelsplattform im sogenannten Darknet lahmgelegt. In den vergangenen Tagen nahmen sie in der Bundesrepublik die drei mutmaßlichen Betreiber von „Wall Street Market“ fest und beschlagnahmten die dazugehörigen Server und schalteten diese ab, wie die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main am Freitag mitteilte. Dort wurden etwa Drogen und gestohlene Daten angeboten.

  • Die Betreiber Bei den mutmaßlichen Betreibern handelt es sich um einen 31-Jährigen aus Bad Vilbel, einen 29-Jährigen aus dem Landkreis Esslingen und einen 22-Jährigen aus Kleve. Die Wohnungen der Tatverdächtigten wurden durchsucht. Dabei wurde bei dem Tatverdächtigen aus Kleve auch eine Schusswaffe sichergestellt. Die Beamten beschlagnahmten mehr als 550.000 Euro Bargeld sowie Beträge in Kryptowährungen in sechsstelliger Höhe und teure Autos. Die Festnahmen erfolgten vor etwa eineinhalb Wochen. Die drei Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft. Ihnen drohen 15 Jahre Haft. Das sagte der Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT), Georg Ungefuk, am Freitag in Wiesbaden. Den drei festgenommenen Männern werde die gewerbsmäßige Verschaffung einer Gelegenheit zur unbefugten Abgabe von Betäubungsmitteln vorgeworfen, was eine Form der Beihilfe sei. Es gebe in Deutschland derzeit keinen eigenen Straftatbestand für das Betreiben illegaler Handelsplattformen im Internet.
  • Die Plattform Die kriminelle Handelsbörse war laut den Ermittlern mit mehr als 1,15 Millionen Kundenkonten und mehr als 5400 Verkäufern der zweitgrößte illegale Marktplatz im Darknet, zuletzt waren dort mehr als 63.000 Angebote eingestellt. Für die Bereitstellung des Handelsplatzes sollen die Verdächtigen laut Staatsanwaltschaft Provisionen kassiert haben. Sie verlangten zwischen zwei und sechs Prozent des Verkaufswerts. Zu den über ihre Plattform gehandelten illegalen Waren gehörten neben Rauschgiften wie Kokain und Cannabis sowie gestohlenen Daten auch gefälschte Dokumente und Schadsoftware, wie sie Cyberkriminelle einsetzen. Die Plattformbetreiber hatten Waren, bei denen das Risiko der Strafverfolgung höher ist als bei Drogen, nicht zum Handel zugelassen. „Es gab schriftliche Vorgaben dazu, welche Dinge auf dieser Plattform verboten waren, und dazu zählten unter anderem Waffen, aber auch beispielsweise Kinderpornografie“, zitiert der SWR eine Staatsanwältin. Offenbar hätten die Betreiber vor allem ihren eigenen Profit im Sinn gehabt.
  • Die Ermittlungen Den Festnahmen vorausgegangen waren der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft zufolge aufwändige Ermittlungen unter großer Geheimhaltung, an denen auch Sicherheitsbehörden in den USA und den Niederlanden sowie die europäische Polizeibehörde Europol beteiligt waren. Die drei Hauptverdächtigen aus Deutschland waren seit März im Visier der Beamten, die operativen Ermittlungen führten dabei die auf Cyberkriminalität spezialisierten Experten des Bundeskriminalamts. Zum Zugriff entschlossen sich die Strafverfolgungsbehörden demnach, als die drei mutmaßlichen Betreiber anscheinend Vorbereitungen für ihr Untertauchen trafen. Ende April schalteten sie ihre Plattform für angebliche Wartungsarbeiten ab und begannen, die darauf in Kryptowährungen hinterlegten Kundengelder auf sich selbst zu übertragen.
  • Weitere Festnahmen In den USA nahmen Ermittler außerdem zwei mutmaßliche Drogenhändler fest, die in großem Stil Drogen über „Wall Street Market“ verkauft haben sollen. In deren Wohnungen wurden demnach Bargeldbestände in Millionenhöhe sowie zahlreiche illegale Waffen beschlagnahmt. Die internationale Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsbehörden sei „hervorragend“ verlaufen, teilten die Ermittler in Frankfurt mit.

Auch führende Innenpolitiker von CDU, SPD und Grünen begrüßten den Erfolg der Ermittler. Mehr zu den Reaktionen lesen Sie hier. Unter anderem werden nun gesetzliche Verschärfungen gefordert.

(mja/dpa/epd)
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