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Plagiatsjäger: VroniPlag-Gründer enthüllt seine Identität

Plagiatsjäger : VroniPlag-Gründer enthüllt seine Identität

Berlin (RPO). Der Gründer der Plagiatsjäger-Plattform VroniPlag hat seine Identität enthüllt. In einem Interview bekannte sich Martin Heidingsfelder am Donnerstag dazu, die Plattform ins Leben gerufen zu haben. Recherchen von VroniPlag-Teilnehmern hatten zum Entzug der Doktortitel der FDP-Politiker Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis geführt.

Heidingsfelder ist dem Bericht des "Spiegel Online" zufolge selbst Mitglied der SPD. Im Internet nennt er sich "Goalgetter". Der VroniPlag-Gründer erklärte, sein Name sei zuletzt in mehreren Internetforen veröffentlicht worden. Nachdem eine Boulevardzeitung bei ihm angerufen habe und wissen wollte, ob er die Plattform gegründet habe, wollte er das Outing "selbst in die Hand nehmen".

Zuvor habe er stets die Anonymität bevorzugt, da es bei VroniPlag "nicht um den Einzelnen, sondern um die Leistung des Schwarms" gehe. "Es spielt keine Rolle, was ich im richtigen Leben bin, Professor, Doktor, Student oder Kaufmann", sagte Heidingsfelder. Er arbeite als selbstständiger Programmierer in Erlangen und habe keinen Doktortitel. Heidingsfelder war am Donnerstag auf dapd-Anfrage für weitere Informationen zunächst nicht zu erreichen.

"Chatzimarkakis darf gerne mal bei mir anrufen"

Die Frage, ob er nach der Bekanntgabe seines Namens Rache von Chatzimarkakis oder Koch-Mehrin befürchte, verneinte Heidingsfelder in dem Interview. Er sei "ja nur der Gründer" der Plattform. "Aber Chatzimarkakis darf gerne mal bei mir anrufen und mit mir diskutieren. Er weiß ja jetzt, wie er mich finden kann."

Chatzimarkakis und Koch-Mehrin sind die bislang prominentesten Politiker, die in den Fokus der Plagiatssucher von VroniPlag gerieten. Nachdem zahlreiche nicht korrekt gekennzeichnete Übernahmen in den Arbeiten der FDP-Europaabgeordneten gefunden wurden, verlor Koch-Mehrin am 15. Juni den Doktortitel, Chatzimarkakis wurde er am 13. Juli aberkannt.

Der Name der VroniPlag ist abgeleitet von Veronica Saß, der Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU). Ihre Doktorarbeit hatte die Plattform zuerst infrage gestellt. Im Mai 2011 verlor Saß ihren Titel.

VroniPlag funktioniert nach den gleichen Prinzipien wie die wenige Wochen früher gestartete Webseite GuttenPlag, auf der ab Februar 2011 die Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Gutenberg (CSU) untersucht wurde. Der Fund zahlreicher Plagiate zog eine Untersuchung der Universität Bayreuth nach sich, an der Guttenberg promoviert hatte. Sie erkannte ihm den Doktortitel am 23. Februar 2011 ab, am 1. März trat Guttenberg zurück. GuttenPlag wurde mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.

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Die VroniPlag-Teilnehmer befassen sich derzeit unter anderem mit den Arbeiten der Politikberaterin Margarita Mathiopoulos und des FDP-Bundestagsabgeordneten Bijan Djir-Sarai. Über die Zukunft der Plattform mochte Heidingsfelder keine Spekulationen anstellen. Er sei "ja nur ein kleiner Fisch im Schwarm". Es sei möglich, dass VroniPlag in Vergessenheit gerate. Allerdings denke er, "dass wir noch weitere Dissertationen als Plagiate entlarven werden. Vielleicht kommt wieder ein großer Fall."

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(apd/felt)